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Der Israelit · 1893-02-06 · Heft 11 (6.2.1893) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 11 (6.2.1893)
Date
1893-02-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. Beilage ju M 11 des „Israelit". Leitender Artikel. Die Solidarität Israels. (Zu Paraschath Schekalim.) Von Dr. H. Sänger. NS2 »ja mr\ m jwn '2 .DrVIN TpB3 DH3 N'7l' DniN mpsa WBJ „Wenn du aufnimmst die Hauptzahl der Kinder! Israel nach ihren Gemusterten, so soll ein Jeder ein Lösegeld seiner Person dem Ewigen spenden, wenn man sie mustert, damit keine Plage entstehe, wenn man sie mustert." „Wenn du aufnimmst vtn rw, das Haupt, die Hauptzahl." Der Werth des Menschen besteht nicht in ir- - gend einem anderen Theile seines Körpers, nicht in der Kraft, nicht in der Schönheit, nicht in seinem Herzen, nicht im Reichthum, auch nicht in seiner Machtstellung, sondern in seinem - Kopfe. Nichts zählt an ihm, nichts wird einergenaueren Musterung an ihm unterzogen, als sein Kopf. Nichts an ihm hat sich zu verantworten, hat Rechenschaft abzugeben für den ganzen Menschen, für alle seine Lebensäußerungen, als der Kopf. Ihm ist der Mensch zur Ueberwachunz, zur 1 Beherrschung, zur Leitung und Führung anvertraut. Darum auch befinden sich die Hauptsinnesorgane - im Kopfe. - Wenn dein Fuß einen gefährlichen Pfad I betritt; wer anders, als dein Kopf ist dafür verantwortlich? Sind ja die Augen 'am Kopfe? — Wenn dein Herz voll Leidenschaft dich verblenden, verführen, verleiten will zu einer unüberlegten, sündigen That; wenn das Blut heiß wallt und aufj steigt bis in dein Gehirn und dich betäubt und jj dein Denken verwirrt, überfluthet: warum hat dein Kopf ihm nicht einen Damm entgegengesetzt? Wem anders wird die Schuld beigemessen, als dem Kopfe, dem Sitze der Vernunft, der durch seine kalte, ruhige, unparteiische Prüfung die Hitze des wallenden Blutes abkühlen, paralisiren muß, weil er es kann? Wenn deine Hand sich ausstreckt nach frem-!! dem Eigenthum, wenn sie sich im Zorne erhebt, 5 um den Schwächeren ihre Kraft fühlen zu laffen: wird sie wohl dafür verantwortlich gemacht? Wenn der Mund spricht und böse Worte über i die Lippen kommen: hat er es zu verantworten? j Wenn dein Auge neidisch blickt und begehrt des Nächsten Gut; wenn dein Ohr horcht auf Verji leumdung, auf Lüge und Falschheit, aufnimmt j gleisnerische Worte, sich der Verführung öffnet: wer trägt die Verantwortung? Immer nur der Kopf, der Sitz des Verstandes. twi nx x»n *a, wenn du das Haupt erheben willst, den Werth des Menschen erkennen und nach seiner Höhe bemessen willst, bx-ir1 »ja, die Kinder Israel . . . Unser Volk, als das Volk der Religion, welchen Vorzug ihm niemand bestreitet oder bestreiten kann, ist, so bescheiden es, entgegen antisemitischen Lügen, in Bezug auf weltliche und materielle Macht ist, die es gerne anderen Völkern überläßt, in religiöser Beziehung das Erste der Völker und, da wo es sich um die Weltwahrheit handelt, der Kopf der Gesammtmenschheit. Es ist das keine Ueberhebung und keine Unbescheidenheit, es ist das eine Thatsache. Und daß die Gesammtwelt durch uns erst den reinen Gottesbegriff kennen gelernt hat, das gesteht die Welt ja zu. Darum auch wird an uns der höchste Maßstab angelegt und das, was die Glieder verschuldet, dem Kopfe, dem Volke, den tonar» zur Last gelegt. Was die Völker an uns verdorben, wenn sie uns verführt und verleitet haben zum Abfall von Gott: wir allein haben die Verantwortung zu tragen gehabt. Wenn die Völker uns bedrückt und dadurch uns zu mancher Ungerechtigkeit, zu manchem Laster hingeführt haben: wir haben die Schuld. Von uns verlangt man, daß wir Muster seien in Allem. Wir dürfen keine Schwäche zeigen, uns keine Blöße geben, nicht vom geraden Wege abirren, für uns läßt die Welt keine Entschuldigung gelten, uns ist sie unerbittlich strenge Richterin. In dieser scheinbaren Härte und Strenge liegt aber zugleich eine hohe Werthschätzung und Anerkennung, die man zwar nicht beabsichtigt, aber unwillkürlich einräumt. Wenn Israel hochgeachtet dastehen will, dann muß es seinen Werth selbst erkennen, muß es wissen, daß cs für sich selbst einstehen muß, ornipD^ nach seinen Gemusterten, nach seinen Gezählten. Unser ganzesVolk unterliegt der Musterung, der Prüfung, der Werthschätzung, der Verantwortung. Wenn ein Jude ein Unrecht begeht, so wird die Gesammtheit als iwn, so werden die btn*» »ja verantwortlich gemacht. So hat es die Welt von jeher mit uns gehalten und so ist es noch heutigen Tages. Wir Juden aber sagen: Der Einzelne hat ge-

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