Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 9 (30.1.1893)
- Date
- 1893-01-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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154 schämung wagt er es kaum, dir ins Antlitz zu schauen. „Hungert dein Feind, so gib ihm Brod, dürstet er, so reiche ihm Wasser, du schüttest damit Kohlen auf sein Haupt und der Herr belohnet dich." (Das. 25, 22, 23.) „Wenn dein Wandel wohlgefällig bet Gott sein soll, so herrsche auch Frieden zwischen dir und ihm." (Das. 10.) Laß' dich slnchen, mit Steinen bewerfen, wie es sich König David von Schimei, dem Binjamiten, thun ließ und der trotzdem den Feldherrn Abischai abhielt. Saul das geringste Leid zuzufügen. Sprich mit dem Propheten Jesaias: „Ich gebe meinen Rücken den Schlägern, meine Wange den Raufern preis, und verberge mein Angesicht nicht vor ihrem Gespötte und Gespei." (Jesaias 50, 6, 7.) „Fördert das Wohl eurer Unterdrücker, arbeitet und strebet für den Aufschwung der Stadt, wo^.in ihr in Gefangenschaft zieht, betet für ihre Einwohner zum Herrn, denn bei ihrem^Wohle ist auch euch wohl." (Jeremias 29, 7.) So sei euer Benehmen im Feindesland, umsomehr daß man für das Gedeihen der Stadt, des Landes alle seine Kräfte einsetzen muß, in deren Mitte man als vollberechtigter Bürger lebt, wenn auch einzelne Gruppen eure Rechte einzuschränken bemüht sind und euch feindlich gegenüberstehen. Wie sittlich hoch steht der Mensch, der beim Erleiden des schwersten Unrechtes nicht in Zorn geräth, der ohne Entrüstung auf sein gutes Recht zu verzichten vermag; er ist der wahre Liebling Gottes. (Peßachim 109 a.) *) Wer in seiner Ehre verletzt, tief gekränkt wird und die schmählichste Beleidigung anhört, ohne den Mund aufzuthun zur Erwiederung, wie moralisch erhaben ist der in seinem schuldlosen Selbstbewußtsein! Er überstrahlt der Sonne gleich alle seine Verleumder und die Verunglimpfer seiner Person. (Schabboth 58 d.)?) Die größte Unbill lasse dir zufügen, das schwerste Unglück lasse lieber über dich ergehen, dulde alles, ertrage und leide, nur hüte dich, deinen Nächsten öffentlich zu blamiren, zu beschämen (Sotah 8b.)s), denn wer das Blut des Menschen im Menschen vergießt (denn er treibt dem Menschen die Blutwelle zuerst in das Antlitz, aus welchem sie dann jäh wieder zurückweicht), ist derjenige, der ihn öffentlich beleidigt. (Baba Meziah 58 a.)^) TöyD uw ’oi Dyra uw ’o anw rrapn (1 .(N"y ,B"p otidb) vnno □J’Ni Dnsm cryoiff n’apiy mw D’afyjn vn (2 TrvojQ ffDffn nt^sa vaniNi ainan Drrbj; D’a’ffo .(rrs raeo p1?’ 7m ffxn paa ■pnP idsj? >O'ff mto r? nu (3 .{yy /n pp ,-ibid) 0’a->a rvan us tzrara wan ub pabon m dind din di piff (4 n"a xyxn aaa) ü’di piff ftw Mache keinen Unterschied zwischen Menschen und Menschen. Fragt denn Gott erst nach deiner Herkunft, oder die Gotteslehre nach deiner Abstammung, um dir dein Recht als Mensch zu geben? Eitler Erdensohn! Wie vermagst du dich zu überheben gegen deinen Nächsten, weil du angeblich von hoher Abkunft, von edlerem Geschlechte, von einer anderen Raffe abstammft? „Siehe, alle Seelen sind mein" (Ezechiel 18, 4) spricht der Herr. „Haben wir nicht alle Einen Vater, hat nicht Ein Gott uns alle geschaffen, warum handelt ihr treulos gegen einander und zerstöret den Bund unserer Väter?" (Maleachi 2, 10.) Ihr unterfanget euch, im Namen des Herrn von erbgessenen und Gastvölkern zu sprechen, zu raisonniren über Fremdenrechte, die zu beschränken wären, befiehlt denn nicht Gott, der Herr, „Eine Lehre sei für den Fremdling, wie für den Einheimischen, der unter euch wohnt? (Exodus 12, 29.) Ein Gesetz, Ein Recht sollt ihr für den Fremdling, der sich bei euch aufhält, haben, wie für den Erbgesessenen?" (Leviticus 24,22 und Numeri 16, 15.) Gebietet Er nicht: „Und du sollst nach Gerechtigkeit richten zwischen einem Manne und seinem Bruder und seinem Fremdling, achte kein Ansehen, denn das Recht ist Gottes? (Deutron. 1,16.) Die Lehre Gottes sraat nicht nach dem Bekenntniß, nicht nach der Abstammung, nicht nach der Rasse, sie will, daß Liebe, Versöhnlichkeit, Friede und Eintracht unter den Erdbewohnern walte und läßt daher nicht den geringsten Unterschied zu zwischen Menschen und Menschen, sie verbietet strengstens jede Ausnahme zwischen dem Einen und dem Andern zu machen, um den Frieden in der Gesellschaft zu stören. „Hüte dich, den Fremdling zu bedrücken, wisset ihr doch, wie es dem Fremdling zu Muthe ist. (Exodus 23, 9.) Wie der Einheimische unter euch sei der Fremdling, liebe ihn wie dich selbst. (Leviticus 19, 33.) Liebet den Fremdling, denn ihr waretia selbst Fremdlinge in Egypten." (Das. 10,19.) (Fortsetzung folgt.) I>as Programm der „Zionisten". (Schluß.) So bildete sich aus den bescheidenen Anfängen ein förmliches weitreichendes Programm heraus; und die Bekenner desselben dürfen in Ansehung ihrer Zahl wie des Zieles, das sie sich gesteckt, auf den Namen einer Partei Anspruch erheben. Denn das Beispiel Lembergs fand in vielen Provinzstädten Nachahmung. Auch da gründeten sich Vereine mit ähnlicher Tendenz, die untereinander und mit ihren Mustern in Lemberg lebhaften Verkehr unterhielten. Es ist selbstverständlich, daß der