Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 7 (23.1.1893)
- Date
- 1893-01-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Herr Meisel, Vizepräsident des aargauischen Thierschutzvereins, protestierte gegen den Vorwurf des Antisemitismus und appelirte an die jüdischen Mitbürger um ein Entgegenkommen in dieser Frage, bevor eine Volksabstimmung stattfinde. Herr Dr. Engelbert betonte darauf nochmals die fortschriftliche Gesinnung der Juden, aber so lange das Schächten nicht als Thierquälerei, die auf die jüdische Religion verbiete erwiesen sei, werden die Juden an ihrem Kultus festhalten. Schon seit 25 Jahren werde christlicherseits dagegen Stimmung gemacht, aber auch Herr Pfarrer Albrecht sel. habe sich im „Relig. Volksblatt" nicht mit Sympathie für diese Stimmung ausgesprochen. Herr Pfarrer Brenner erklärte sich durch die bisherige Dtskusion belehrt und schloß sich infolge dessen dem Standpunkt des Herrn Dr. Streng an Die Bestrebungen des schweizer. Thierschutzvereins in der Schächt-Angelegenheit seien auf unfruchtbaren Boden gefallen und die 80,000 Unterschriften gegen das Schächten seien aus anderer Animosität unterzeichnet worden. Darauf gab Herr Dr. Engelbert zu, daß es auch bet den Juden Gute und Schlechte gebe, betonte noch die Vorzüglichkeit der jüdischen Fleischschau und beantwortete eine bestimmte Frage des Herrn Dr. Streng, ob das Schächten eine Kultushandlung, mit ja, aber sie dürfe nichts Sündhaftes an sich tragen (was bei Anerkennung der Nichtthierquälerei allerdings nicht der Fall.) Herr Präsident Schurter empfahl die Schächtfrage nunmehr dem Privatstudium des Einzelnen. England. London, 10. Jan. In einem äußerst interessanten Vortrage sprach an einem der letzten Abende der Hauptrabbiner Englands, Dr. Adler, vor einem großen Publikum in der „London Institution" über „Witz und Humor unter den Juden". Seine Vorlesung, welcher die zahlreich Anwesenden mit der größten Aufmerksamkeit folgten, hatte den Zweck, die Aeußerung Renan's zu widerlegen, nach welcher die Semiten der Fähigkeit zum Lachen bar sein sollen. Carlyle adopttrte diese Aeußerung, indem er einmal behauptete, daß die Juden keinen Humor hätten. Nach Dr. Adler war es gerade die „vis comica“, welche den Hebräer in seinem Kampfe um die Existenz, die ihm ganz besonders schwer gemacht wurde und thetlweise noch wird, unterstützte, die in seinem Leben aufgethürmten Hindernisse aus dem Wege zu räumen. Deshalb aber zieht sich auch ein gewisser Schmerz durch seine Fröhlichkeit. Dr. Adler wies auf Stellen in der Bibel hin, welche voll von Ironie sind. Er richtete dann seine Aufmerksamkeit auf die talmudtschen Schriften und legte dar, daß eine sehr große Anzahl von Sagen, Erzählungen und Legenden, die darin Vorkommen, in die „Arabischen Nächte" (Tausend und eine Nacht) übergegangen. Von dort wanderten dieselben in die italienische Sammlung „Cento Novelle aetiche“ und wurden so das Besitzthum europäischer Literatur. Italien und Spanien besaßen viele satirische Schriftsteller jüdischer Religion, und in Heine, setzte der Vortragende hinzu, hat der jüdische Witz seinen Culminationspunkt erreicht. Dr. Adler citirte dann eine Stelle aus Börne, welche — seiner Meinung nach — den Ursprung der jetzt grassirenden Seuche des Antisemitismus in Deutschland andeutet: „Ihr haßt die Juden nicht, weil sie es verdienen, sondern weil sie verdienen." Nachdem Dr. Adler die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer auf verschiedene moderne jüdische Autoren gelenkt, schloß er seinen mit höchstem Beifall aufgenommenen Vortrag, indem er erklärte, daß auch den modernen Juden weder Humor noch Witz abgesprochen werden kann. Italien. Neapel. An der hiesigen Universität besteht schon seit Jahren ein Studentenverein (Associazione Universitaria napoletana), der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Collegialität und Brüderlichkeit unter den Studenten zu fördern und den Armen unter denselben durch Unterstützungen und Lectionen unter die Arme zu greifen. Dieser Studentenverein hat jüngsthin den jüdischen Universitätshörer Arturo Carji zu seinem General-Secretär gewählt. Es zeigt dies ganz deutlich, daß die italienischen Universitäten und ihre Hörer, Gott sei Dank, noch ganz frei sind von den antisemitischen Hetzereien. Auf Ansuchen des Herrn Earji hat der Unterrichtsmiuister den hiesigen Universitätshörern einige Begünstigungen bei den Nachprüfungen gewährt. Herr Carji hat gleichfalls für 'die armen Universitätshörer hier eine Art Volksküche errichten lassen, in welcher dieselben für eine kleine Abgabe ein gutes Frühstück und auch" ein sättigendes Mittagsbrod erhalten. Feuilleton. „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. UebersetzungSrechte Vorbehalten. (46. Fortsetzung.) „In Ansbach verließen jetzt täglich Leute, von der tyrannischen Willkür und tollen Laune des Markgrafen bedroht, heimlich das Land und fanden für entsprechende Entlohnung stets Wagen, Pferde und