Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 11 (6.2.1893)
- Date
- 1893-02-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Leinen ist holzige Pflanzenfaser 2c.) Was die zweite Hauptsache anbelangt, so besteht dieselbe in der geradezu einander entgegengesetzten Wirkung beider Stoffe auf die menschlische Epidermis (äußere Haut). — (Anmerkung des Correspondenten. Eine dritte Hauptsache mag die unverhältnißmäßig schnelle Abnützung dieser Stoffe (und falschen Gewebe) sein. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag, 30. Januar. Aus dem Hopfenstädtchen Saaz ist die Kunde hier eingetroffen, daß dort der „Schul-Kohn" oder, wie er noch hieß „der deutsche Jakob" gestorben ist. Der Verstorbene hieß mit seinem richtigen Namen Jakob Leopold Kohn und war einer der geachtesten Bürger des genannten Städtchens, das ihm manche gute Einrichtung zu verdanken hat. Seinen Bemühungen ist es hauptsächlich zuzuschreiben, daß Saaz unter den ersten deutsch-böhmischen Städten war, in denenOrtsgruppen des deutschen Schulvereins errichtet wurden. Auch war es der Verstorbene, der dort ein Gremium für den Hopfen- und Productenhandel ins Leben gerufen hat und so eine Institution schuf, welche die Interessen der Hopfenhändler, also auch der christlichen, zu wahren hatte. Daß derselbe auch ein hervorragendes und leitungswilliges Mitglied der dortigen jüdischen Gemeinde war, braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden. Preßburg, 30. Januar. Die hiesige israel. Cultusgemeinde will bekanntlich einen Tempel bauen, für den ein Grund in der Nähe des Krönungsdomes designirt ist. Dagegen protestirte nun die katholische autonome Gemeinde und auch die vom Cultusminister befragte Landescommission für die Erhalhaltuug der Kunstdenkmäler sprach sich gegen die Bewilligung aus. Dieser Tage berieth über diese Angelegenheit unter dem Vorsitze des Obergespans Grafen Josef Zichy eine gemischte Commission, doch kam es zu keiner Vereinbarung. Der Ausschuß der autonomen Gemeinde wäre geneigt den Bau zu gestatten, wenn dieser sich um nichts von einem Zinshause unterscheidet, während die Cultusgemeinde einen stylgerechten Tempel gleich jenem der Orthodoxen bauen will. Serajewo, 29. Januar. Am kommenden Donnerstag, 2. Februar, findet hier ein seltenes Fest statt, das auch verdient, in einem jüdischen Blatte verzeichnet zu werden. Seitdem die Oesterreicher die Verwaltung Bosniens und der Herzogowina übernommen haben, leben die vier Confessionen hier, Juden (Sephardim), Mohamedaner, Katholiken und Griechisch-Orthodoxe^(Serben), die sich früher - bis auf's Messer befehdet hatten, in schönster Harmonie beisammen, als wären sie Brüder. Es hat sich nun hier ein Comitö aus Mitgliedern dieser vier Confessionen gebildet, das am 2. Februar ein Fest veranstalten wird, dessen Reinerträgniß den Armen der Stadt ohne Unterschied der Confession zufließen wird. Von jüdischer Seite wurde in dieses Comite der Vorsteher unserer Cultusgemeinde, Herr Salom, entsendet. Italien. Palermo, 26. Januar. Vor einiger Zeit hat das hiesige Conservatorium einen Concurs zur Besetzung der Stelle einer Lehrerin für's Klavierspiel ausgeschrieben und meldeten sich daraufhin zweiunddreißig Kandidatinnen, darunter auch Frl. Alice Ziffer, Tochter eines jüd. Geschäftsmannes in Triest. Letztere, als die tüchtigste, erhielt auch die Stelle. Darob großes Geschrei in unseren ultramontanen Blättern, daß man überall die Juden vorziehe, daß die Alliance Jsraelite ihre Hand dabei im Spiele hätte u. s. w. Die Regierung erklärte daher die Ernennung von Frl. Ziffer zur Klavierlehrerin am Conservatorium für ungiltig und setzte auch ein neues Comtls ein, das einen neuen Concurs ausschreiben mußte. Die Folge davon war, daß nun Frl. Alice Ziffer zum zweiten Male die erledigte Stelle einer Klavierlehrerin erhielt. -tz» vermischtes. Der neue französische Handelsminister Siegfried ist Israelit und stammt aus Mühlhausen im Elsaß. Feuilleton. „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (49. Fortsetzung.) „Der wackere Eschwege kam, so oft es ihm nur möglich war, zu mir. Ich thetlte ihm den ganzen Verlauf der Begebenheiten mit und bat ihn, sich in vorsichtiger Weise, bei Glaubensgenossen in der Umgebung zu erkundigen, ob sie nichts über den Meinigen, zu denen ich auch Deidelsheimer zählte, erfahren hätten, aber der kluge, praktische Mann antwortete: Ich will Alles thun, was Sie mir befehlen, nur Eines nicht: mich nach den Ihrigen erkundigen, ich könnte nur dadurch Sie und die Ihrigen verderben! Ich beschwöre Sie, so schwer es Ihnen auch fallen mag, vorläufig an nichts Anderes zu denken, als so bald als möglich, so weit als möglich zu fliehen! — Die Versuchung , Sie und die Ihrigen zu verrathen, ist eine so große und die