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Der Israelit · 1893-02-06 · Heft 11 (6.2.1893) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 11 (6.2.1893)
Date
1893-02-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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sündigt, und wir Alle sollen darunter leiden? Wenn den Einen sein Fuß auf unerlaubten Weg geführt, seine Hand etwas Unrechtes gethan, sein Mund sich versündigt: was können wir dazu? Ja, der Kopf, die Sw »ja in ihrer Gesammtheit und in ihrer Einheit als Gottesvolk haben mit Recht die Verantwortung zu tragen, Dm« YpEo wm “©3 btk unn „und ein jeder Einzelne soll das Löse- und Sühnegeld für seine Person geben, wenn man sie mustert." Die Sünder, die Schuldigen, sind Theile des Gesammtvolkes, Glieder des Gesammlkörpers, der durch das Gesammtvolk repräsentirten Gottesidee. Wir Alle haben einzustehen, zu wachen darüber. Denn die Schuld tragen die Einzelnen, trägt ein Jeder, weil wir nicht zusammenstehen, uns so gerne als Einzelne, Selbstständige betrachten, losgerissen aus dem Gesammtverbande, je: e Person für sich bestehend halten und nicht als mitverantwortlichen, zusammengehörenden Theil: Jeder glaubt, allein seinen Weg gehen zu können, zu dürfen, ohne daß dem Ganzen daraus ein Schaden erwachse. So haben sich viele Gemeinden vom Gesammtvolke losgesagt. Theils will man mit dem eigentlichen jüdischen Volke nichts mehr gemein haben, weil — manche Nichtjuden das alte Israel in unseren Tagen zur Zielscheibe des Spottes gemacht; theils will man sich den beschränkenden Gesetzen nicht mehr fügen; theils auch, weil man Glaube und Hoffnung an eine Zukunft unseres Volkes aufgegeben und wie alle die Gründe noch heißen. Aber die Erfahrung hat gelehrt, daß auch diese sich losgelösten Elemente mit zum Gesammtvolke gerechnet werden, nicht losgegeben werden, wenn es sich um die Verantwortung handelt. „Jeder gebe das Lösegeld für seine Person, wenn man sie mustert." Wenn man alle Juden, wenn man das Juden th um, das jüdische Volk mustert, dann trifft jeden Einzelnen die Schuld. Und wenn man dann jeden Einzelnen prüft, wird auch irgend eine Schuld an ihm gefunden werden. Wenn man sich selbst überblickt, so ist man im Allgemeinen mit sich zufrieden. Wohl mag hie und da etwas nicht ganz tadellos sein. Da führt bald der Fuß den Menschen auf einen Weg, der nicht ganz erlaubt ist. Ja, sagt man sich, warum war der Weg da, dieser bequeme, verführerische Weg, der so unschuldig, so gerade zu sein schien? Bald ist es die Hand, die etwas Unrechtes thut. Freilich der Gegenstand ist zu verlockend. Der Mund spricht Unerlaubtes; er wurde dazu fast gezwungen. Wunderbar aber ist'S, daß der Fuß zögert, die Hand oft unthätig, der Mund sich fest verschließt, wenn es sich um etwas Gutes, um eine .-iiLv, um etwas nicht so ganz bequem Liegendes handelt. Da überlegt man, sucht man nach Gründen. Aber was nützt es? Der Kopf ist doch allein verantwortlich. Gebrauche deinen Verstand, lerne deine Verantwortung kennen. Wer nicht begreift, daß, wenn einzelne Glieder sündigen, der Kopf dafür haften muß; wer den Menschen in seine einzelnen Theile zergliedert, nur dem betreffenden Theile j die ganze Verantwortung aulladen will, der ruft | Gefahr für sich hervor, om« Tp&3 rrrv t6i. j Wenn man an einem Theile leidet, so wird der Gesammtorganismus in Mitleidenschaft gezogen. So ergeht es mit uns selbst, so auch mit unserem! Volke. j Wir sind ein two, ein Oberstes in unserem j Gesammtwesen, ein Volk des Kopfes, das die Ver- ] nunft, die höchste Wahrheit vertritt. Jeder einzelne j Jisroel ist ein untrennbarer Theil. Und darum, wenn wir Alle angeklagt, gemustert werden, soll sich Jeder schuldig fühlen, und das Löscgeld geben S dem Ewigen. Seinem Gotte gehört sein Leben, sein Thun und Denken. Er, der Schöpfer, hat die 1 einzelnen Glieder zu ihrer Einzelthätigkeit geschaffen; aber oben auf dem Kopf, ihn ausgestaltet mit den Hauptorganen, den Vermittlern der Geistesthätigkeit. Was wir von uns denken, wie die Welt über uns urtheilt; ob wir uns entschuldigen, ob die Welt uns verur- < theilt, das ist nicht maßgebend, das erhöht nicht, das vermindert nicht unseren Werth. Gott allein bemißt unfern Werth, Er allein auch hat ihn bestimmt. Ihm sind wir verantwortlich, i Ihm auch haben wir das Sühnegeld zu geben. Von Zeit zu Zeit, wenn wir es vergessen, werden wir wieder daran erinnert, daß wir nicht bloß Glieder sind des Volkes Jisroel, sondern zum bw gehören, dem man alle Verantwortung zuweist. So war es zur Zeit Hamans, so war es auch zu < anderen Zeiten und so ist es heute noch. Getäuscht j haben sich noch alle diejenigen, die vermeinten, sich von den »ja ungestraft lossagen zu dürfen und andere Wege gehen zu können. Immer wieder trat eine Zeit ein, wo Musterung gehalten wurde, wo die üblen Folgen nicht ausblieben. Wenn wir aber vor Gott bestehen, wenn wir Ihm das Löse- und Sühnegeld unserer Person entrichten, \ dann konnte uns keine feindliche Absicht, kein verderblicher Anschlag schaden. I Zur jüdischen Literatur von Aug. Wünsche. Das vorliegende Werk *), eine Sammlung von mittel-- : alterlich jüdischen Dichtungen in musterhaft deutscher Ueber- *> Heller, S., Die echten hebräischen Melodien. Ans dem Nachlasse herausgegeben von Prof. Dr. David Kaufz mann. Trier, Verlag von Sigm. Al ayer. 1893. 8°. 284 S I

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