Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 10 (2.2.1893)
- Date
- 1893-02-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448315-2448326--35688-2483684- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
176 durch Zaubermittel dazu Verhallen von Neuem seine Zaubermacht zu gewinnen. Da nun die Mitglieder der Fränkischen Familie schon durch ihre Rückkehr nach Ansbach ihr Leben verwirke und ihr Verbrechen noch dadurch verstärkt hatten, daß sie durch Zauberkünste ihr Familienoberhaupt aus dem Kerker befreiten, ist seiner Durchlaucht dem Herrn Markgrafen von Ansbach an deren Habhaftwerden sehr viel gelegen, und hat höchst derselbe geruht einen hohen Preis auf die Köpfe derselben auszusetzen. Derjenige, welcher Rafael, Dina oder Eva Fränkl einliefert oder den Ort ihrer Anwesenheit der Art angibt, daß sie gefangen genommen werden, erhält für jeden derselben dreitausend Dukaten. Dieses Angebot des Markgrafen wird in allen Kirchen des deutschen Reiches von der Kanzel herab verkündet und alle Behörden in ganz Europa um Ausforschung der genannten Verbrecher, im Falle ihrer Ergreifung um Auslieferung derselben angesucht werden. Die Bauern, die uns diese Schreckensnachricht brachten, fügten hinzu, daß wohl jeder gerne den hohen Preis gewinnen möchte. Gleich als diese fortgegangen, berathschlagte ich mit meiner Frau, wohin wir Sie schaffen könnten, denn hier in unserem Hause wäre es unmöglich gewesen, Sie vor den vielen Leuten aus dem Dorfe und der Umgebung, die täglich bei uns ihre Einkäufe machen, zu verbergen. Wir mußten uns mit schwerem Herren entschließen Sie des Nachts, hierher, in dieses Versteck, wo Sie wenigstens vor Entdeckung sicher waren, zu bringen. Wie Sie sehen, hatten wir auch warme Decken und Betten hierhergeschafft und kamen, so oft dies unbemerkt geschehen konnte, hierher, um Ihnen während Ihrer Bewußtlosigkeit, etwas Nahrung einzuflößen. Gott hat uns ein Wunder erwiesen, daß Sie unter solchen Umständen am Leben blieben. — Eschwege gestand es offen, daß er es vor Angst gar nicht erwarten könne, mich so weit hergeftellt zu sehen, daß ich die Gegend verlassen und mich nach einem entfernten Theile der Welt, wo ich nichts zu befürchten hätte, begeben könne." „Auch dieser Bunim Eschwege ist ein edler, dankbarer Mensch", meinte Markbreiter. „Sie können sich denken, welchen Eindruck diese Mittheilungen auf mich machten! .... Ich blieb über das Schicksal der Meinen nach wie vor im Dunkeln; — ich wußte nicht, ob mein Vater und Deidelsheimer, meiner Mutter und Schwester noch vor dem Bersten der Eisesdecke auf dem Stromesrücken begegnet waren. Ich konnte mir viele verschiedene Fälle vorstellen, aber nicht einen einzigen günstigen! Am wahrscheinlichsten schien es, daß alle meine Lieben, den Tod im Wellengrabe unter zermalmenden Eisblöcken gefunden hatten — möglich wars: Mutter und Schwester hätten sich noch rechtzeitig gerettet — aber würden die Armen es noch früh genug erfahren haben, daß sie in der ganzen Welt verfolgt werden? Und wenn sie es auch wußten , besaßen zwei verlassene Frauen ein Mittel, sich diesen Verfolgungen zu entziehen? und wenn sie dem rachdurstigen Markgrafen in die Hände fielen, was war dann ihr Schicksal? — Wer würde die beiden Frauen, von denen eine ein Mädchen von wunderbarer Schönheit, von den Verfolgungen, denen sie von unedlen Wüstlingen, die ihre Hilflosigkeit benützen wollten, beschützen? In welcher entsetzlichen Angst und Sorge würden Mutter und Schwester um mich sein? Das waren Gedanken, die eine Menschenseele wie mit glühenden Dolchstößen zerreißen können und meiner Genesung nicht förderlich waren! (Fortsetzung folgt.) Der „JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel )» bestehen bei G. $. Steinacker, Leipstg, Doßplatz 18. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 sl. österr-, für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redaktion eingcsaudtcn Mannscripten findet nicht statt, man bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Kopie znrückzubehalteu. Inhalt (Hauptblatt): Leitende Arnkel: Weltfriede und Judenthum. Von Rabbiner Hcmrich Galandaner in Soborten (Böhmen). — Zur Aufhellung der jüngsten Vorkommnisse in der Berliner indischen Gemeinde. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen : Deutschland: Karlsruhe i. B. — Oesterr.-Uugar. Monarchie: Wien. — Rußland: Petersburg. — Portugal: Lissabon. — Vermischtes. — Feuilleton: „Fürstengunst". Erzählung von S. Kohn, Verfasser von Gabriel. Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Vorschläge zur Bekämpfung des Antisemitismus (Schluß). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Hannover. — Persien. — Rußland. — Palästina: Jerusalem. Inhalt der zweiten Beilage: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten u. Correfpoudenzen: Deutschland: Würzburg/Ulm. Petershagen. — Oesterr.-Uugar. Monarchie: Lundenburg. — Rußland: Petersburg. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der J oh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.