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Der Israelit · 1893-01-23 · Heft 7 (23.1.1893) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 7 (23.1.1893)
Date
1893-01-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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T liö ben sichtbar herrschen werde. Inwiefern dieses Dogma orthodox ist oder nicht, das wollen wir hier nicht untersuchen. Die Zahl derer, welche daran glauben, sind hervorragend durch Rang, Wohlstand und Talent. Gepredigt wird diese Lehre von den Kanzeln der beiden Kirchen, der schottischen wie der englischen. Mitglieder beider Häuser des Parlai ments, Lords und Abgeordnete haben zu ihren Gunsten geschrieben. Nun frage ich, worin unterscheidet sich diese Lehre, was ihre politische Tragweite anbelangt, von der jüdischen j Lehre? Wenn ein Jude deßhalb nicht dazu taugt, an un- I serer Gesetzgebung mitzuarbeiten, weil er glaubt, daß er! oder seine späteren Nachkommen einmal nach Palästina entrückt werden sollen, können wir dann mit Seelenruhe in das Haus der Gemeinen einen Bekenner des fünften Weltreichs » einlassen, der gewärtig ist, daß ehe noch diese Generation j ausgelebt habe, alle die Königreiche aufgegangen sein werden I in das Eine Gottesreich? j Läßt sich wohl ein Jude weniger eifrig, als ein Christ j auf irgend welche Concurrenz ein, welche das Gesetz ihm j freistellt? Ist er in seinem Geschäft etwa weniger thätig s und ordentlich als seine Nachbarn? Richtet er sein Haus j mangelhaft ein, weil er sich als Pilger und als Gast hier i zu Lande betrachtet? Macht ihn die Erwartung, dem Lande I seiner Väter wiedergegeben zu werden, unempfindlich für z die Schwankungen der Course? Ordnet er feine Privatanj gelegenheiten immer unter dem Gesichtspunkt der Eventualität einer Auswanderung nach Palästina? Wo nicht, was z berechtigt uns denn, vorauszusetzen, daß Gefühle, die seine j Geschäfte als Kaufmann, seine Verfügungen als Erblasser niemals beeinflussen, einen unbegrenzten Einfluß über ihn gewinnen würden, sobald er Staatsbeamter oder Volksvertreter wird?" Die Broschüre und ihr Verfasser erforderten an und für sich keine so einaehende Entgegnung, wenn nicht einerseits der dreiste Kathederton, mit dem dies alles vorgetragen wird, und andererseits die leider so große Unkenntniß alles specifisch Jü- [dischen in großen Kreisen der zeitgenössischen Judenheit den Glauben erwecken könnte, es stecke doch vielleicht ein Körnchen Wahrheit in diesem Wust z von Verleumdungen, die da ein Jude gegen seine? eigenen Brüder in die Welt hinausruft. \ Diese Darstellung dürfte jedoch genügen, um j jeden Unbefangenen zu überzeugen, daß wir hier es! mit einem jener Freunde zu thun haben, vor welj chen uns Gott schützen möge. I - | Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzen. \ _ j Deutschland. i Aus der Provinz Starkenburg. Wie! bekannt, wüthen die Antisemiten am meisten in | Reichelsheim im Odenwalde. Doch zeigt sich auch j hier eine Besserung. Bet der jüngst stattgehabten Kreistagswahl erhielt der durch seinen Antisemitismus wohlbekannte Apotheker Mayer nur 3 Stimmen. — In den jüngsten Tagen waren wieder einmal die Häuptlinge des Antisemitismus, die Herren Böckel, Hirschel und Roether hier zusammen, um über die im nächsten Jahre vorzunehmenden Wahlen zum hessischen Landtage — wobei die Antisemiten bekanntlich die seitherigen Abgeordneten vollständig beseitigen wollen, zu berathen. — Die 3 Burschen, welche unlängst wegen Mißhandlung eines Israeliten von Fränkisch - Crumbach vom Schöffengerichte Fürth im O. zu 10, 8 und 6 Wochen Gefängniß verurtheilt wurden, haben gegen dieses Urtheil Revision eingelegt und kommt also die Angelegenheit in Darmftadt zur nochmaligen Verhandlung. Wiesbaden, 9. Januar. Herr Kaufmann M. Mayer ist nach hier verzogen, nachdem er in Reichelsheim (Hessen) seinen Austritt aus der israelitischen Kultusgemeinde bewirkt hatte. Hier trat er zunächst keiner religiösen Gemeinschaft bei, schloß sich dann aber der altisraelitischen Gemeinde an und wurde nichtsdestoweniger von der israelitischen Kultusgemeinde mit Mk. 27 zur Steuer herangezogen. Seine Klage wider den Vorstand der Gemeinde wird aus formellen Gründen zurückgcwiesen, ohne daß in der Sache selbst erkannt worden sei. Herr M. hatte es nämlich unterlassen, einen Reklamationsbescheid vor der Anhängigmachung der Klage zu provociren. Mannheim, 17. Jan. Der Antisemit Roth aus Hockenheim wurde heute vom Schwurgericht wegen Meineid nach siebenstündiger Verhandlung zu 2 Jahren Zuchthaus verurtheilt. Die Mitangeklagten Kraus und Schränkler wurden freigesprochen. 8. X. Frankfurt a. M., 18. Jan. (Warnung.) Dienstag den 10. d. Mts. kam ein gewisser Moritz Blumenfeld, Schaubudenbesitzer zu mir, um mir eine „Mohlschaft" zu übertragen. Dabei bedeutete er mir, die Brismiloh findet Sonntag, 15. d. in seinem Wagen, der in Dörnigheim stehe und woselbst sich seine Frau befinde — statt. Bei dieser Gelegenheit klagte derselbe über seine Armuth in der Voraussetzung, daß ich ihm sofort eine größere Unterstützung gewähre. Da mir nun von früher ein Schwindler gleichen Namens bekannt war, so gab ich keine Unterstützung, versprach ihm jedoch eine solche nach stattgehabter Brismiloh zu gewähren. Bevor genannter Blumenfeld wegging, ersuchte ich denselben mich Sonntag um 9 Uhr in Dörnigheim an der Bahn zu erwarten. Als ich nun Sonntag in D. eintraf und Niemanden an der Bahn traf, war es mir klar, daß meine Vermuthungen die richtigen waren. Nach nunmehr eingezogenen Recherchen treibt dieser Schwindler dasselbe Manöver auch bei anderen Mohelim. Auch Hoteliers läßt er nicht verschont, so übertrug derselbe letzten Herbst einem hiesigen Hotelier eine Gevatterschaft, wobei es sich herausstellte, daß es Schwindel war. J

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