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Der Israelit · 1893-02-09 · Heft 12 (9.2.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 12 (9.2.1893)
Date
1893-02-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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212 Worms. Für das Studienjahr 1892/93 hat Herr Ludwig Jos. Pfungft von hier der Technischen Hochschule zu Darmstadt neuerdings eine Schenkung im Betrage von 1000 M. zugewenbet; diese Summe wird dem Wunsche des Stifters entsprechend im Einvernehmen mit der Direction der Technischen Hochschule zu namhaften Stipendien an einige Studirende verwendet. Für das folgende Studienjahr hat Herr Pfungst in dankenswerter Weise eine gleiche Schenkung in Aussicht gestellt. Wir fügen hinzu, daß es dem Stifter sehr erwünscht wäre, wenn auch Bewerber jüdischer Confession sich einfinden würden. Ladenburg bei Mannheim. Dieser Tage fand dahier eine sehr große Parteiversammlung der nationalliberalen Partei statt, in welcher Rechtsanwalt Dr. Bassermann von Mannheim sein Programm entwickelte. Wir heben aus seiner eingehenden Rede auch den Satz hervor, daß er für energische Bekämpfung desAntisemittsmus eintrete. Wie ist es schade, daß die Nationalliberalen nicht schon früher so energisch in dieser Materie Farbe bekannt haben. Aus Baden. Nachdem der Kgl. Großbritann. Generalkonsul O pp enh ei me r in Frankfurt a. M. vor kurzer Zeit von der Königin von Eng land und dem Großherzoge von Hessen mit einem hohen Orden dekorirt worden ist, hat nunmehr auch der Großherzog von Baden demselben das Kommandeurkreuz 2. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen verliehen. Stattgart. In Crailsheim starb dieser Tage der in den weitesten Kreisen bekannte Pension. Oberlehrer Alexander Elsässer, früher in Laupheim. Derselbe war ein wissenschaftlich und talmudisch gebildeter Herr mit außerordentlicher pädagogischer Begabung. Er war in früheren Jahren schriftstellerisch sehr thätig und für seine bedeutenden pädagogischen Leistungen von der Oberschulbehörde öfters belobt worden. Düsseldorf, 28. Jan. Albert Max H. zu Düsseldorf, Agent und Kassirer des hiesigen antisemitischen Vereines, hat zum Nachtheil dieses Vereins, 324 M. unterschlagen. Die Strafkammer verurtheilte ihn zu 2 Monaten Gefängniß. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag. Am 24. v. M. verschied hier der Kaufmann, Herr Salomon Weltsch im Alter von 63 Jahren. Die Lebensrichtung des Verblichenen erinnerte an jene Zeit, wo noch die Prager Juden sich durch Festhalten an der Tradition und eine gewisse Principientreue ausgezeichnet haben und Gottes furcht die einzige Richtschnur ihres Thun und Lassens war, Eigenschaften, die auch an ihm wahrgenommen wurden und die ihm nicht nur in der kaufmännischen Welt, sondern auch in allen Kreisen, in denen er sich bewegte, die höchste Achtung erworben haben. Hervorgegangen aus einer religiösen und biederen Familie hat der Dahingeschiedene selbst den religiösen Sinn stets hoch gehalten und diesen auch mittels einer zwar einfachen, aber rationellen Erziehungsmethode auf seine Kinder übertragen. Schon in seiner Jugend fand er im Gotteshause Erhebung seines Gemüthes, die herrlichen Rhythmen der alten Synagogalgesänge wirkten auf ihn derart ein, daß es ihn mächtig drängte, nach dem Ableben seines Vaters das von demselben bekleidete Amt eines Vorbeters in der altehrwürdigen Kluusynagoge zu übernehmen und sich so in den Dienst der heiligen ^>ache zu stellen, in welchem er nahezu zwanzig Jahre zur Erbauung der Besucher des Gotteshauses gewirkt hat, ohne sich daraus einen ausschließlichen Beruf gemacht zu haben. Sein feines musikalisches Gehör ersetzte ihm den Mangel an musikalicher Theorie, so baß sich auch ohne diese in ihm mit der Zeit ein zutreffendes Urtheil über Musik und Gesang herausgebildet hat. Religiosität und Humanität, diese einander ergänzenden Begriffe, gingen bet dem Verblichenen Hand in Hand, in der vorgenannten Synagoge hat er, durch das Vertrauen ihrer Mitglieder wiederholt zum Obmanne des Vorstandes gewählt, diese Würde eine Reihe von Jahren bis zu dem Augenblicke bekleidet, wo er infolge Kränklichkeit ihr entsagen mußte und in Anerkennung seiner langjährigen ersprießlichen Wirksamkeit zum Ehrenvorsteher ernannt wurde. Auch in humanitäter Beziehung entwickelte er eine nicht geringe Thätigkeit, insbesondere als Vorstandsmitglied des Vereins „Chanuka", dem er als solches nahezu zwanzig Jahre angehörte, zeigte er sich als Freund und Helfer der hilfsbedürftigen Jugend. So ging mit dem Heimgegangenen ein braver, herzensguter Mann, aber auch ein Stück des alten Prager Judenthums zu Grabe. An der überaus großen BetheiUgung bei seinem am 26. v. M. ftattgehabten Leichenbegängnisse konnte man den Maßstab anlegen für die große Achtung, die er allenthalben genoß. Sowohl Oberrabbiner Herr Dr. Ehrenfeld, als auch dessen Stellvertreter Herr Dr. Tauber widmeten an der Bahre des Dahingeschiedenen demselben tief empfundene Nachrufe. Pest, 24. Januar. (Ministerial-Erlaß in Cultussteuer-Angelegenheit) Ein Ministertal-Erlaß des Grafen Csaky ist in Angelegenheit der Cultussteuer an den Comitats-Verwaltungs-Ausschuß herabgelangt. Gegen Wilhelm Spitzer, der nach Eisenstadt zuständig ist und gegenwärtig in Wien domizilirt, hat die Eisenstädter isr. Cultusgemeinde einen Steuerbetrag ausgeworfen, dessen Bezahlung

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