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Der Israelit · 1893-02-09 · Heft 12 (9.2.1893) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 12 (9.2.1893)
Date
1893-02-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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215 Der Prinz dichte dem Markgrafen die Hand, in welche dieser affektirt zwei Finger legte und sich dann in einen Lehnstuhl, den ihm der Prinz durch eine Handbewegung zum Sitze anwies, warf. „Bon jour mon eher prince!“ *) begann der Markgraf und auch seine Stimme klang unsympathisch widrig, für einen Mann zu hoch, „ich hatte so eben die Ehre von seiner Majestät, dem Kaiser empfangen zu werden, rnai8 11 faut l’avouer 1 2) ich bin höchst ungnädig ausgenommen worden. Ich begreife es gar nicht, daß sich der Kaiser von diesem elenden Geschmiere, dieser Beschwerde, welche meine Landstände überreichten, gegen mich hat einnehmen lassen! Warum soll ein Souverain nicht dem andern beistehen? Warum soll er Partei für die Rebellen ergreifen? Ich an seiner Stelle würde das nichtsnutzige Gesindel gar nicht anhören; ihm ewiges Schweigen auferlegen." „Durchlaucht", erwiderte der Prinz, „der Kaiser ist der oberste Richter im deutschen Reiche, er muß nach Gesetz und Recht entscheiden und darf sich hierbei am allerwenigsten von persönlichen Rücksichten leiten lassen. — Was hat denn der Kaiser gesagt, daß Sie, Durchlaucht, von einem ungnädigen Empfange sprechen?" „Hm!" knurrte der Markgraf, „er sagte: Ich habe das Memorandum Ihrer Stände gelesen und wenn auch nur der zehnte Theil von dem, was darin von Ihnen behauptet wird, wahr wäre, müßte man Ihnen die Fähigkeit ein Land zu regieren, absprechen und einen der Agnaten berufen, welcher bis zur Großjährigkeit Ihres siebenjährigen Prinzen, für diesen die Regierungsgeschäfte Ihres Landes leitet!.Daß der Kaiser das von mir glaubt und mir's ln's Gesicht sagt, ist doch unerhört n'est-oe pa»?.Aber, mon eher prince, es wird wohl nichts so heiß gegessen, als es gekocht wird, denn nachdem ich allerhöchst ihm die Sachlage richtig dargestellt hatte, fügte er schließlich etwas milder hinzu: Ich werde die Denkschrift der Stände, dem deutschen Conferenzrath zur Aeußerung geben und nach dieser meine Entschließung fassen. Mon eher prince, ich komme nun eben, um mir in dieser ^unglückseligen Affaire Ihre allvermögende Protektion zu erbitten. Sie sind der Präsident des deutschen Conferenzrathes, die Seele desselben, Ihr Wort ist in diesem entscheidend und ich bitte Sie Ihren Einfluß dahin zu verwenden, daß der Conferenzrath sich dahin ausspricht, daß . . . ." der Markgraf hatte zu des Prinzen großen Verwunderung bislang ziemlich ruhig und auch nicht geradezu unvernünftig gesprochen; — aber jetzt gerieth er plötzlich 1) Guten Morgen, mein thenerer Prinz. 2) Aber ich muß es gestehen. in Wuth und schrie wie ein Rasender, „ich das Recht habe der Hälfte der hochverrätherischen Schurken den Kopf vor die Füße legen, die andere Hälfte auf der Wülzburg oder im Mauerthurm zu Schwabach verfaulen zu lassen!" „Euer Durchlaucht", erwiederte der Prinz, „ich präsidire wohl dem deutschen Conferenzrathe, ich habe die Verhandlungen desselben zu leiten, bei den Sitzungen die Abstimmungen vorzunehmen, aber auf das Resultat derselben kann und will ich keinen Einfluß nehmen. Ich kann Ihnen, Durchlaucht, keine bestimmte Zusicherung, in welcher Art sich der Conferenzrath äußern wird, ertheilen; — aber darüber können Sie, Durchlaucht, vollkommen beruhigt sein, das Schriftstück soll unparteiisch geprüft, unparteiisch beurtheilt werden." „Unparteiisch!" grollte der Markgraf, „das wär' ein Kunststück! das trifft jeder! da stelle ich viel höhere Ansprüche an Sie mon prince! . . . . Sie sind ja Prinz eines regierenden Hauses, Sie stehen mir näher als den Ständen! Ich will, daß Sie mich als Näherstehenden berücksichtigen, mich favorisiren, etwaige Fehler mit dem Auge der Freundschaft betrachten, kleine Schwächen mit dem Mantel der christlichen Nächstenliebe bedecken!" „Was wird Ihnen, Durchlaucht, eigentlich von Ihren Ständen zur Last gelegt?" „Sie werden es ja selbst lesen, mon eher prince", entgegnete der Markgraf verlegen. „Ein elendes, abgeschmacktes Geschwätze, vraiment! . . . . Sie werfen mir vor, daß ich die ganzen Einkünfte meines Fürstenthumes, für meine Bedürfnisse, für meinen Hof verbrauche, so daß zur Besoldung der Armee und der Staatsbeamten, sowie für die Staatsanstalten gar nichts übrig bleibt und fortwährend neue Steuern ausgeschrieben und neue Anleihen abgeschlossen werden müssen." „Hoffentlich" meinte der Prinz, „wird es Ihnen leicht werden, die Unwahrheit dieser Behauptungen nachzuweisen." „Unwahrheit?!" rief der Markgraf den Prinzen mit unverhohlenem Erstaunen ins Gesicht blickend „unwahr ist es nicht, aber eine Niedertracht ist's, daß die Hallunken mir das vorzuwerfen wagen! Was denken sich denn meine Herren Stände?! Soll ich vielleicht hungern und darben, mein Theater, mein Ballet, meine Jagden, meine Amüsements aufgeben, damit sich nur meine Beamten und Soldaten recht dick und fett fressen?.Jeder Mensch ist sich selbst der Nächste! mon prince, bin ich, von Gottes Gnaden Markgraf von Ansbach, dazu da, um zu hungern und vor Langweile zu crepiren? da dank ich schön für eine solche Gottes- Gnade!"

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