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Der Israelit · 1893-01-26 · Heft 8 (26.1.1893) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 8 (26.1.1893)
Date
1893-01-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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135 sichts der geöffneten Bundeslade, gelegentlich der Feier eines polnisch-revolutionären Gedenktages, öffentlich zu ei klären, die Juden müßten vor dem „polnischen Geiste" das Haupt neigen, da sie in ihrer ganzen Geschichte keinen einzigen solchen Helden und keine einzige solche Glanzthat aufzuweisen hätten, wie sie die polnischen Revolutionen in den letzten hundert Jahren gezeitigt. Die polnische Presse verbreitete dies große Wort gierig, und die Judrn nahmen die Ohrfeige stillschweigend hin. Es genügt zur Charakteristik dieser Strömung hervorzuheben, daß der berüchtigte Leopold Caro, der Verfasser der genugsam bekannten Schrift „die Judenfrage, eine ethische Frage" aus ihrer Schule hervorgegangen ist, ferner daß einige der Matadoren, die richtige Consequenz ihrer eigenen Lehre ziehend, schließlich zum Christenthum übergingen. Diese Vorgänge hatten in einem großen Theile der jüdisch denkenden und jüdisch fühlenden Jugend die heftigste Erbitterung hervorgerufen. Allein es fehlte ihr an einem Mittelpunkt zur Vereinigung, auch war kein Mann vorhanden, der ihr den richtigen Weg zeigen und sie auf die geeigneten Bahnen zur Betätigung ihrer Gesinnung lenken wollte. Ein solcher erschien in der Person des Herrn Rabbiner Dr. K o b a k, welcher fast gleichzeitig mit der Entstehung des Vereines „Agudas-Achim" in sein Vaterland zurückgekchrt war. Sein großes jüdisches Wissen, seine allbekannte Frömmigkeit und seine hohe weltliche Bildung verschafften ihm die Sympathien aller Kreise der Bevölkerung, die Jugend gewann er durch seine milden Umgangsformen und sein zugängliches Wesen. Indem dieser Mann, als Leiter des Religionsunterrichtes in allen höhern Mittelschulen Lembergs, dem Gifte der Assimilationslehre entgegenwirkte, beschränkte er sich jedoch nicht blos auf die Schuljugend; er gründete mit Hilfe einiger angesehener Bürger den Verein „Mikra Kodesch", um in dessen Räumen der wifsensdurftigen Jugend Vorträge über Bibel, Talmud und Midrasch, über jüdische Geschichte und Literatur zu halten. Bald sammelte sich um ihn eine Schaar strebsamer Jünglinge, und die Jugend wurde von einem neuen Geist belebt. Immer weitere Kreise zog diese neue Bewegung um sich, die Jugend besonders fühlte sich von ihr immer mehr begeistert, und der „Agudas-Achim" verlor immer mehr an Boden. Mehrere der begabteren jungen Leute hielten selbst Vorträge und die anderen wurden zum Studium der hebräischen Sprache und deS alten jüdischen Schriftthums angeregt. Als später der Verein in Folge verschiedener hinderlicher Umstände in seiner Entwickelung gehemmt wurde, versammelten sich einige der alten Mitglieder desselben und richteten ihn wieder auf. Es waren dies meist Talmudjünger, die unter Leitung und Hilfe Kobacks sich auch weltliches W ssen angeeignet hatten. Später mußten die Veremsstatuten geändert werden, und der ueue Verein nannte sich „Zion", in Anlehnung an den Vers min Nsn p’so d. In dem neuen Vereine herrschte doch der alte Geist. Jedoch wurde das Programm und der Thätigkeitskreis desselben bedeutend erweitert. Der neue Verein stellte sich zur Aufgabe, den jüdischen Geist zu beleben und die jüdische Gesinnung in den weitesten Kreisen der jü ischen Bevölkerung zu fördern. Für die große Masse des Volks wurden Vorträge am Samstag Abend regelmäßig veranstaltet, welche meist Gegenstände aus der Vergangenheit des Judenlhums behandelten und so dieKenntniß der jüdischen Geschichte und Lehre in die am ärgsten vernachlässigsten Sphären verbreiteten, und nicht wenig zur Hebung des jüdischen Bewußtseins beitrugen. Im engern Kreise hielten die Mitglieder, denen sich unterdeffen eine nicht geringe Anzahl von Hörern der Hochschulen anschlossen, Vorträge und Discussionen über speciellere, das Judenthum betreffende Themas. Die Judenfrage in ihrer weitesten Ausdehnung wurde in das Bereich der Verhandlungen gezogen, und so bildete sich unter der jüngern Generation eine tüchtige jüdische Gesinnung heraus, die sich allmälich läuterte und krystallisirte. Die Ueberzeugung setzte sich fest, daß es verfehlt sei, das Wohl des Judenthums in dem Abschütteln der Vergangenheit zu suchen, und durch treulose Hingabe ererbter Heiltgthümer die Gunst und das Gefallen der Völker erkaufen zu wollen. Nicht nur ist es thöricht zu glauben, das Judenthum könne dadurch im Ansehen der Außenwelt steigen und seine Bekenner zu höheren Lebensstellungen gelangen, sondern im Gegentheil, werden diejenigen, die sich bereits ganz vom Herkommen losgemacht und nur noch dem Namen nach Juden sind, von ihren christlichen Mitbürgern wett eher gehaßt und verachtet, als die frommen und altgläubigen Juden. Ja, den meisten Haß und die heftigste Verfolgungsucht haben vielleicht diejenigen erregt, die, im Gegensätze zu ihren frommen Vätern, mit weltlichem Besitz prunken, und die glänzende wie lasterhafte Lebensweise moderner Cavaliere annahmen. Die überkommenen Schätze aus der Vergangenheit sind zu conserviren und hochzuhalten, dem Volke näherzubringen, ihr Verständniß und ihre Verbreitung nach Kräften zu fördern; denn sie sind nicht nur der Lebensquell für die Gegenwart, sondern die sicherste Bürgschaft einer gedeihlichen Entwickelung für die Zukunft. Dem Judenthum thut eine Consolidirung nach Innen, eine feste Einigung und ein enges Anschließen an die tieferstehenden Schichten dringend Noth. Dieses wird erreicht, wenn man zu der Masse des Volkes

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