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Der Israelit · 1893-01-30 · Heft 9 (30.1.1893) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 9 (30.1.1893)
Date
1893-01-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Literarischer Bericht. Zur Geschichte der Cxegese, Jnairgural- Dissertation von Dr. Immanuel Plato. Halle a. S. 1892. Noch immer ist man in unserer Zeit bemüht, Religion und Wissenschaft, Glauben und Erkennen als unvereinbare Gegensätze hinzustellen. Wir sagen „bemüht", denn soweit das Judenthum in Betracht kommt, kann man nie auf dem wahren, graden Wege der Geschichtsforschung zu einem solchen Resultate gelangen. Waren nicht von je die Großen Israels zugleich Zierden der Wissenschaft? That etwa der Talmudist Samuel dem großen Astronomen und Arzt Samuel Eintrag? Oder — um ein Beispiel aus einer späteren Zeit anzuführen — sind die philosophischen Werke des Maimonides deßhalb mtnderwerthig, weil sie den Meister des „Jad Hachasaka" zum Autor haben? Aber wozu weitere Beispiele? Wir würden tic guten Leute, diese sogenannten Vertreter der Wissenschaft verkennen, wollten wir ihre Ansichten ernst nehmen. Ist es doch ihnen weniger um die Wahrheit zu thun, als um einen Mantel für ihre Jrrreligiösität, um unter der Flagge der Wissenschaft den väterlichen Glauben für ein Machwerk der Finsterlinge erklären zu können. Wie viel Unheil aber diese Irrlehre durch ihren verfänglichen Namen anrichtet, ist nicht zu sagen- Sogar in den Kreisen, wo man sie am allerwenigsten vermuthet, finden wir sie. Wie oft hört man, Leute, die sich orthodox nennen, sagen: Allerdings wissenschaftlich ist der strenggläubige Standpunkt ungerechtfertigt. Diese sind, wie sie der Prophet Elijahu kennzeichnet, w by DnmB D’ö'vdh, mit dem Herzen Jude, mit dem Kopfe Zweifler. Besonders häufig ist es der Fall bei der studirenden Jugend, die gar oft es fertig bringen, in einer Person Verfechter der Orthodoxie und Anhänger aller modernen Heilslehren zu vereinigen. Zu einer solchen Zeit können wir daher nur mit Freuden eine Arbeit wie die vorliegende begrüßen. Hier wagt es Einer, der neueren Kritik frei ins Gesicht die Wahrheit zu sagen. Ueberzeugend belehrt uns der Verfasser, daß der Talmud weit entfernt davon ist, die wahre Wissenschaft zu mißachten. Nur die Halbbildung ist es, die der Talmud und seine Vertreter verdammen. Auf eine eingehende Besprechung müssen wir verzichten, so lange wir noch nicht das größere Werk vor uns haben, dessen Ergebnisse nur in der vorliegenden Dissertation der Oeffentlichkeit übergeben sind. Folgende Bemerkungen mögen schon hier ihren Platz finden. Sette 26 findet der Verf. auffallend, daß Secharia Immanuel nicht erwähnt. Unseres Wissens aber ist überhaupt Azulai der erste jüdische Gelehrte, der Immanuel als Exegeten kennt. Das völlige Jgnoriren seiner exegetischen Werke seitens der Gelehrten hat seine einfache Erklärung. Man hat die Antipathie, die man gegen den Satyriker Immanuel hegte, auch auf seine Werke übertragen. Seite 39, Anmerkung, wird behauptet, die Paradtesfahrt könne nicht nach den Dichtungen 190 geschrieben sein, da sonst Daniel und Chronik nicht fehlen dürften. Dagegen läßt sich Folgendes einwenden. In der Paradiesfahrt führt uns der Dichter alle die großen Männer vor, welche ihm wegen seiner vortrefflichen Commentare dankten. Nun wüßte ich nicht, wie er Daniel, der, wie Verf. S. 35 bemerkt, sein Führer war, zu Danke veranlassen könnte, er wäre ja ganz aus der Rolle gefallen, die er ihm zuthetlte. Aehnlich verhält es sich mit der Chronik. Als anonymes Werk paßre es ihm nicht in den Rahmen seiner Dichtung, da das Werk selbst doch leine Gespräche mit ihm führen konnte. S. 44 scheint der Verf. das '»d nih in dem Sinne von Commentaren aufzufaffen, was nicht denkbar ist. Liono de Romi wird doch keine Commentare für Albertus Magnus geschrieben haben! Vis steht hier wie das biblische bhibd verdolmetscht, d. h. er übersetzte dem Albertus Magnus den Urtext. Im Uebrigen ist dies mit dem Vers, auf den Bruder Immanuels zu beziehen. In jedem Falle gebührt dem gelehrten und fleißigen Verfasser, auf dessen größeres Werk, das im Erscheinen begriffen ist, wir schon jetzt die gelehrten Kreise aufmerksam machen, die wärmste Anerkennung dafür, daß er den echt jüdischen Standpunkt mit solcher Geschicklichkeit zu vertreten und zu verfechten weiß. G. Zeituugsuachrichteu tstsb Gorresponderrze«. Deutschland. Berlin, 28. Jan. Abgeordnetenhaus. Zweite Berathung des Etats des Ministeriums des Innern. — Graf Limburg spricht sein^ Bedauern aus, daß der „Staatsanzeiger" in einzelnen Fällen in einer Weise benutzt worden sei, die von einer Nervosität an maßgebender Stelle zeuge und nur zur Schwächung der Regierung angethan sei. Das sei der Fall gewesen bei der Veröffentlichung der gegen Bismark gerichteten Erlasse im Vorjahr, ferner bei der jüngsten Veröffentlichung, betreffend die Welfenfonds-Quittungen, die geeignet waren, einen hochgestellten Beamten bloszustellen, ferner aber bei der Veröffentlichung des Verweises gegen den Friedeberger Landrath wegen der Unterzeichnung des Wahlaufrufs für Ahlwardt. Letzte Publikation erwecke vielfach den Eindruck, man könne die Konservativen exceptionell schlecht behandeln- Ich halte es für unrichtig, wenn die Regierung in solchen Fällen von oben mit solcher Entschiedenheit und Hast in eine Bewegung eingreift. Das erinnert an die vom Zaune gebrochenen Erklärungen des Reichskanzlers im Reichstage. Eine starke und selbstbewußte Regierung könne einen solchen Eingriff sich sparen.

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