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Der Israelit · 1893-02-09 · Heft 12 (9.2.1893) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 12 (9.2.1893)
Date
1893-02-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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211 überflüssig und wollen dieselbe heute nur in dem Ausspruch des Talmud zusammenfassen: Wer Mitleid mit den Gottesgeschöpfen empfindet, Mitgefühl für seinen Nebenmenschen hat, dessen erbarmt sich auch Gott im Himmel; wer aber hartherzig ist, dem beweist auch Gott keine Liebe und Barmherzigkeit (Schabbos 151, b.)20) Jede Woh 1 that, jede Tugend, jede Gerechtigkeit und jede Liebe, die hier der Mensch seinem Nächsten gegenüber übt, bewirkt nicht blos den Frieden und die Versöhnlichkeitin der Gesellschaft, sondern hat auch die VersöhnlichkeitGottes mit den Menschen zurFolge. (Baba Bathra 9)") (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten «nd Correspoudenze«. Deutschland. Gailingen am Rhein, 5. Februar. Mit der Errichtung einer israel. Handelsschule am hiesigen Platze, worüber Ihnen seinerzeit Bericht erstattete, ist uns Allen ein Herzenswunsch in Erfüllung gegangen. War es doch ein längst gefühlter Mangel, daß in einer Gemeinde von nahezu 200 jüd. Familien keine Gelegenheit geboten war, die Kinder in religiösen, wie profanen Disziplinen weiter ausbilden zu lassen. Große Hoffnungen waren es denn auch, die wir auf die neugegründete Schule setzten, große Ansprüche, die wir an sie stellten. Wir haben gerne erst einige Monate verstreichen lassen, ehe wir Ihnen weiter über dieselbe berichteten: es geschah aus dem Grunde, die Wirksamkeit der Schule erst kennen zu lernen, den Geist, der darin herrscht, zu erforschen und ihren Einfluß auf die Jugend beurtheilen zu können. Nunmehr glauben wir uns der angenehmen Gewißheit hingeben zu können, daß unsere Hoffnungen sämmtlich in Erfüllung gegangen resp. gehen werden, denn unsere Erwartungen find tatsächlich übertroffen. Berührte es uns schon angenehm, als wir in Erfahrung brachten, daß für den Religionsunterricht ein Sohn des Herrn Rabbiner Bamberger aus Würzburg engagirt sei, dessen Name schon Bürgschaft für echte Reltgiösität, für wahrhafte Frömmigkeit ist, so waren wir erst recht freudig überrascht, als die erste Anordnung des Herrn Direktor Eisenmann, treu dem Grundsätze 'i rwv neun nwi, darin bestand, daß er für einen regelmäßigen Synagogenbesuch der Schüler Sorge trug. Es gewährt einen stattlichen . o’offn p am nnan by omon b (20 .(a"y ,N"jp raff) c£ff!"mjD pffiy twiff’ff nom np“ä >2 (21 . ('a snra nzd) p’Dffaff orraN^ tnie” 72 und herzerfreuenden Anblick, der geradezu ein ffrrp Op* ist, wenn täglich die Jungen in ihren bunten Mützen von dem Herrn Lehrer, der gerade die Aufsicht hat, in Reih und Glied zum Gottesdienst geführt werden. — Zweimal ist die Schule an die Oeffentlichkeit getreten: gelegentlich der Veranstaltung einer raun - Feier und am Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers. — Zur rounsSfeier ließ der Herr Direktor sämmtliche Schüler in der großen, festlich erleuchteten Aula der Handelsschule kurz vor Beginn der Nacht zusammen kommen. Die Lichter wurden angezündet, -ns nyo und andere passende Lieder wurden unter Leitung des Herrn Kantor E i s e n m a n n vierstimmig vorgetragen und dann folgten heitere und ernste Deklamationen der Schüler in bunter Reihe. Die kleinen Gäste wurden mit Chocolade, Kuchen und Obst bewirthet, gruppirten sich daun nach Lust und Neigung und unterhielten sich mit unschuldigen Spielen, an denen der Herr Direktor mit seiner Familie und die Herrn Lehrer regen Antheil nahmen. — Die Geburtstagsfeier Sr. Majestät wurde in demselben Saale, Vormittags 10 Uhr, abgehalten. Zur Eröffnung derselben wurde ein passendes Weihelied gesungen, hierauf folgte eine gediegene Ansprache des Herrn Lehrer Roßmann, in welcher er hauptsächlich auseinandersetzte, warum wir gerade den Geburtstag Sr. Majestät mit besonderer Freude und warum ihn alle Deutsche in Nah und Fern mit besonderem Stolze begehen dürfen und die mit einem Hoch auf Kaiser und Reich endete, an welches sich das Absingen der Nationalhymne schloß. — Wir waren in Gesellschaft vieler Gäste Zeugen dieser Feste und freuten uns alle, wahrnehmen zu können, welch strenge Ordnung und Disziplin, bei aller Zwanglosigkeit, in der Schule herrscht; welch' ein liebevolles Band der Zusammengehörigkeit Lehrer und Schüler umschlingt, wie man einerseits vom ernsten Bestreben getragen ist, das Beste zu bieten und anderseits es mit aufrichtigem Danke entgegennimmt — mit einem Worte; wir können unter dieser gewissenhaften Leitung in echt jüdischem Geiste, unter diesen tüchtigen Lehrkräften, außer den bereits erwähnten (noch Möllerich und Faber) der Schule eine gute Zukunft prophezeihen. Unser Bestreben aber wird es stets sein, ihr mit allen Mitteln und Kräften beizustehen, damit sie sich zu dem entfalte, was sie zu werden verspricht, zu einer Stätte, von welcher Licht ausgeht, zu einem Orte, wo mir, mit p.v in stets gewissenhaft gepflegt und gefördert wird. E. Harburg er, 1. Vorsteher. Mannheim. Die Königliche Großbritannische Regierung hat den bisherigen Vicekonsul F. Laden-! bürg dahier zu ihrem Konsul ernannt.

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