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Der Israelit · 1893-01-23 · Heft 7 (23.1.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 7 (23.1.1893)
Date
1893-01-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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120 Buk, 12. Jan. Gestern fand in der hiesigen Synagoge die Einweihung einer neuen Gesetzrolle statt. Nachmittags 1*/, Uhr versammelten sich die Gemeindemitglieder im Gotteshause zu einer Andacht. Nach Beendigung derselben begab sich der Vorstand in Begleitung mehrerer Gemeindemitglieder in die Wohnung des Korporationsvorstehers Herrn Glückmann, wo die Gesetzrolle einstweilen aufbewahrt worden, und brachte dieselbe in die Synagoge. Nunmehr begann die Feier mit dem Vortrage eines Chorgesanges, woraus die üblichen Umgänge mit sämmtlichen der Gemeinde gehörigen Gesetzrollen stallfanden. Nach dem dritten und sechsten Umgänge wurden wieder Gesänge vorgetragen, worauf Herr Rabbiner Gutwirth die Feslpredigt hielt, welche mit einem Gebet für das Kaiserhaus schloß. Mit einem Schlußgesang endete die Feier in der Synagoge. Abends 6 Uhr fand im Saale des Gastwtrths W. Grätz ein Festessen statt. Der Vorsitzende des Wohlthätigkeitsvereins Herr Lehrer Spieldoch begrüßte die Festtheilnehmer im Namen des Korporations- und Vereinsvorstandes und gedachte der im verflossenen Jahre dahingeschiedenen Gemeindemitglieder, für welche der Gemeinde-Rabbiner die üblichen Gebete sprach. Bei der Tafel wurde zunächst von Herrn Spieldoch ein Hoch auf den Kaiser ausgebracht, worauf noch Herr Rabbiner Gutwirth und Lehrer Spieldoch Reden hielten. Das Hauptverdienst bei dem Zustandekommen des Werkes hat unser Korporations-Vorsteher, Kaufmann Heimann Glückmann. Das Schreiben einer neuen Gesetzrolle für die hiesige jüdische Gemeinde wurde vom Gemeinderabbiner, Herrn Gutwirth angeregt. Danzig, 14. Jan. Der E folg, welchen die Antisemiten in der Reichstagswahl Arnswalde- Friedeberg davongetragen haben, scheint ihnen in den Kopf gestiegen zu sein und verleitet sic jetzt, ihre Kraft auch in Gebieten zu versuchen, in welche sich zu verirren sie bis dahin noch nicht gewagt haben. Wie vor einigen Tagen gemeldet wurde, versuchen jetzt die Antisemiten in dem Wahlkreise Berent-Pr. Stargard mit einer Candidatur vorzugehen, und zwar soll der würdige Genosse des „Rectors aller Deutscher", der Ingenieur Paasch, als Candidat aufgestellt werden. Man muß allerdings gestehen, daß Herr Paasch die Ehre, von len Gesinnungsgenossen desReichstagsabgeordneten für Arnswalde-Friedeberg als Candidat aufgestrllt zu werden, vollauf verdient hat. Seine blödsinnigen Anklagen gegen den deutschen Gesandten v. Brandt in Peking, sein consuses Gewäsch über die Thätigkeit der allianee israelite sind so ziemlich das stärkste, was auf dem Gebiete des Antisemitismus geleistet worden ist, und seine Leistungen werden vielleicht nur von dem würdigen Jnsaßen der einsamen Zelle in Plötzensee, Herrn Ahlwardt, übertroffen. Der Wahlkampf verspricht ein interessanter zu werden. Der Wahlkreis ist immer in polnischen Händen gewesen. Nun ist allerdings nicht in Abrede zu stellen, daß sowohl die hochadligen polnischen Führer als auch ein gewisser Theil des Centrums mit dem Antisemitismus koketirt hat. doch glauben wir nicht, daß dieses von Einfluß auf die Wähler im Kreise Pr. Stargard-Berent sein wird. In jenen Gegenden geht der Wähler, um sich Rath zu holen, zu seinem Geistlichen. Sollte also der antisemitische Candidat nennenswerthen Erfolg erringen, so müssen ihn entweder die Geistlichen unterstützen, oder er muß die polnischen Wähler so weit gewonnen haben, daß sie sich von ihren geistlichen Berathern emancipiren. Jedenfalls kann man dem Wahlkampf mit großem Interesse entgegensetzen. Oester.-Ungar. Monarchie. Wien, 13. Jan. In der publicistischen Dtscussion über die durch den Hirtenbrief des Linzer B^chvss Dopvrlbcmer angeregte „Scheidung der Geister" ergreift heute wieder das „Vaterland" das Wort, indem es sich specicll über den Antisemitismus äußert: „Es wäre vergebliche Mühe, taxativ aufzählen zu wollen, welche Gegenstände unter die Autorität der Kirche, das heißt, des Papstes und der Bischöfe fallen, welche nicht. Gibt es doch kaum einen Punkt theoretischer oder praktischer Natur, der nicht durch irgend eine Verkettung von Umständen zum Glauben, zur Moral, zur Disciplin, zum Rechte, zum allgemeinen Wohle der Kirche in Beziehung treten könnte. Gcwiß ist auch der Antisemitismus gegen iin Eingreifen der kirchlichen Autorität nicht gefeit. So weit er blos Racenhaß sein wollte, wäre er jedenfalls unter die von den österreichischen Bischöfen in ihrem Collectiv - Hirtenbriefe vom 15. Februar 1891 ausgesprochene Verurthetlung des „heidnischen Racenhasses" zu subsumiren. Sollten es die Bischöfe für opportun halten, so werden sie nicht zögern, gegen jenes „praktische Christenthum" aufzutreten, das „ohne, eventuell auch gegen die Bischöfe seine eigenen Wege gehen" will". Ja, cs ist für die Clericalen nicht leicht, die Antisemiten wieder zur Raison zu bringen, nachdem man ihrem Treiben so lange wohlwollende Unterstützung gewährt hat. Prag. Am 8. d. verschied hier der Stiftungsrabbiner Herr Jakob Teweles im 64. Lebensjahre. Der Verblichene entstammte einer alten Gelehrten-

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