Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 12 (9.2.1893)
- Date
- 1893-02-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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AuS Bayern. In einer der jüngsten Nummern ds. Bl. fand sich eine Corespondenz aus Germersheim, wonach die isr. Lehrer der Rheinpfalz die Gründung eines Vereins behufs Unterstützung ihrer Hinterbliebenen planen. Wir glauben jenen einen Dienst zu erweisen, wenn wir sie auf den schon über 13 Jahre bestehenden „Israelitischen Lehrerverein für das Königreich Bayern", der die Mehrzahl der Lehrer im diesseitigen Bayern zu seinen Mitgliedern zählt, aufmerksam machen und zum Beitritte ermuntern. Derselbe ist trotz der relativ kurzen Zeit seines Bestehens derartig gut situirt, daß er für das lfd. Jahr einen UnterstützungStheil auf 100 M. zu erhöhen in der Lage war. Aus Unterstützung haben jedoch nicht blos die Hinterbliebenen aller ordentlichen Mitglieder Anspruch, sondern auch diese selbst bei Dienstunfähigkeit oder Bedürftigkeit, und die Verwaltungwird den weitgehendsten Anforderungen in liberalster Weise gerecht. Außerdem hat sich genannter Verein auch die Vertretung der Interessen des isr. Lehrerstandes nach außen und kollegialische Besprechung, dessen inneren Angelegenheiten und die der Schule zur Aufgabe gestellt, wovon die alljährlich stattfindenden und zahlreich besuchten Generalversammlungen Zeugniß ablegen. Zu dem großen, mehr als 1200 Mitglieder umfassenden Bayerischen Volksschullehrerverein zählen auch die Pfälzer Lehrer, warum sollten nun die wenigen isr. Lehrer der Rheinpfalz einen Separatverein gründen, der selbst bei Anspannung aller Kräfte und Mittel sein Ziel doch nur in sehr beschränktem Maße erreichen könnte. Heutigen Tags, wo unter allen Ständen Interessengemeinschaft gesucht und gepflegt wird und man alle Kräfte zu ersprießlichem Wirken zu centralisiren sucht, sollten die Lehrer, die doch gleiches Streben nach gleichen Zielen beseelt, sich um so reger aneinander anschließen und sich in den Dienst einer gemeinsamen Sache stellen, als der Neigung zu Sonderbündelei nachgeben, „denn nur aus der Kräfte schön vereintem Streben erhebt sich erst das wahre Leben". Der zeitige Vorstand obigen Vereins ist H. Goldstein in Maßbach, Unterfranken, der zur Zusendung von Statuten und zu irgend welcher Auskunftserlheilung jedenfalls gerne bereit ist. Wie«, 21. Jan. In der heutigen Plenarsitzung des Curatoriums der Baron Hirsch-Süftung wurde auf Antrag des Vice-Präsidenten Herrn Dr. Arnold v. Rappaport an Stelle des verstorbenen Herrn Ritter v. Fürth Herr David Ritter v. Gutmann per acclamation als Präsident gewählt. Das Curatorium stattete hierauf Herrn Dr. v. Rappaport für die interimistische Führung der Geschäfte den Dank ab und sprach zugleich den Wunsch aus, daß sich derselbe auch ferner an der Seite des Präsidenten so verdienstlich wie bisher an der Leitung der Geschäfte des Curatoriums betheiligen möge. Magnesia. Zu Anfang des Schuljahres 1892—93 hat das Central-Comite der Alliance auch in Magnesia eine neue Schule eröffnet. Der Direktor, Herr Mitrani, hat dem Comitä interessante Mittheilungen über diese Gemeinde zukommen lasten. Anbei einige Auszüge daraus: Die israelitische Gemeinde zählt ungefähr 350 Familien. Wie fast allenthalben in der Türkei sind es die Israeliten, die die ärmere Bevölkerung der Stadt bilden. Sie sind auf den äußeren Theil der Stadt, die Anhöhe, beschränkt. Die meisten ihrer Häuser sind alte Bauten, die aneinander gelehnt, sowohl der Sonne wie allem Unwetter Einlaß gewähren. Fast alle wohlhabenden Israeliten sind die Besitzer der von ihnen bewohnten Häuser; sie haben sie den Christen abgekauft, die sich in den neueren Stadttheilen niedergelassen haben. Man findet daher in diesem Stadttheil alle Juden von Magnesia. Sie haben da, in der Mitte, ihre vier Synagogen, und ganz in der Nähe erhebt sich unsere Schule. Die meisten Israeliten ernähren sich nothdürftig von der Hand in den Mund, sei es durch Hausiren oder durch die lokale Industrie. Es giebt auch einige kleine Händler, die da ihre Maaren aus Smyrna beziehen und in einem gewissen Wohlstand leben, aber nicht einen Juden giebt es, der ein kleines Vermögen besäße, wie dies anderwärts der Fall ist. In einem Wort, die Juden sind hier im Allgemeinen arm. Dennoch sieht man in den Straßen kaum einen einzigen jüdischen Bettler. Es giebt hier vielleicht mehr Elend wie anderswo, doch stürbe der Arme hier lieber Hungers, als daß er die Hand ausstrecke. Er will sein Brod durch eigene Arbeit erwerben, und wenn ihm aus irgend einem Grunde die Kräfte versagen, und er das Nöthige nicht aufbringt, wendet er sich wohl an die Mildthätigkeit, aber nicht an die öffentliche, sondern an irgend eine edle Seele, die für ihn — ohne ihn zu nennen — etwas zusammenbringt. Diese Würde, dieser Stolz im Elend haben mich tief gerührt, und es wird das Central-Comitö interessiren, diesen Charakterzug zu kennen. Feuilleton. „Fürstengunst." Erzählung von S. Koh«, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (50. Fortsetzung.) Sechszehntes Kapitel. Die Sitzung des deutschen Conferenzrathes, welche im Palaste ihres Präsidenten des Prinzen Eugen siattgefunden hatte, war beendet, die Mitglieder desselben hatten sich schon verabschiedet. Der Prinz saß in seinem mit dem höchsten Luxus und dem feinsten Geschmacke ausgestatteten Salon und als sich die Thüre öffnete, erwartete er, daß Rafael Frankl, den er für diese Stunde hierherbeschieden, gemeldet würde, aber zu seiner unangenehmsten Ueberraschung meldete der Kammerdiener: „Seine Durchlaucht, der Herr Markgraf von Ansbach." Der Prinz erhob sich und ging seinem Besuche einige Schritte entgegen. Markgraf Friedrich Wilhelm war vierunddreißig Jahre alt, klein, eine unbedeutende Gestalt. Sein gelbliches, runzeliges Gesicht, die matten, glanzlosen Augen, deuteten auf eine wüste Vergangenheit. Er huldigte, wie die meisten kleinen süddeutschen Reichsfürsten seiner Zeit, in allem dem französischen Geschmacke. Er war auch nach der jüngsten Pariser Mode gekleidet. Er trug eine große Alongeperücke, gegen welche der dunkle Teint seiner Züge noch häßlicher abstach, ein Kleid von violettem Sammt, das an dem Kragen und den Manschetten mit den feinsten Brüßler Spitzen besetzt war. Die tief ausgeschnittene Weste aus Goldbrocat ließ ein kostbares Jabot mit - einer Brillantnadel sehen. Er trug kurze, seidene Beinkleider, weiß seidene Strümpfe, Schuhe mit goldenen Schnallen, einen Galanteriedegen an der linken Seite und einen kleinen dreieckigen Hut unter dem Arm.