Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 11 (6.2.1893)
- Date
- 1893-02-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Kleidung an. Da unsere Familie Frankl dem Stamme derLeviim angehört, nannte ich mich Levi und gab mich für einen süddeutschen Talmudjünger aus, der nach Eisenstadt auf die Jcschiwo geht, und in der Thal schien mir dieser Ort, der schon nahe an der Grenze liegt2) als der zweckmäßigste Aufenthalt und war ich auch in der That entschlossen, um als beschäftigungsloser Fremder, in der kleinen Stadt nicht aufzufalleu, die Vorträge des dortigen Rabbiners, Rabbi Mäir zu besuchen. Als ich dort angelangt, mich dem Rabbiner vorstellte und um die Erlaubnis bat, seine Vorträge besuchen zu dürfen, hatte er mich zu meinem großen Schrecken, an meiner auffallenden Aehnlichkeit mit meinem Großvater Henoch Fränkl erkannt und mich mit meinem Namen angesprochen. Ich erzählte ihm nun ausführlich all die Unglücksfälle, die mich und meine Familie betroffen. Der Rabbi nahm, wie man sich denken kann, innigen Antheil an mir, versicherte mir, daß er mein Geheimniß wohl bewahren und dies nicht einmal seiner Frau und seinen Söhnen mittheilen werde." „Wie mir Rabbi Mäir schrieb, blieben Sie nur einige Monate in Eisenstadt", sprach Wertheimer, „was veranlaßte Sie einen Ort, wo Sie so ziemlich vor Entdeckung sicher waren, zu verlassend" „Ich hatte nicht das AUermindeste über meine Angehörigen gehört und all' mein Denken und Fühlen galt nur ihnen. Ich liebe meinen Vater, — Sie werden mir dies glauben — nicht weniger als Mutter und Schwester, abertrotzdem bereitete mir das Schicksal der Frauen weit mehr Sorge. In dem Momente, als die Katastrophe eintrat, war Deidelsheimer beim Vater; wenn Gott die Beiden wunderbar ge¬ 2) Eisenstadt, das jetzt zu Ungarn gehört, gehörte damals zu Oesterreich. rettet hatte, dann stand meinem Vater ein treu er gebener, kluger Mann zur Seite, aber Mutter und Schwester! zwei verlassene, schutzlose Frauen, was sollten diese, wenn sie noch am Leben waren, beginnen d! Ich verzehrte mich in ohnmächtigem Wollen, etwas über sie zu erfahren, und als ich eines Tages, meinem gepreßten Herzen Luft machend, zum Rabbi sagte: O! wenn ich nur einen Ort wüßte, wo ich möglicherweise etwas über meitie Angehörigen erfahren könnte, rieth er mir nach Wien zu gehen, das durch Sie, Herr Oberhoffaktor, das Centrum der Jadenheit geworden. Nach Wien kämen täglich Juden, ans allen Theilen der Welt und uamentlich in Ihrem Hause, Herr Oberkriegsfaktor, wäre es möglich, daß ich von einem der vielen Zugereisten, ohne zu fragen, etwa aus den Tischgesprächen bei der Fremdentafel, zufällig etwas über die Meinen er fahren könnte. Er wolle mich an Sie empfehlen, für mich, um eine Stelle als Commis in Ihrem Hause bitten. — Ich nahm sein Offert dankend an — alles Andere wissen Sie!" „Ich betrachte cs als eine große Gottesgnade", sprach Wertheimer, „daß Sie in meinem Hause erfuhren, daß Ihre Mutter und Ihre Schwester am Leben, daß Sie in die Lage kamen, dem mächtigsten und edelsten Manne in Oesterreich einen Dienst zu erwiesen, der ihn veranlaßt eine Wendung in dem Schicksale Ihrer Familie zu erzwingen." . . . Aber", der Oberhoffaktor zog die Uhr aus der Tasche, „es ist bald fünf Uhr, Sie, lieber Fränkl, werden um diese Stünde vom Prinzen erwartet, Sie haben allerdings nicht zu Mittag gespeist, Ihre Mittheilungen haben uns daran vergessen lassen; aber große Herren lieben es nicht zu warten!" (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit* erscheint wöchentlich zweimal, MonragS und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel )U bestehen bei E. $■ Sleinacker. Leipstg, Doßplatz 18. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redactiou eingesandieu Manuscripten findet nicht statt, man bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Kopie zurückzubehaltcn. Inhalt tHanptdiatt) : Leneuder Artikel: Die Rechis-Morat des Talmud. <Zu Parajcharh M>schpal>m.)— literarischer Bericht. — Zeilungsnachrichlen und Korrespondenzen: Deutschland: Aus Hissen. Soldm. München. — Oesterr.-Ungar. Monarchie : Prag. Prehburg. Serajewo. — Italien: Palermo. — Vermischtes. — Feuilleton: „Fürstengunst". Erzählung von S. Kohn, Verfasser von Gabriel. Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Die Solidarität Israels. — Zur jüdischen Literatur von Aug. Wünsche. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Rumänien: Bukarest. — Vermischtes._ Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'fchen Hofbuchdruckerei-Actien-Gefellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.