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Der Israelit · 1893-02-09 · Heft 12 (9.2.1893) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 12 (9.2.1893)
Date
1893-02-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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218 glieder auf dem Fuße gefolgt; ein Jeder von ihnen ergriff nun eine Thorarolle, küßte sie und trug sie ins Freie hinaus. Als der Vorsteher Pavoncello auf dem Platze erschien, tönte ihm ein tausendfaches: bravo! entgegen. Sämmtliche Thorarollen wurden nun in das nahe Gemeindehaus in Sicherheit gebracht. Auch zahlreiche Frauen wollten sich an dem Rettungswerke betheiligen, sie wurden jedoch von der Polizei mit Gewalt zurückgehalten, damit kein Unglück geschehe. Oll' importa? schrieen die Frauen, laseiateei entrare nel tempio! bene bruciaremo madobbiamo salvare la santa tkora! (Was liegt daran? lasset uns hinein in die Synagoge! Wohlan, sollen wir auch verbrennen, aber wir wollen die heilige Thora retten!) Auch der genannte Schames di Cori schrie, als man herbeieilte, um ihn in Sicherheit zu bringen: Lasciatemi morire nel fuoco! non voglio vedere la mia ruina! (Lasset mich in den Flammen umkommen! ich will mein Elend nicht anschauen!) Der arme Mann hatte auch Recht, denn allgemein schreibt man seiner Nachlässigkeit die Schuld an dem Ausbruche des Brandes zu. Er soll nämlich einige an der Wand brennende Lichter nicht ausgelöscht haben; ein Vorhang wurde von der Flamme ergriffen und gleich darauf war das ganze Gotteshaus ein Flammenmeer. Endlich eine Stunde nach Ausbruch des Feuers kam auch die große Feuerspritze angefahren; dieselbe wurde nun beim Theater Argentina aufgestellt und von dorten aus ihre Wasserstrahlen auf das Feuermeer gerichtet, das man nun localtsiren konnte. Der vom Feuer angerichtete Schaden beträgt circa 500,000 Lire; doch war das Gotteshaus bei der Versicherungsgesellschaft „New-Iork" mit 800,000 Lire assecurirt. Auf dem Brandplatze hatten sich der Sindaco (Bürgermeister), der Polizeipräsident, der Präfect und zahlreiche sonstige Notabilltäten der Stadt eingefunden, die alle ihr tiefstes Beileid über das Unglück aussprachen. Aus der Bibliothek konnte noch manches kostbare Manuscript und ebenso konnten auch zahlreiche Documente aus dem Archive gerettet werden. Zum Schluffe will ich noch hervorheben, daß unser erhabener König seinen Adjutanten, General Ponzio-Vaglte, und unsere gütige Königin den Commandanten der Palastwache, Oberst Werner, auf den Brandplatz geschickt hatten, damit fie sich doch nach dem Umfange des Unglückes und ob dasselbe auch Menschenleben gefordert, erkundigen sollten, Dr6 ]m vb» mD3 othd’ n"Dö ph .D’in foj rrn’ k'tond rv3 KDin D’oyn ront* o«n Bemerken will ich noch am Schluffe, daß die Wölbung der großen Synagoge mit donnerähnlichem Getöse eingestürzt ist und riß sie auch die herrliche Frauengallerte mit sich in die Tiefe. Für den genannten Tischler Salomon Dario, dessen Werkstatt zerstört ist worden, wurde heute eine Subscription eröffnet. Hoffen wir, daß sich auch die zerstörten Gotteshäuser bald aus ihren Trümmern erheben werden. t"jx. Von anderer Seite erfahren wir: Am gestrigen Sabbat Vormittag kam es im Römischen Judenquartier zu Tumulten. Die jüdische Menge zwang sämmtliche reicheren Glaubensgenossen, ihre Ge- | schäfte zu schließen, indem sie das Feuer als Straf- | gericht Gottes 'betrachtete, weil die Juden am f Sabbat ihre Geschäfte offen ließen. Gendamerie j und Militär stellte die Ordnung wieder her. Sämmtliche Rabbinen waren am Platze. ISermifcßfes. Berlin In den vor Kurzem bei Wilhelm Herz dahier er- ’ schienenen . Nachgelassenen Schriften und Dichtungen Gott- | fried Keller's" befindet sich ein aus dem Jahre 1862 hers rührendes längeres „Bettags"-Fragment, aus dem wir einen | Absatz swegen der Bedeutung, die sein Inhalt für die Geß genwart hat, reproduziren. Der Titel dieses Aussatzes er- | klärt sich daraus, datz Keller als Zürcher Staatsschreiber I die Obliegenheit hatte, jeweils für den Buß- und Bettag im jj Auftrag der Kantonsregierung ein sogenanntes Mandat zu jj verfassen. Die betreffende Stelle lautet: „Was unsere kan- 1 tonale Gesetzgebung betrifft, so dürfte es hier der Ort sein, 1 eines kurzen, aber vielleicht folgenreichen Gesetzes zu er-! wähnen welches seit dem letzten Bettage geschaffen wurde. I Der von Euch erwählte Große Rath, liebe Mitbürger, hat j! mit einigen wenigen Paragraphen das seit Jahrtausenden! geächtete Volke der Juden für unfern Kanton seiner alten 8 Schranken entbunden und wir haben keine Stimmen ver- ) nommen. die sich aus Eurer Mitte dagegen erhoben hätten.! Ihr habt Euch dadurch selbst geehrt und Ihr dürft mit diej sem Gesetze, das eben so sehr von der Menschenliebe wie aus Gründen der äußeren Politik endlich geboten war, am z kommenden Bettage getrost vor den Gott der Liebe und der; Versöhnung treten. An Euch wird es sodann sein, das ge-; schriebene Gesetz zu einer fruchtbringenden, lebendigen Wahr- 1 heit zu machen, indem Ihr den Entfremdeten und Verfolg- I ten auch in gesellschaftlichem Verlehre freundlich entgegen gej| het und ihrem guten Willen, wo sie solchen bezeigen, behülsjj lich seid, ein neues bürgerliches Leben zu beginnen. Was 1 der verjährten Verfolgung und Verachtung nicht gelang, wird der Liebe gelingen: die Starrheit dieses Volkes in j Sitten und Anschauungen wird sich lösen, seine Schwächen ) werden sich in nützliche Fähigkeiten, mannigfaltigen Begab- ] ungen in Tugenden verwandeln, und Ihr werdet eines Taj ges das Land bereichert haben anstatt es zu schädigen, wie j blinder Verfolgungsgeist es wähnt." n -| Briefkasten der Expedition I Aus Elberfeld erhielten wir ohne Bezeichnung des j Absenders und ohne jegliche Notiz betr. Verwendung M. 1.30 l in Marken. Falls sich der Absender unter den Lesern unseres j Blattes befindet, so bitten wir denselben um gefl. diesbezüg- - liche Mittheilung. l Bei der Redaktion eingegangene Bücher nnd Broschüren. (Eventuelle Besprechung Vorbehalten.) j m n’LW) Anfangs-Unterricht in der mosaischen g Religion von Rab. Dr. Nathan Grün, Religionsl. an der Z Altstädter deutschen Volks- und Bürgerschule und an dem k. k. 8

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