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Der Israelit · 1893-01-30 · Heft 9 (30.1.1893) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 9 (30.1.1893)
Date
1893-01-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
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163 i J i i i Ministerpräsident Eulenburg: Die beiden ersten vom Vorredner genannten Fälle sind Kundgebungen, die nicht von mir ausgegangen sind; ich kann sie hier also übergehen. Den dritten Fall anlangend, kann ich nicht einsehen, wie jener Erlaß nach Form oder Inhalt ein Beweis für eine an maßgebender Stelle herrschende Nervosität sein soll. Daß der Vorredner aus jenem Verweise den Verdacht herleitet, die Regierung gehe auf schlechte Behandlung der Konservativen oder einzelner Beamten aus, ist vielleicht auf persönliche Erfahrungen des Vorredners zurückzuführen. (Beifall links, lebhafter Widerspruch rechts.) Bei jener Publikation handelt es sich nicht um eine Stellung für oder gegen eine Partei, sondern es handelte sich um die Verurtheilnng und Kennzeichnung einer Handlung, die einer Kanditatur Ahlwardt gegenüber nicht am Platze war. Wenn Sie sich vergegenwärtigen, was dieser Mann gegen die Regierung, die Armee und die gesammte Verwaltung veröffentlicht hat, dann bin ich der Meinung, daß man nicht allein berechtigt war, zu sagen, daß es für einen Beamten an der Spitze eines Kreises ungehörig war, für die Wahl eines solchen Mannes einzutreten, sondern daß die Regierung verpflichtet war, das an die Oeffentlichkeit zu bringen. (Lebhafter Beifall links, Zischen rechts.) Bedauerlich bleibt nur, daß nach Lage der Strafgesetzgebung gegen Ahlwardt nicht schärfer vorgegangen werden konnte. Ich bedaure, daß einen alten, verdienten Beamten, der sich in einem Falle inkorrekt benommen, ein Beweis treffen mußte! aber es war absolut nothwendig und wird vorkommenden Falls ganz gewiß wieder geschehen. (Lebhafter Beifall links, Widerspruch und Zischen rechts.) Hobrecht (nat.-lib.): Der Antisemitismus, der an die niedrigsten Instinkte appellirt, kann nicht mit einer Partei verglichen werden; er verfolgt kein klares Ziel, daher die Exceffe. Erfreulich ist es, daß die Regierung die Gefahr erkennt, und Aufgabe aller Gebildeten muß es sein, ebenfalls diesen Aufreizungen entgegenzutreten. Der Antisemitismus hat mit religiösen Zielen nichts zu thun; er ist nur eine Raffenfrage. Der Satz im konservativen Programm von der christlichen Obrigkeit bedeutet Scheidung vom verfassungsmäßigen Landesrecht. Man soll die Abneigung gegen einzelne Eigenschaften der Juden nicht zum Werkzeug einer äußeren Agitation machen. Kein Volk ist mehr bestrebt auf Heilung seiner Fehler, als die Juden, wie sie sich dem deutschen Volke auch besonders warm angeschtoffen haben. (Große Heiterkeit rechts.) Der hier von mir gekennzeichnete Antisemitsmus aber ist unedel, undeutsch und unchristlich. (Lebhafter Beifall links im Eentrum.) Rickert stimmt dem Vorredner bei und schildert die antisemitische i Agitation in Arnswalde. Die Konservativen sind sehr empfindlich, sie, die alle maßgebenden höheren Stellen innehaben, wollen sich über schlechte Behandlung beklagen. Wenn Beamte ihre Stellung politisch mißbrauchen, so verdienen sie eine Rüge. Den Antisemitismus nimmt man Ihnen (rechts)"nicht übel, aber was bezwecken Sie? Aufhebung der Verfaffung? Redner schildert das Treiben des Bauernbundes, der die Behörden für eine politische Thätigkeit in Anspruch nimmt. Wie steht der Minister dazu? Minigerode (kons.) Sie scheinen das Wesen des Antisemitismus noch nicht begriffen zu haben. Wenn wir auf das christliche Bekenntniß werth legen, liegt darin eine Verunglimpfung der Religion? Kennt der Minister, der die antisemitische Agitation tadelt, vielleicht die freisinnige Agitationsweise? Wir üben keine Kritik an der Ausübung der Disciplinargewalt gegen den Landrath v. Bornstedt, wir tadeln nur die ungewöhnliche, gesetzlich nicht vorgeschriebene Form der Publikation durch den „Staatsanzeiger". Tief bedauerlich ist, daß der Minister sich auf die schmerzliche Erfahrung des Grafen Limburg berufen hat. Ministerpräsident Eulenburg: Ich bedauere, daß meine Aeußerung über den Grafen Limburg diesen verletzt hat konstatire nochmals, daß der Regierung jede schlechte Behandlung einer großen Partei fernliegt. Daß ich Bornftedts Thätigkeit anerkenne, bedingt doch nicht, daß ich Alles billige, was er thut. Die Veröffentlichung jenes Verweises ist nicht vorgeschrieben, aber auch nicht verboten; sie mußte erfolgen, um den Anschein zu vermeiden, als ob die Regierung der Wahl Ahlwardt's gegenüber Konnivenz übe. Waldow (der Arnswalder Landrath) schildert die Agitation bei der Friedeberg-Arnswalder Wahl und rechtfertigt die Abstimmung der Konservativen bei der Stichwahl. Plötz (kons.) vertheidigt die Agitation des von ihm geleiteten Bauernvereins, der allerdings ein politischer Verein sei. Stöcker: Keine Frage verdient eine tiefere parlamentarische Behandlung, als die Judenfrage. Die Juden galten es für gut, im deutschen Volke aufzugehen, wo es nützlich für sie ist, sonst wollen sie ein Volk im Volke bleiben. In längeren Ausführungen sucht Redner die Berechtigung der antisemitischen Bewegung, die sich gegen die zersetzende Macht des Judenthums richte, darzuthun, worauf Alexander Meyer ausführt, wie verfehlt und unredlich es sei, die Fehler Einzelner dem ganzen Volke zur Last zu legen. Nach einer längeren Polemik zwischen Cremer, Rickert und Stöcker wird ein Schlußantrag angenommen. Wochen - Kalender. Mittwoch, 1. Februar, 15. Schebat. iwy n^on. Freitag, 3. Februar, 17. Schebat. Sabbat-Anfang 4 Uhr 20 Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 4. Februar, 18. Schebat. Tin’ Sabbat-Ausgang 5 Uhr 45 Min. (Mainzer Uhr.) In denjenigen Staaten, in welchen mitteleuropäische Zeit eingeführt ist (also bis jetzt in Baden, Bayern, Elsaß und Württemberg) ist die oben angegebene Zeit, abgesehen von der Umrechnung der Mainzer Uhr in die betreffende Ortszeit, um etwa 25 Minuten später zu berechnen. W ä tt } c t g c n. ir Für de» folgenden Theil ist die Redaktion nicht verantwortlich. ine ältere, wenn auch leidende Dame findet bei einer alleinstehenden Person freundliche Aufnahme und gute Verpflegung bei mäßigen Preisen in einem kleinen Städtchen Bayerns. Offerten unter Rr. 722 befördert die Exped. d. Bl. Für Metzger! Ein tüchtiger Metzgergeselle, der auch etwas von der Wurstlerei versteht, sucht paffende Stellung. Gefl. Offerten unter M. N. 727 an die Exped. d. Bl. erbeten. für meine fünfzehn Jahre alte, 'wUUpi wohlerzogene Tochter in einem feinen jüdischen Hause Pension, wo sie den Haushalt erlernen und sich feine Umgangsformen aneignen kann. Offerten beliebe man unter 8. 721 an die Exped. d. Bl. zu richten.

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