Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 12 (9.2.1893)
- Date
- 1893-02-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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210 So sehen die Lehren des Talmud hinsichtlich der Versöhnlichkeit unter den Menschen aus. Und in Bezug auf die Menschenliebe? Auch da kennt unser Schriftthum keinen Unterschied zwischen Menschen und Menschen. Die alten Völker, die der Welt ihre Gesetze diktirten und den Stempel ihres Geistes aufprägten, die an der Spitze der Kultur standen, wie das listige, kriegsgewandte Volk der Römer, vor welchem alle Nationen im Staube lagen, oder die Griechen, deren Kunst und Philosophie noch heutzutage den Künstler und Denker zur Bewunderung und Anbetung hinreißt, sie kannten nur die Vaterlandsliebe, der Begriff Mensch en liebe war ihnen fremd, unbegreiflich; wer nicht ihres Stammes oder aus ihrer engeren Heimath war, galt als Barbar, als Helote, Sklave. Unsere Lehre hingegen kennt keine Beschränkung in der Liebe, sie kennt nur Menschen, und fragt nicht erst nach Stammesangehörtgkeit oder Bekenntniß. Wollte sie engherzig Unterschiede in der Gesellschaft machen, so wäre ja ihre Hauptaufgabe, den Frieden in der Welt zu sichern, ganz verfehlt! Um friedlich zu sein muß man Jedem ohne Ausnahme freundlich entgegenkommen, jede Ausnahme aber gefährdet den allgemeinen Friedrn. Darum empfange jeden Menschen mit freundlicher Miene (Aboth 1) 8). Liebe den Frieden, fördere ihn und sei ein Menschenfreund (Daf.)9) Beurtheile jeden Menschen mit Milde und Güte (das.)10) Schätze kein menschliches Wesen gering und sei demüthig und bescheiden vor jedem Menschen (das. 4.)*) Nur durch allgemeine Menschenliebe kann man sich den wahren Geist der Thora aneignen (das. 6.) *2) Mag der Mensch noch so fromm sein, mag er die schönsten gottgefälligen Tugenden besitzen, sobald er nicht freundlich und liebevoll mit allen Menschen zu' verkehren versteht, ist alles verfehlt; im Gegentheil, man bedauert dann noch seine Intelligenz und sein Wissen (Joma 86,3.).") Ein Heide kam einst zu Schamai und wollte sich zum Judenthum bekehren, wenn er ihm die ganze jüdische Lehre lehrt, während er auf einem Fuße stehen kann. Der strenge Schamai wies ihn ab. Als er vor Hillel kam, sprach dieser: Was Dir nicht gefällt, .('s D nns) ms’ otsd 1303 ms?a ns bipa vn (8 .(dkO ,nnan ns aros ,pw *p7i7 ent? oms (o .(dbO ,nn* *pP DiN Pa ns p ini.Oo -pa nn Psbp im — ,ms PaP 73 nn Pnj (n .(P plS DBf) CIS n’jp’j rTnnnip onaino “ns) nnan ns anis (12 pis Dtp ,(D»na map pr^r' n"n tyctyci njitsn snp mst? p*a (13 nnan no pitto ns: inpm uno pt^i nnan Dy nnn .(s"y ,i"d scr) ,min ’jiP&P is ivy nnois das thue auch Deinem Nächsten nicht, das ist unsere ganze Lehre, das Andere ist blos Commentar. (Schabbos 31)14). Friedfertigkeit in solcher Weise geübt, verbürgt den Bestand und das Gedeihen der Welt, Scheelsucht, Mißgunst und Engherzigkeit aber und Haß gegen Menschen, weil sie anderer Ansicht, anderer Meinung oder von anderer Abstammung sind, führt den Ruin und das Verderben der Gesellschaft herbei (Aboth 2)15) Nur durch Menschenliebe kann man die Liebe Gottes sich erwerben, derjenige aber, durch den die Gemüther gegen einander aufgereizt, die niedrigsten Leidenschaften aufgepeitscht werden und die Geister nicht zur Ruhe kommen können, ein solcher Menschenfeind ist auch Gott widerwärtig (das. 3).") Wie in der Menschenliebe kein Unterschied gemacht werden darf zwischen Menschen und Menschen, so darf es auch keine Ausnahmen geben in der Menschenachtung. Selbst der Niedrigste, selbst der Verbrecher hat noch Anspruch auf seine Menschenehre. Wer ein Rind stiehlt und dabei ertappt wird, der muß es fünffach zurückerstatten, weil er es vor sich Hertreiben konnte und sich nicht erst entwürdigen mußte durch Tragen auf der Schulter; wer aber ein Lamm entwendet , braucht es nur vierfach zu bezahlen, weil er es auf der Schulter tragen und dadurch seine Menschenehre entwürdigen mußte. So hoch steht bei Gott die Menschenwürde! (Baba Kama 79).") Darum wer selbst Ehre haben, will, nluß sie auch jedem andern geben. (Aboth 9)") Wir könnten hier auch das Thema der Armenpflege, die Behandlunng der Arbeiter und Sklaven und die sonstigen gesellschaftlichen Pflichten nach Bibel und Talmud besprechen, um damit darzuthun, was alles unsere Lehre für nothwendig erachtet, um den sozialen Frieden zu erhalten unter den verschiedenen Klassen und Ständen des Staates, wir haben aber die Fragen bereis in diesen Blättern eingehend behandelt") und halten demnach eine so weitläufige Auseinandersetzung hier für p"s ’SDtc' ’jsP saiz; ins : nnan naiya n^yo (H nns pji Py iciy 'üstpa nan nnnn Pa »no^nt? D"y nn ’jd pyi P"s P”j SPn ua’P N*a not? pan ncsa 15m t>«5Tv£ *p’si mPa nnnn Pa j*s\n 17 inyn sP *panp .(s'P naty) cisn ns ps’sio nnan nsjtri yin nsn yin py (15 .('a nns) ,DPiyn p 711271 nmj oipon nn 7jdti nnu nnan nnttf Pa (16 _ .('1 's nns) ,'737 nn ps uom nnu nnan nn jw Pai “PnL' mit* nnan ina nm rnaa 7"an idn* (n .(oy sop saa) ,p nana Py nninw tw p iPna . (p nias) ,mnan naaian ns iano nrs (18 19) Siehe Jahrgang 1889—1890 des „Jsr. u. Jesch", auch verweisen wir auf unsere Schrift: der Socialismus in Bibel u. Talmud Kapitel 1 u. 5.