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Der Israelit · 1893-01-19 · Heft 6 (19.1.1893) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 6 (19.1.1893)
Date
1893-01-19
Page
– (sequence 20)
Language
German
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112 Mererrpion. Beiträge zur Geschichte der Essäer von Dr. N. L. Weinstein. Wien 1892. Lippe. 8. Soviel auch über die Essäer schon geschrieben worden ist, soviel man auch versucht hat, deren System und Lebensweise zu erforschen: so ist es doch nicht gelungen, das Wesen des Essäismus vollständig zu erklären. Das Forschen blieb zumeist auf der Oberfläche, tiefer drang man nicht ein, und darum blieben so viele Fragen ungelöst. Die Gründe, welche die essäische Sekte hervorgerüfen, die so manche ihrer Gebräuche gefördert haben, diese hat man nicht erkannt, man hat sich begnügt, festzustellen das, was war, nicht warum es so geworden ist. Dies zu versuchen, hat die vorliegende Arbeit sich zur Aufgabe gestellt, und der Versuch erscheint gelungen. Was bisher versäumt wurde, das hat der Verf. nachgeholt, er ist den Spuren des Essäismus in den talmudischen Schriften gefolgt, und diese haben ihm eine reiche Ausbeute gewährt. Die Essäer hatten ihren Wohnsitz im Süden, und zwar in der Gegend um das todte Meer; diese Gegend wird n'dm, „das Land der Heilquellen" genannt, daher der Name Essäer. Dort war es, wo die Rechabiten ihre Wohnsitze hatten, welche die Bewahrer des geistigen Gutes Israels und die unentwegten Hüter desselben waren, als die Priester, wie es sich zur Zeit des zweiten Tempels zeigte, nicht mehr die Bewahrer des Gesetzes waren. Die strenge Observanz fand sich stets bei den Rechabiten, schon Jonadob ben Rechab zur Zeit Jehu's war ein tapferer Vorkämpfer für das Gesetz und Eiferer gegen das Götzenthum. Nach dem Süden wandelten später alle diejenigen aus, die sich vor der Zerfahrenheit im Reiche flüchten wollten, hier blieb die Stätte der reinen Gotteserkenntniß und der strengen Frömmigkeit. Die Lehrer des Talmud, die durch große Frömmigkeit berühmt sind, stammen aus dem Süden oder waren, ganz ihren Anschauungen leben zu können, nach dem Süden gewandert. Dem Abfall gegenüber baute man hier die Schutzwehren für das Gesetz weiter aus. Von hier stammten denn jene Männer, die im Talmud als D'-nan, yyux, ypm, rwyv »bon bezeichnet werden. Die Belege, die der Verf. bringt, ließen sich noch erweitern, wie z. B. aus Debarim rabba, Absch. Ekew., wo R. Pinchas ben Jair als im Süden handelnd auftritt. An der Hand dieser Beweise erklärt der Verf. auch schwierige Midraschstellen, wie z. B. den dunkeln Sifre zu l Ehr. 2, 55. Eigentümlichkeiten, die den Essäern nacherzählt werden, findet der Verf. durch den Talmud und im Talmud begründet. So hat der Verf. nach dieser Seite hin Licht geschaffen, viele falsche Nachrichten, welche durch Mitzverständniß über die Essäer in Umlauf gesetzt wurden, widerlegt, ernste Anregung zu weitern Forschungen gegeben und manches Dunkel aufgehellt. Einiges bedarf jedoch der Einschränkung oder Richtigstellung. Die Eigentümlichkeit des R. Elieser ben Hyrkanos, keine Halacha vorzutragen, die ihm nicht überliefert war, führt der Talmud als Nachahmung auf seinen Lehrer R. Jochanan ben Sakkai zurück; kann also nicht mit als Beweis für dessen Essäismus angeführt werden. — Ungenau und zu Mlßverständniß Veranlassung gebend, ist die Uebersetzung von nonon O’TDn »w», „die Hassidäer können in Bezug der Gesetzgebung nicht als Norm gelten, da sie die Gesetze zu sehr erschweren" (S. 64), dies würde einen Tadel einschließen, was aber durchaus nicht damit gesagt sein soll; es heißt vielmehr, sie seien für die allgemeine Praxis nicht maßgebend, weil „sie für sich die Gesetze erschweren." Es wird vielmehr ein Lob ausgesprochen, daß sie von sich selbst eine größere Strenge verlangen, ohne sie andern aufbürden zu wollen. — Geradezu falsch ist Berachoth 9 b. '-d nann pan Dy irvw yrcn vn ypTn qvd ypsno nsdji n^sn^ “yoD'tr erklärt. Hier erlaubt sich zunächst der Verf. eine scheinbar kleine Korrektur, die jedoch den Sinn des Satzes verkehrt, die jedoch offenbar der falschen Erklärung zu Liebe gemacht worden ist. Der Verf. citirt nämlich ^epd □vn *?□, während die Talmudausgaben ovs ^cna haben, eine Lesart, welche die ohnehin falsche Erklärung des Verf. über den Haufen wirft. Hören wir zunächst die Erklärung des Verf.: „Die Wathikin pflegten ihr Gebet mit Sonnenaufgang zu verrichten, damit das Nachtgebet, in welchem d->r Segen über Erlösung gesprochen wird, möglichst nahe dem Morgengebet bleibe (dem jüdischen Ritus gemäß kann man das Abendgebet bis vor Aufgang der Morgenröthe, das Morgengebet schon mit dem Aufgange desselben [Derselben?] verrichten), und auf diese Weise hat man den ganzen Tag (Schluß und Anfang des Tages) im Gebet zugebracht." (S. 62.) Freilich wenn man ovn hi ohne Berechtigung liest, muß man „den g anzen Tag" übersetzen; überdies ist aber die Erklärung durch und durch falsch. Einmal verwechselt der Verf. die Segenssprüche über das Schema, mit dem eigentlichen Gebete, der y», denn diese einzig und allein wird im Talmud nten genannt, und nur in Bezug auf diese wird das Verbum bbsm gebraucht. Zweitens wird in den Benedeiungen zum Morgen-Schema ebenfalls für die Erlösung der Dank ausgesprochen. Drittens konnte und durfte wohl das Abendgebet bis zum Aufgang der Morgenröthe verrichtet werden, das war aber nicht die Regel, das war für den Nothfall gestattet, und es gehörte keineswegs zu den

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