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Der Israelit · 1893-02-02 · Heft 10 (2.2.1893) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 10 (2.2.1893)
Date
1893-02-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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170 nimmt. (Psalm 147, 9.) Friede, Friede ruft der Prophet, dem Fernen wie dem Nahen." (Jesaias 57, 20.) „Wer den Fremdling kränkt, sündigt dreimal gegen Gott, wer ihn bedrückt, zweimal." (Baba Meziah 59, 2.) J) Du hast nicht zu fragen nach der Herkunft oder nach der Abstammung des Menschen, Mensch ist Mensch und selbst der gebildete Heide ist dem Hohenpriester bei dir gleichzustellen. (Aboda Sara 3 a.)2) Ein gelehrter Bastard ist sogar einem unwissenden Hohenpriester vorzuziehen." (Erechin 6 a.)3) Bei unserer modernen Unduldsamkeit wird jeder arme Mensch, jedes subsistenzlose Ebenbild Gottes durch ein gefühlloses hartes Gesetz in die Heimath abgeschoben, wo einst die Wiege seines Großvaters stand und er ungekannt und fremd nichts anzusangen weiß. So wird verfahren gegen den Sohn des eigenen Stammes, gegen den Bruder des eigenen Volkes. Anders lautet das Gesetz in Israel: „Wenn dein Bruder oder der Fremdling, der in deinem Lande wohnt, verarmt, so mußt du ihn unterstützen, daß er bei dir in deiner Mitte zu leben habe." (Deutron. 24. 34.) Bei der Ernte, bei der Weinlese, bei der Vertheilung des Zehent, bei den drei Hauptfesten soll der Fremdling ebenso seinen Antheil haben, wie die armen Eingeborenen. (Deutron. 24, 19, 20, 2 l, 27.) Die den Israeliten unerlaubten Speisen darf man nicht verkaufen, wenn sie der Fremdling annehmen will, sondern man ist verpflichtet, in erster Reihe sie ihm zu schenken, weil es ein Gebot ist, ihn zu erhalten. (Peßachim 21 b.)4) Man glaube aber nicht, daß mit dem Worte „Ger" nur ein Fremdling gemeint sei, der den Glauben Israels angenommen habe, sondern es wird unter Fremdling auch der Heide verstanden, der im Lande der Hebräer nur wohnhaft ist oder sich daselbst nur für eine gewisse Zeit aufhält. (Kiduschin 20 a.)5) Solcherart war die Armcnflege unter den Israeliten dem Heiden gegenüber. Freilich war diese dem Glaubensbruder gegenüber unvergleichlich liebevoller und humaner, wir wollen uns aber für diesmal in dieses gar weitläufige Thema nicht verirren, da wir hier blos □’jtpa "oy px? 'ja “iaiy ~un nx ruxcn (i .(a"y njj’sc xdd) a"y) ,bru inaa xin nn n-nna pDiyi naa i7’dx (2 .<x“y 'a , pNtn Dy pD1? enip oan TD*"?n hüü (3 .(x"y X' fp mmn) nw nnx *un pa ,njjnn TWa -wNt ix (4 .(a*y ,x"d D’riDD pnvnrP pttfp bj .(x"y 'd prnp) amn “ü X7X pis 12 xb (5 runDD xd r^x runo inixa x^ onx xippaw "u .('d p'DD ,a"D niDt? ,rw diP mnx den Frieden, die Versöhnlichkeit und die Liebe zu besprechen die Aufgabe haben, welcher Art dieselben allen Gliedern der Gesellschaft und selbst den Heiden gegenüber zu bethätigen geboten waren. (Fortsetzung folgt.) 3ur Aufhellung der jüngsten vorllnuimniste in der Berliner jüdischen Gemeinde. Unter der Ueberschrift „Die Moral der Geschichte" veröffentlicht die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" in ihrer Nr. 3 vom 20. v. M. einen Artikel, der das Facit der jüngsten Vorkommnisse innerhalb der jüdischen Gemeinde Berlins zu ziehen vorgibt. Es soll durch diese Vorkommnisse ein Vierfaches bewiesen sein: einmal, daß die Behauptung, die Juden gehörten sammt und sonders der deutsch-freisinnigen Partei an, ein Märchen sei; sodann, daß die jüdische Solidarität in politischen und öffentlichen Angelegenheiten gleichfalls ein Märchen sei; ferner, daß die Fabel von der „jüdischen Presse" eine der größten Lügen sei; endlich, daß die religiöse Solidarität der Juden ein Märchen sei. Das ist nun, mit Verlaub, ein vierfacher Unsinn. Nie und nirgend ist behauptet worden, daß die Juden sammt und sonders der deutsch-freisinnigen Partei angehören, nie und nirgend, daß sie in politischen und öffentlichen Angelegenheiten solidarisch seien. Selbst die thörichsten Feinde der Juden wissen, daß es unter den Juden religiöse Parteiungen gibt, genau so abweichend von einander wie die Parteiungen innerhalb anderer Religionsgemeinschaften. Sogar der Verfasser des Artikels „Die Moral der Geschichte" hat sich nicht eingebildet, man habe irgendwo geglaubt, die Juden alle zögen religiös und polnisch an einem Strang. Er hat sich blos den Anschein gegeben, als sei er in solchem Jrrthum befangen, um die Moral daraus zu ziehen, daß Herr Justizrath Mayer, Vorsitzender des Vorstandes der jüdischen Gemeinde Berlins, ein hochverdienter Mann sei, dessen Werth nur von den Juden nicht voll gewürdigt werde. In der That ist das der Fall, und ich will, was ich vermag, dazu beitragen, daß unter den Juden Berlins die Würdigung der Verdienste des Herrn Justizraths Mayer noch eine ganz andere werde. Zunächst eine Richtigstellung gegenüber der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums", welche in dem vorerwähnten Artikel schreibt: „Als Herr Justizrath Mayer, den seine Fraktion zum nStadtverordnetenvorsteher - Stellvertreter vorgeschlagen „hatte, trotzdem nicht gewählt wurde, hat man festgestellt, „daß die jüdischen Stimmen in der Stadtverordneten- „Versammlung gegen ihn abgegeben wurden."

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