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Der Israelit · 1893-02-02 · Heft 10 (2.2.1893) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 10 (2.2.1893)
Date
1893-02-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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180 Vergessen, daß der Hanpttheil dieser wichtigen unserer Zeit obliegenden Kulturarbeit unfern jüdischen Freunden zu thun übrig bleibt. Sie selbst und ihre berufenen Vertreter müssen den Antisemiten nicht nur mit den Waffen des Geistes und der Wahrheit, sondern auch mit denen ihres guten Rechtes und mit dem beweiskräftigen Beispiel der eigenen einwandfreien Lebensführung entgegentreten. Es könnte unbillig scheinen, daß ich gerade in letzterwähnter Hinsicht von dem Inden mehr verlange als von denl Nichtjuden, indeß werden mir daraus die Juden selbst gewiß zu allerletzt einen Vorwurf machen. Wenn jeder anständige Jude an sich selbst arbeitet, um den Unverstand einer förmlich auf ihn dressirten — Menge möglichst wenig Handhaben zu Angriffen zu bieten, so wird sogar der Antisemitismus, wie schon so manche frühere Verfolgung, den Verfolgten schließlich zum Heil ausschlagen. Juda hat viel gelernt in strenger Schule. Auch die Heimsuchung des Antisemitismus wird an ihm nicht spurlos vorübergehen. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Hannover, Ende Januar. Der „Israelit" bat jüngst einen Bericht über die neue von Herrn A. M. Simon bei Bad Limmer, unweit Hannover gegründete Erziehungsanstalt gebracht. Das während der letzten Wochen herrschende starke Frostwetter wurde dazu benutzt, um das für Herstellung guter Wege nöthige Material heranzuschaffen und über das hart gefrorene Land an Ort und Stelle zu fahren. Für das Austrocknen des Hauptgebäudes, welches gegen das Eindringen des Schnees genügend geschützt war, ist der Frost auch zuträglich gewesen. Beim Eintritt milderer Witterung wird der innere Ausbau, sowie der Bau der Gewächshäuser vollendet, so daß die Anstalt im Frühjahr eröffnet werden kann. Außer schulpflichtigen Knaben im Alter von 8—14 Jahren können auch eine Anzahl Jünglinge im Alter von 14—16 Jahren, welche geneigt sind, sich zu Gärtnern auszubildcn, Aufnahme finden. Ein sehr tüchtiger Obergärtner, welcher in der Königlichen Gartenbauschule zu Geisenheim und in verschiedenen der bedeutendsten Gärtnereien Deutschlands feine theoretische und praktische Ausbildung erhalten hat, wird die Lehrlinge praktisch aus-! bilden, während der als guter Pädagoge bekannte Leiter der Anstalt, Herr Bacherach, die sittliche und pädagogische Führung übernehmen wird, I so daß die Jünglinge während ihrer 3jährigen I Lehre nach jeder Richtung hin gut versorgt sind. Der Pensionspreis für diese Lehrlinge beträgt pro Jahr 150—200 Mark, daß sie während dieser Zeit, wenn auch einfache, doch gesunde und kräftige Nahrung und die sonst nöthige Körperpflege erbal- ■ ten, dafür bürgt neben dem Herrn Bacherach dessen s als tüchtige Hausfrau bewährte Gattin. Für die; übrigen in der Anstalt betriebenen Handwerke, wie i Tischlerei, Schlosserei 20. werden im ersten Jahre noch keine Lehrlinge angenommen. Wir können alle Freunde der durch die Anstalt; geförderten Bestrebungen — und welcher vernürfj tige Mensch sollte dies heute nicht sein —, nur; dringend bitten, in den eigenen und Nachbargemeinden Umschau zu halten, ob geeignete Knaben oder? Jünglinge dort vorhanden sind, um deren baldige j Anmeldung zu veranlassen. j Persien. j Persien Zwei sehr ernste Ereignisse werden; in dem „Telegrafa" von Constantinopel am 15. Dez. berichtet: In Zanala, einem einige Stunden von Ourmia ent- 1 fernten Dorfe, lebte ein Israelit, ^amen§ Mordekhai Saul. I Er war ein eifriger Jude, der von seinen Glaubensgenossen j geachtet und schon seit lange zum Vorsitzenden der Gemeinde | gewählt. Die Vorsehung hatte Mordekhai mit einer Frau i von seltener Schönheit bedacht. Als der Richter des Dorfes j (Hakim) davon Kenntniß erhielt, konnte er nicht den Gej danken ertragen, daß ein „verfluchter Jude" eine so schöne I Frau besitzt. Er ließ den Juden unverhofft durch zwei Gen- 8 darmen festnehmen und vor den Gerichtshof führen. Dort I befahl der Hakim seinen Leuten, den Unglücklichen mit | Messerstichen zu tödten. Dieser rohe Befehl wurde mit I empörender Grausamkeit ausgeführt. Nach der Ausübung ] dieses Verbrechens ließ der Richter die Frau des Opfers 1 herbeiführen und zwang sie, ungeachtet ihres Flehens und 1 Weinens, sich seiner Leidenschaft zu fügen. Die Mutter f des unglücklichen Mordekhai, welche sich an die Behörden j Ourmias gewendet hatte, erlangte keine Genugthuung, denn j in den Staaten des Schah gibt es ein Gesetz, welches den | Juden verbietet, vor Gericht zu zeugen, weil sie als unreine I Wesen betrachtet werden, deren Wahrhaftigkeit das Gericht | keinen Glauben schenken kann. Folglich ist der mit dem a Blute eines unschuldigen Juden befleckte Richter unbestraft : geblieben. \ Ein anderer Vorgang ist folgender: ■. In derselben Stadt wohnte ein Jude, Namens Morde- 1 khai Enizelli. Er war ein ehrenwerther Mann, bekannt wegen seiner Rechtschaffenheit und Geradheit. Einige ehrlose l Perser forderten von ihm 12000 Tomans (Persische Münze), l indem sie seine Unterschrift gefälscht hatten. Da Enizelli ) sich nicht in der Lage befand, diese angebliche Schuld zu l begleichen, so ließen ihm seine vermeintlichen Gläubiger? Peitschenschläge aufzählen, bis er seine Schuld bezahle. Der r Unglückliche, welcher dieses barbarische Verfahren, das sich zu verlängern drohte, nicht aushalten konnte, ging zum f Islam über. Diese Apostasie rettete ihn vor den Schlingen lseiner Henker. l

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