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Der Israelit · 1893-01-26 · Heft 8 (26.1.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 8 (26.1.1893)
Date
1893-01-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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136 herabsteigt, es belehrt und anregt, seine geistigen wie leiblichen Bedürfnisse kennen lernt, sich sein Loos angelegen sein läßt, und ihm bei jeder guten Gelegenheit hilfreich die Hand reicht, — anstatt wie bisher sich stolz und kühl davon abzuschließen, und ihm gegenüber die Rolle der höher begabten „Intelligenz" zu spielen. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpoudeuzen. Deutschland. Berlin, im Januar. Der Artikel in Nr. 5 Ihres geschätzten Blattes „Die Adresse des Berliner Gemeindevorstandes" hat in weiten Kreisen lebhafte Zustimmung gefunden. Der Beschluß, eine Adresse an den deutschen Kaiser zu richten, stellt sich bei Licht betrachtet als ein der Selbstüberschätzung und Eitelkeit dargebrachtes Opfer dar. Mit welchem Recht darf eine Behörde, die kaum einem minimalen Bruchtheile ihrer eigenen Wähler gerecht zu werden vermag, als Vertreterin des preußischen oder gar deutschen Judenthums in seiner Gesammtheit auftreten? Statt in dieser Weise durch eine geräuschvolle Thätigkeit nach außen glänzen zu wollen, sollten die verehrten Herren mit Entschiedenheit darauf bedacht sein, Schäden innerhalb der von ihnen repräsentirten Gemeinde zu beseitigen und in strenger Folgerichtung sich zunächst mit der Erfüllung der von ihrer Gemeinde statutenmäßig übernommenen Verpflichtungen befassen. Mit aufrichtiger Freude werden wir es begrüßen, wenn Sie der Berliner Gemeindevertretung auch fernerhin ^hre Aufmerksamkeit zuwenden wollen. Fahren Sie nur fort, der Verwaltung dieser „ersten jüdischen Gemeinde" in schmerzlicher Addition Sünden und Fehlgriffe mit unerschrockene.m Wahrheitsmuth nachzurechnen. Sie dürfen auf warme Theilnahme und Unterstützung der großen Mehrheit derer Een, die seit langem der Entwickelung hiesiger Verhältnisse mit tiefer Betrübniß gegenüberstehen. Auf diesem Wege wird es Ihnen in kurzer Zeit gelingen den Jndifferentismus derBZasse zu brechen und mit durchgreifendem Erfolg ^ur Kräftigung und Erweiterung echtjudischen Lebens ' beizutragen. @tn erster Schritt zur Befriedigung de." öffentlichen Meinung wäre es, wenn Sie die Verhandlungen der Repräsentantenversammlun§ den Lebern Ihres geschätzten Blattes zugänglich machen wür den. Lei-?bs fft die Praxis, die sich sei t einiger Ze/t innerhalb des Repräsentantencollegiums geltend macht, unwesentliche Gegenstände in öffentlicher Satzung, Fragen von Bedeutung dage gen in geheimer' Beübung zu erledigen, sehr wenig geeignet, .über hiesige Verwaltungsmaxime ppd diejenigen sisiiß' gebender Personen, in welchen sich diese-Prinzipien verkörpern, Helles Licht zu verbreiten. Die Oeffentlichkeit der Sitzungen der Repräsentanlenversammlung liegt im Interesse der gesammten Gemeinde; es wäre bedauerlich, falls die Oeffentlichkeit laut §. 41 des Gemeindestamts erst durch Gemeindebeschluß angeordnet werden müßte. Daß die Mitglieder der Repräsentantenversammlung keine Veranlassung nehmen über ihre^ Thätigkeit den Wählern Rechenschaft zu geben und die Stellung derselben zu den wichtigeren Vorgängen innerhalb der Gemeinde kennen zu lernen, bleibt ebenfalls eine charakteristische Eigentümlichkeit unserer Zustände. Hier sollte der „Centralverein" einsetzen und eine rührige Thätigkeit entwickeln. Weit entfernt von einer Verkennung und Mißdeutung der bisherigen Mühen und Erfolge will es doch scheinen, als ob der Berliner Gemeindevorstand kein Verständniß dafür hat, daß der hier offenkundige Verfall des Judenthums größtentheils das traurige Ergebniß seiner Reformen ist. Schon ein Blick in unsere Gotteshäuser genügt, um die Wahrheit dieser unumstößlichen Thatsache zu erkennen. Während die alte Synagoge die glaubensfeste Schaar derer, die treu dem überlieferten Judenthum einem tiefgefühlten Andachtsbedürfniß genügen wollen, schon seit Jahren nicht mehr zu fassen vermag, vollzieht sich der Sabbatgottesdienst in der großen Synagoge wie in dem Kunstinstitut in der Lindenstraße, deßgleichen der Sonntagsgottesdienst in der Reformgemeinde meist vor leeren Bänken. Solchen Erwägungen sollte die Berliner Gemeindevertretung zugänglich sein, wenn sie nicht gänzlich und sicher ihr Ziel verfehlen will. Das aber wird der Fall sein, solange nicht den Wünschen und Bedürfnissen der Majorität der Gemeindemitglieder Rechnung getragen ist. Berlin, 20. Jan. An die Mitglieder der Berliner jüdischen Gemeinde ist folgender Aufruf gesandt worden: „Die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit haben gezeigt, in welcher gewissenlosen Weise der Antisemitismus weiteren Volksschichten einzuimpfen versucht wird. Nicht vieler Worte bedarf es, um die Gefahren zu schildern, die sich hieraus ergeben. Mit außerordentlicher Rührigkeit und unterstützt von sehr großen Geldmitteln betreiben schon seit Jahren die Antisemiten ihre Agitation; uns fehlen die entsprechenden materiellen Mittel, um in umfassender Wirksamkeit den ausgestreuten Verleumdungen und Verdächtigungen entgegenzutreten, die immer gefährlicher werden müssen, wenn ihnen nicht nachdrücklich die Wahrheit gegenübergeftellt wird. Um für diesen Zweck Mittel zu beschaffen, sind die Unterzeichneten zusammengetreten; sie wollen insbesondere durch Flugblätter, durch Broschüren, durch i ii

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