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Der Israelit · 1893-02-06 · Heft 11 (6.2.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 11 (6.2.1893)
Date
1893-02-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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196 Diese wenigen Proben unbegrenzter Hochachtung vor Gesetz und Recht dürften genügen, um die Verleumdung in ihrer ganzen Niederträchtigkeit zu würdigen, die von einer Talmud-Moral in dem gewöhnlichen Sinne zu sprechen wagt. Aber sie wirft ein noch grelleres Licht auf die fahnenflüchtige Feigheit, welche die verkannten und mißverstandenen Rechtssätze des Talmud preisgeben und so den Boden verlassen will, der uns allein seit Jahrtausenden getragen und erhalten hat. Literarischer Bericht. — Erinnerung an den Prinzen Max und an die schöne Straßburger Zeit. Herausgegeben von Pfarrer Julius Rathgeber zu Neudorf bei Straßbnrg i. E. Kommissionsverlag von E. Bornemann, Meifengasse 14. Pfarrer Rathgeber hat dem Freunde der Straßburger Geschichte schon manche hübsche Stunde bereitet durch seine Veröffentlichungen. Es liegt uns wiederum eine Frucht seiner Arbeit vor, die uns manche nette Anekdote aus der Zeit, da Prinz Mar, der spätere König von Bayer», das Regiment Royal-Alsace als Oberst befehligte. Statt aller Empfehlung wollen wir mit Erlaubniß des Verfassers eine recht hübsche Geschichte aus dem Buche, das hoffentlich manchen Tisch zieren wird, unfern Lesern mittheilen. Pfarrer Rathgeber schreibt: „Reben seinem Wohlthätigkeitssinn ist auch seine religiöse Duldsamkeit gegen Andersgläubige rühmend hervorzuheben. Seine barmherzige Nächstenliebe erstreckte sich auf alle Nothleideriden ohne Unterschied der .Konfession. Prinz Max ging an einem Freitag Vormittag über den Straßburger „Gimpelmarkt", auf welchem von Alters her alte und antiquirte Gegenstände aller Art, auch Bücher und Gemälde von den Händlern seilgeboten wurden. Da begegnete ihm ein ältlicher Jude in ärmlicher Kleidung mit einem Leidenszuge im Gesicht, der i! n anredete und ihm einige seiner geringen Waaren zum Verkauf anbot. Ter Prinz lehnte ab und wollte weiter gehen, als ihn der alte Jude wehmuthsvoll anblickte und dadurch wieder sein Mitleid erregte. Er richtete einige freundliche Worte an den alten Mann; dieser faßte Muth, und Zutrauen zu ihm und offenbarte ihm seine lehr bedrängte Lage. Er sagte, er wäre ein armer Handelsjude und habe bisher wenig Glück in den Geschäften und im Leben gehabt. Nun aber habe sich ihm ganz unerwartet eine günstige Gelegenheit dargeboten, um ein einträgliches Geschäft zu machen und vielleicht sein Lebensglück zu begründen, allein dazu hätte er einige Gulden Geld nöthig. Ter Prinz hörte ihn geduldig au und entgeguete ihm mit großem Wohlwollen: „Wohlan, wenn Dir, wie Tu mir eben gesagt hast, mit einigen Gulden wirklich geholfen ist, so sollst'Du sie haben,,. Er händigte ihm hieraus die verlangte Summe ein und dachte der Sache nicht weiter nach. „Zwanzig Jahre waren vergangen; große Wellereignisse halten sich zugetragen und Prinz Max war inzwischen König von Bayern geworden. Da kam er einst bei einer Reise nach Baden-Baden, nach der alten freien Reichsstadt Frankfurt am Main. Unter den vielen Personen, die ihn zu sehen begehrten, bemerkte man auch einen ehrwürdigen jüdischen Greis, der in der Stadt wegen seiner Wohlihätigkeit weit und breit bekannt war. Derselbe drängte sich zitternd vor und überreichte eine Bittschrift, in welcher er um die Gnade einer Audienz bei dem König bat. Letzterer gewährte sie ihm in leutseligster Weise. Als der Greis bei ihm vorgelassen wurde, standen ihm die Hellen Thräneu in den Augen und mit bewegter Stimme gab er sich dem Monarchen als jenen Juden zu erkennen, dem der edle Fürst vor vielen Jahren, als er noch Prinz Max hieß, in Straßburg mit einem Darlehen aus großer Noth geholfen hatte. „Die damals ihm geliehene Summe, fügte er mit gerührter Stimme hinzu, hätte ihm Glück und Segen gebracht und ihm nicht nur zum Wohlstand, sondern selbst zum Reichthum verholfcu. Er komme, um dem König zu danken und preise den Gott seiner Väter, daß es ihm vor seinem Ende noch vergönnt worden sei, das Antlitz seines königlichen Wohlthäters schauen zu dürfen. Nun wolle er gern in Frieden hingehen zu seinen Vätern. König Mar war durch des Greises Worte und Tankbezeugungen aufs Tiefste gerührt; er drückte ihm in großer Bewegung die Hand, unterhielt sich noch eine Weile freundlich mit ihm und entließ ihn aui das gnädigste." Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Aus Hessen. In Nr. 98 d. Bl. schreibt ein Corrcspondent aus Berlin, anläßlich des neuesten, judenfeiudlichen Hervortretens der Conservattven: „Mögen auch wir auf der Hut sein!" Diese Worte sollte in allen jüdischen Kreisen und Gemeinden Beachtung finden. Es genügt nicht, die Ausschreitungen unserer Feinde zu dedanern, wir müssen mit allen gesetzlichen Mitteln dagegen ankämpfen. Wenn wir auf die Zeiten vor 1798 einen Rückblick werfen, (und jene Zeiten wünschen doch die sauberen Antisemiten-Conservativen zurück) so gewahren wir, wie jede Gemeinde niitwirkte, wenn es galt ein Unbill zu beseitigen, oder gar zu verhindern. Da galt das Wahr- und Sprichwort: Einer für Alle, Alle für Einen. Und solcher gemeinschaftlicher Fürsorge sollten sich auch die isr. Gemeinden der Jetztzeit befleißigen. Umsomehr, da ja die Zahl unsrer christlichen Mitbürger, welche mit uns und gleich uns jenes fluchwürdige Gebühren verdammen, eine erfreulich große ist. — Zunächst nun sollten wir von unser» Feinden lernen: In Tausenden und Hnnderttansend.n von Exemplaren*) verbreiten sie lügenhafte Broschüren zu unserem Nachtheile, um so — leider mit Erfolg — auf die Massen des Volkes einzuwirken. Und was geschieht unserseits dagegen? Verhältnißmäßig gar nichts! Was Hilsts, wenn jüd. Zeitungen und selbst Christen zu unseren Gunsten und im Interesse der Wahrheit durch Schriften eintreten, wenn diese nicht ln die breiten Schichten des Volkes dringen?! Nach meinem Dafürhalten ist es Pflicht einer je den jüdischen Gemeinde, in ihr Jabres- Budget eine Summe einzusetzen unter dem Titel: „Zur Bekämpfung des Antisemitismus." Aus dresen Mitteln müssen uns zur Seite stehende Schriften und Blätter dem Volke im Allgemeinen, den Antisemiten und ihren Häuptlingen im Besonderen durch die Post oder auf sonst geeignete Weise '-) Sogar in vielen Millionen. Red.

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