Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 7 (23.1.1893)
- Date
- 1893-01-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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T 7 127 seines Könnens. Treu ist der Charakter des Originals gewahrt, und dabei fließt die Sprache leicht und angenehm, jedem verständlich dahin. So ist hier ein Buch geboten, das dem jüdischen Laien eine unerschöpfliche Fülle von Gedankentiefe und Gefühlsinnigkut in der Erfassung der Psalmen erschließt, ein Buch, das der Gelehrte vertrauensvoll zu Rathe ziehen wird, und das dem Andersgläubiaen, was ja leider in unserer Zeit so überaus nöthig und wichtig ist, wieder einmal die erhabene Gesinnung zeigt, von der unsere gesammte Literatur getragen ist. Es ist eine möglichst weite Verbreitung des Buches, das der Verleger trefflich ausgejtattet hat, auf das lebhafteste zu wünschen. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzeu. Deutschland. Mainz, 22. Januar. Längst sind wir gewohnt, die Entstellungen der Antisemitenblätter zu ignoriren, falls sie sich gegen Persönlichkeiten richten; doch haben im Kreise einiger unserer Glaubensgenossen die phantasievollen Märchen, die die Antisemitenprcsse über den Lieutenant d. R. Dr. Lehmann, gelegentlich seiner Eigenschatt als Dtfiver und als Vorstand des Wiesbadener M litärvereins ersonnen hat, Mißverständnisse hervorgerufen, die wir berichtigen muffen.*) Wr greifen daher aus dem „Westdeutschen Amtsblatt" von Samstag, 14. Januar 93 einige Sätze heraus, die das Hauvtlächlichste, was wir berichtigen wollen, wiedergeben. Grnanntes Blatt schreibt gelegentlich eines Festes des Wiesbadener Militärvereins: ,.Das Fest verlief in erfreulicher Weise bis auf einen Umstand. Ein Jude hielt nämlich bei dieser rein christlichen Feier die Festrede. Dieser Festredner, Lieutenant D. R. Dr.Lehmann ist derSohn desMainzer Rabbiners Lehmann! Wahrlich, wir beklagen einen Kriegerverein, der so wenig christlich ist, daß er einen Juden rc." Es folgt die hämische Bemerkung, wenn ein Jude sich vordränge, so liege das an der Rasse, worauf das Blatt fortfährt: „Aber, daß ein deutscher Kriegerverein so wenig seiner nationalen Pflicht sich bewußt ist, daß er zu Weihnachten einen Juden zumFestredner wählt, das ist unerhört und liefert einen Beweis, wo wir bereits in Deutschland angelangt sind!!" Wir können hiergegen den Sachverhalt, wie folgt, berichten: Das Fest des Militär-Vereins fand nicht an Weihnachten, sondern in der Nackt vom 1. ans den 2. Januar statt. Es entbehrte jeden religiösen Charakters. Auch ist es nicht wahr, daß Herr- Lieutenant Dr. Lehmann die Festrede gehalten hat, *) Wic wir hören hat Herr Dr. Lehmann bereits gegen eines dieser Blätter Strafantrag gestellt. Wir bitten unsere Freunde, Zeitungen, die Angriffe enthalten, uns zuzusenden, damit wir Herrn Tr. Lveranlassen können, weiter vorzugehen. vielmehr wurde eine eigentliche Festrede überhaupt nicht gehalten. Der erste Trinkspruch galt Seiner Majestät dem Kaiser, und wurde von einem andern Herrn ausgebracht. Der zweite Toast hatte den Gästen zu gelten und sollte diese Rede Herr Premierlieutenant N. N. halten. Allein er erschien nicht rechtzeitig und kam erst, durch einen Zwischenfall abgehalten, zu sehr später Stunde. Excellenz, Generallieutenant von *, der Bürgermeister, der Bezirks- Kommandeur und andere hochgestellte Persönlichkeiten mehr, waren schon lange Zeit anwesend und noch war der Verein nicht seiner Pflicht nachgekommen, seine Ehrengäste zu begrüßen. Erst auf die wiederholten, eindringlichen Bitten anderer Vorstandsmitglieder hin, erhob sich Herr Lieutenant Lehmann und hielt eine längere Rede auf die Gäste, wofür ihm der Dank des Vereines in reichstem Maße zu Theil wurde. Daß es geradezu die Pflicht des als Redner bereits bewährten Herrn war, seine Kameraden in dieser Verlegenheit nicht im Stiche zu lassen, das entzieht sich wohl dem moralischen Fassungsvermögen des Westdeutschen Volksblattes, des Slöckerschen „Volk" und wie die anderen heißen. Ist es ja auch gleichgiltig. was der Radauantisemitlsmus, der sich besonders darüber erbost, daß ein Jude O fizier wurde, schreibt. Wir brauchen allen diesen Schmähungen nur die eine Tyatlache entgegen zu halten, daß der etwa 700 Mitglieder zählende Wiesbadener Militär-Verein, der größte Verein in ganz Nassau, Herrn Liemenant d.N.Dr. Lehmann im Vorjahre unter leine Ehrenrichter, dieses Jahr in seinen Vorstand wählle. Frankfurt a. M, im Januar. Im Hinblick auf Ihre vorwöchige Mlttheilung betreffs der Vorträge des Herrn Direktor Dr. M. Hirsch »'j im Verein Ben-Usiel mache ich darauf aufmerksam, daß soeben eine Schrift des Herrn Direktor Dr. Hirsch „Das reine Menschenthum im Lichte des Judenthums" (im Verlag von I. Kauffmann hier) erschienen ist, der eine Serie der vorerwähnten Vorträge zu Grunde liegt. Es ist bei den momentanen Strömungen mit ganz besonderer Freude zu begrüßen, daß von so berufener Stelle aus solche aufklärende und versöhnende Darlegungen weiten Kreisen zugänglich gemacht werden. Im literarischen Theil dieses Blattes wird diese bedeutsame Schrift wohl eingehend gewürdigt werden. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Lemberg. Eine nicht rühmenswerthe Eigenthüml'.chkeit unter den Juden Galiziens ist die ungesetzliche Trauung. Es unterläßt ein bedeutender Theil der jüdischen Eheschließenden ihre Ehe nach den gesetzlichen Vorschriften zu schließen