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Der Israelit · 1893-01-26 · Heft 8 (26.1.1893) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 8 (26.1.1893)
Date
1893-01-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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137 Wanderredner jene falschen Behauptungen bekämpfen, welche antisemitische Flugblätter, antisemitische Broschüren, antisemitische Wanderredner mit der Absicht ausftreuen, allmählich die staatsbürgerliche und soziale Stellung der Juden zu untergraben. Es handelt sich nicht darum, schlechte Elemente, die es in unserer wie in jeder Gemeinschaft giebt, in irgend einer Weise zu schützen, sondern es gilt allein und ganz ausschließlich, die Rechtsgleichheit mit allen gesetzlichen Mitteln zu vertheidiaen. Wir sind überzeugt, daß unsere Glaubensgenossen zu ernsten Opfern für diesen ernsten Kampf bereit sind; wir führen diesen Kampf nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kinder. In unserer gefährdeten Lage haben wir das beruhigende Bewußtsein, daß unser eigenes Interesse mit dem unseres deutschen Vaterlandes auf das Engste verknüpft ist. Die antisemitische Verleumdung, die uns bedroht, macht auch vor Christen nicht Halt und züngelt bereits durch das ganze Staatsgebäude. Indem wir uns vertheidigen, treten wir somit Elementen entgegen, die die Festigkeit unserer öffentlichen Institutionen auf die Dauer untergraben müssen. Die zufließcnden Beiträge werden nach den hier angedeuteten Gesichtspunkten zur Verwendung gelangen." Aus dem Wahlkreise Bereut Pr. - Stargard-Dirschau schreibt die in Pr. Stargard erscheinende „N. Weftpr. Ztg".: „Neben den Polen sind es allein die Antisemiten, welche in unserem Wahlkreise der kommenden Reichstagswahl Beachtung schenken, und zwar haben dieselben ihren Feldzugsplan jetzt geändert. Von der Candidatur Paasch ist Abstand genommen und der polnische Kandidat, Herr v. Kalkstein-Klonowken befragt worden, wie er sich dem antisemitischen Programm gegenüber verhalte. Da Herr v. Kalkstein erklärte, er theile letzteres in vielen Punkten, so wollen die Antisemiten jetzt für den Polen gleichfalls eintreten." Könitz, 17. Januar. Der hiesige Rabbiner Dr. Grabowskt hatte bei der Stadtverordneten-Versammlung den Antrag gestellt, ihn von der Zahlung der Kommunalsteuer entweder ganz zu befreien oder ihn als Geistlichen oder Beamten mit nur 2 Prozent zu veranlagen. Diesen Antrag hatte die Stadtverordneten-Versammlung in ihrer Sitzung vom 24. November v. I. beim Magistrat befürwortet; der Regierungs-Präsident hat jedoch erklärt, daß dieser Beschluß, weil der Städleordnung widersprechend, ein gesetzwidriger sei, da der Rabbiner Dr. Grabowskt weder als Geistlicher noch als Beamter zu erachten sei. Oester.-Ungar. Monarchie. Wien, 8. Dezember. inn Und die, die Dir fluchen, werde ich auch verfluchen. Diese göttliche Verheißung ist nun an dem hiesigen antisemitischen Organe „Deutsches Volksblatt" wörtlich in Erfüllung gegangen, denn es wurde verflucht und auch in Acht und Bann gelegt, aber nicht von irgend einem fanatischen Rabbiner, sondern vom Papste der Antisemiten, Georg Schönerer, selbst, der nun in einem Rundschreiben allen seinen Getreuen mit der Ausschließung aus dem deutschnationalen Himmelreiche droht, falls sie noch das „Deutsche Volksblatt" lesen sollten. Uns Juden kann es nur freuen, wenn unsere Gegner sich gegenseitig befehden, denn dann haben wir Ruhe. Midjan und Moab, solange sie Feinde waren, ließen sie die Israeliten in Ruhe. Erst als sie sich ausgesöhnt hatten, riefen sie Bileam herbei, damit er gegen das jüdische Capital 0>ri mpy twutr), die Judenflinten (fnv' nrn), die jüdische Arroganz CoVd jjkd du), den Ritualmord (nncr D'^ki du), das jüdische Ausbeutungssystem (vis di: bw), die jüdischen Güterankäufe n« ^npn iar6’ nny uthztsd) und die unzähligen noch anderen jüdischen Laster auftrete. Schließlich aber mußte auch Bileam die Juden segnen. Italien. Livorno, 'un ijni 'sm -pso lenv' nP. Es ist sehr erfreulich zu vernehmen, daß in unserer Gemeinde, wo in früheren Zeiten nicht nur mehrere Jeschiboth zugleich bestanden, sondern wo es auch zahlreiche Familienväter gab, die mir6 O’ny jnip sich ihre Stunden für das Thorastudium festgesetzt hatten, nun ein Schiur eingerichtet wurde, der hier nicht nur einen guten Anklang, sondern auch zahlreiche Zuhörer fand. Der Schiur wurde von Rabbi Jehuda Ben Atar im Beth Hamidrasch des David Crocolo ‘rar errichtet, und findet er immer am Sabbat Nachmittag statt. Mit der Erklärung eines Abschnittes aus der eben am Vormittag gelesenen Parschah beginnt der Vortrag, worauf ein Abschnitt aus dem D"ri rm« mit den dazu nöthigen Erläuterungen abgelesen wird. Auf diese Art werden die Zuhörer mit den für das religiöse Leben nöthigen Lehrend und ^Vorschriften betraut, und werden sie dadurch auch verhindert, sich am Sabbat eitlen und nichtigen Geschwätzen hinzugeben. 121 1211 1'211 nWVQ- Der hiesige Vice-Rabbiner Cesare Tiani erhielt vor einigen Tagen am Sabbat in der Synagoge von unserem Oberrabbiner Costa die übliche Semicha (,12'bd) und^wurde er dann mit dem Titel Morenu Raw zur Thora gerufen. Einige Tage vorher hatte sich Rabbiner Tiani vor einem Beth-Din, das aus den zwei hiesigen Rabbinern Costa und Ben Hamoseg und dem Rabbiner von Pisa, Benedetti

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