Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 8 (26.1.1893)
- Date
- 1893-01-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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142 ten, dieselben griffen dann des Friedens halber zur Nothlüge, indem sie Josef sagen ließen, der Vater habe vor seinem Tode befohlen, daß er ihnen nicht vergelte, was sie ihm gethan haben und sie nicht hassen möge. (Perek Hascholaum.)13) Die Grundlage aller Gottesgebote ist der Friede, alle Lehren und Worte, die Gott an Moses richtete, enthalten nur Versöhnlichkeit und Liebe, sie künden Seine Gnade, Seine Allgüte. Als die Stiftshütte aufgerichtet und vollendet dastand, ging Moses hinein und hörte Lobes- und Verherrlichungstöne erschallen. Da sprach Moses: Ich muß doch aufhorchen, was der Herr sprechen wird. Da rief Gott ihm zu: Nichts als Friede will ich verkünden, nichts anderes habe ich im Sinne mit meinen Kindern als den Frieden. (Tanchumah Noßau.)") Darum wird die Lehre des Friedens auch nur den Friedfertigen zu Theil und wo die Eintracht fehlt, hat auch die Friedenslehre keinen Bestand und ihr Geist entweicht, wo Hader und Zwist herrschen. Es lag in der göttlichen Absicht, Israel die Thora zu geben gleich nach dem Auszuge aus Egypten; allein damals war das Volk in verschiedene Partheien getheilt, als es aber zum Sinai kam, da wurden Alle eines Sinnes und Gott sprach: Nun will ich dem einigen Volke die Lehre geben, die ganz Friede ist und deren Pfade alle Frieden sind. (Jalkot Jithro.)») (Fortsetzung folgt.) Zeilrrugsrrachrichterr und Correspou-euzen. Deutschland. Berlin, 14. Jan. In der Versammlung des deutschfreisinnigen Arbeiter-Vereins, welche am Donnerstag Abend in Papritz Etablissement stattfand und sich eines starken Besuchs zu erfreuen hatte, hielt Herr Redakteur Weigt aus Berlin einen Vortrag über das zeitgemäße Thema. „Der Antisemitismus im Lichte der Wahrheit". Er führte am Eingang seiner Rede aus, daß eine so gewaltige Aufregung, wie sie jetzt auf allen Gebieten im öffentlichen Leben herrsche, wohl noch niemals existirt habe; keine Bewegung habe jedoch in der letzten Zeit höhere Wellen geschlagen als der Antisemitis- 'waa na“ nmatem naaty irsDß/ aitwn (13 .(Diiwn pas) vnt<6 ppv pa oitw na -idwn naiffo np j/Dtsn nrn: ojaj p^on DpntBQ <14 aania ’js dpip rrapn;a aa-’. no nyotPN . (Ntw NDirun) ’ja by -aba fw □nt' nytra ^atr^ mm n"a tsrnpn ppa (15 □aia wm. NtaBo#r“?N ay nx ppbm vm Dnsoo njn*j nbw naa nainn n"apn aox nnN mu** .oarv BipS’) rvroaTu da »an cibta nanw Nnsa mus, welcher früher von den Gegnern sehr unterschätzt worden sei. Der Antisemitismus sei namentlich deshalb gefährlich, weil er die Zeitströmungen geschickt zu benutzen wisse und im antisemitischen Programm — abgesehen von den Bestimmungen, welche eine besondere Judengesetzgebung fordern — zugkräftige Sätze aus den Programmen aller anderen Parteien enthalten seien. Auf diese raffinirte Aufstellung des antisemitischen Programms sei die Thatiache zurückzuführen, daß, wer nicht in politischer Beziehung sehr taktfest ist, durch die Reden antisemitischer Agitatoren leicht getäuscht und in das Lager dieser Leute getrieben wird. So seien auch im Wahlkreise Arnswalde-Friedeberg ohne Zweifel eine Reihe von Freisinnigen, welche sich durch die antisemitischen Phrasen blenden ließen, zu zu den Antisemiten übergetreten. Gegen die antisemitische Bewegung müsse man unter solchen Umständen energisch eingreifen, zumal sie die schwersten Gefahren für unser deutsches Volksleben mit sich bringe. — Der Redner erörterte dann in streng sachlicher, eingehender Weise die Ursachen und Folgen der antisemitischen Agitation. In dem Ucberblick, welchen er über die Geschichte des Antisemitismus gab, schilderte er die mannigfachen Unterdrückungen und Veifolgnngen, welchen die Inden von den frühesten Zeiten des Christ nthums an bis in die neue Zeit hinein ausgesetzt waren, namentlich im Mittelalter, wo sie anfangs in Folge der Abgabe einer freiwilligen Steuer durch den Kaiser geschützt, allmählich zu „Kammerknechten" des Kaisers und zu Ausbeutungs-Objekten für Diejenigen, an welche der Kaiser den Ertrag der Steuer verpachtete, herabsanken und von allen Industriezweigen und Handwerken ferngehalten wurden, während ihnen nur das Schachern, d. h. das Handeln mit gebrauchten Gegenständen, und das Wuchern gestattet gewesen sei. Ja, man habe dem Juden vorgeschrieben, er solle von dem geliehenen Gelde sehr hohe Zinsen nehmen; dies sei nur geschehen, um ihn dann um so bequemer ausrauben zu können. Obwohl man ihn nun auf alle mögliche^Art^von'den Christen abgesondert und in besondere enge^ Gassen gesperrt habe, sei doch der Jude, nachdem der 30jährige Krieg Deutschland verheert habe, der eigentliche Vermittler des Verkehrs geworden und habe den Handel wieder in die Bahnen geleitet. Die Leidenszeit der Juden 'habe bis zu dem Jahre 1848 gedauert, welches mit den Beschränkungen der Rechte der Juden aufräumte. Das Aufflackern des Antisemitismus vergangener Jahrhunderte in der neuesten Zeit habe seinen Ursprung nicht in konfessionellen Dingen: diese reaktionäre Bewegung richte sich vielmehr, wie insbesondere die Stellungnahme der Antisemiten zu dem vorjährigen Volksschulgesetz-