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Der Israelit · 1893-01-19 · Heft 6 (19.1.1893) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 6 (19.1.1893)
Date
1893-01-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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103 Auch über ein derartiges Kaiserwort würde der Antisemitismus in seiner unwiderstehlichen Leidenschaft und in seinem glühenden Hasse gegen alles Jüdiscde sich hinweggesetzt haben und wer weiß, zu welchen Verleumdungen und hinterlistigen Verdäch tigungen eine Intervention des Kaisers den Antisemiten der Anlaß geboten hätte. Auf keinen Fall wäre dadurch die Lage der Juden in Deutschland auch nur im Geringsten verbessert worden. Fort darum mit den hölzernen Schwertern! Sehen wir ab von der bisher befolgten nutzlosen Kampfesweise und wenden wir uns einer rationelleren Methode der Abwehr zu!*) Nicht darauf, daß überhai pt gekämpft wird, sondern darauf, daß dies in verständiger Weise geschieht, kommt es an. Von der Wahl der Waffen, sowie von der einzuschlagenden Taktik hängt der Ausgang des Kampfes im Wesentlichen ab. Unbrauchbare Waffen aber und eine verfehlte Taktik führen nur den Gegner zum Siege. Zeitungsnachrichten und Correfpoudenzeu. Deutschland. Frankfurt a. M., 15. Januar. Vier Jahre sind heute — am 27. TeweS — verstrichen seit jenem Tage, an welchem unser großer Lehrer, der unsterbliche Samson Raphael Hirsch heimgegangen. Vor nunmehr Jahresfrist trat hier ein Verein in's Leben unter jenem Namen, mit dem Hirschs- Erstlings-Werk — die „19 Briefe" — die Reihe seiner großen Geistesschöpfungen eröffnete. Der Ben — Ustel — Verein hat sich zur Aufgabe gestellt, das Verständlich der Werke und die Pflege dis Gustes unsers großen Meisters durch Vorträge des Herrn Direktor Dr. M. Hirsch bei der Mitgliedern des Vereins und dessen Freunden zu erhallen, resp. — zu erwecken. — Im abgelaufenen Vereinsjahre wurde das Interesse der Hörer durch Thillim - Vorträge sowie durch Ausführung folgender Themata auf das Regste gefesselt: „Das reine Menscheuthum im Lichte des Judenthums", ferner „die ethische Kultur und das Judenthum." endlich durch 2 Vorträge über „Aufgabe und Stellung der Juden gegenüber dem Antisemitismus". M. Niederbachheim, 10. Januar. Zu der in einer der jüngsten Nummern des „Israelit" enthaltenen Notiz „Mustervorstände der Gemeinde Gemmerich" betreffend bitte ich Sie höflichst, folgender Berichtigung Raum zu gewähren. Mein Sohn Carl Blum ist 1. Vorsteher, war aber an dem Sabbat des 21. Mai vorigen Jahres, als der *) Im Sinne der Artikelserie: Vorschläge zur Bekämpsung deS AnllsemitismuS. Vers. fragl. Scandal vorkam, auf Reisen, also an dem Vorkommniß ganz unschuldig. Bei seiner Anwesenheit würde es nicht geschehen sein. Er leitet den Gottesdienst in streng religiöser Weise und läßt nichts ungerügt, was nur im geringsten den Anstand verletzen könnte. Löb Heilbronn begleitet im Vorstand der Gemeinde nur eine ganz untergeordnete Stelle. Seli gmann Blum. Aurich, Mitte Januar. Eine glänzende Abfertigung hat der handwerksmäßige Antisemitenapostel Danneil am 5. d. M. durch H rrn Rabbiner Dr. Fink aus Aurich erfahren. D. wollte über den „Talmud im Judenthum und jüd. Kampfesweise sprechen." Nach seinen Ausführungen kö me man zwar die heurigen Juden nicht für alles, was i« dem 16 Bände staiken Talmud enthalten sei, verantwortlich machen. Dieser enthalte sogar manches Löbliche. Allein die furchtbare Waffe in den Händen der Juden sei der Schulchan Aruch, (!!!) den Karo zu Krakau abgefaßt und den die Rabbinersynode daselbst im Jahre 1868 als das unverbrüchliche Gesetz ausgegeben, nur dürfe ein Jude bei Vermeidung der Aechtung nichts gegen Christen davon verralhen. Sch. ar. gebiete Verhöhnung der christl. Kirche. Bernds: Der Jude I. hatte am Weihnachten geputzte Tannnenbäume im Schaufenster. Christen müsse man au^beuten. daher die übergroßen Reichihümer bei Juden. Moses Bleichlöoer — vor 50 Jahren Hausirer zu Krotoschrn — heute — d^ss n Nachkommen 9 Millionen stark. Da die reichen Inden nach den großen Städten drangen und die Communallasten der zurückbleibenden Bevölkerung überließen, so müsse man ihnen 50 pCt. des V rmögens abnehmen, um es zu 3 pCt. in der P-ovinzialbank flstzulegen. Mit wüstem Geheul trug er so in schnellem Trabe eine Anzahl angeblicher Gesetze vor, eins schrecklicher als das andere. Mit siegcsfroher Miene sich ntederlaffend, mochte er kaum ahnen, welch ein erbärmliches Ende seinem Vortrage warten sollte. Herr Dr. Fink erhob sich zu einer etwa zweistündigen Rede aus dem Stegreif. Schon seit 20 Jahren dem Talmudstudium obliegend, dachte er hier manchen unbekannten Aufschluß zu hören. Welche Enttäuschung für ihn, da D. von 16 Bänden des Talmuds sprach. Das sei für ihn die unumstößliche Gewißheit, daß er den Talmud noch nie gesehen. Der sogenannte Schulchan Aruch sei ihm nicht einmal dem Namen nach bekannt. Er konstatire feierlichst, D. könne nicht einmal hebräisch lesen. Auch die Probe sollte es handgreiflich beweisen. D. war nicht in der Lage, ein ihm vorgezeigtes hebr. Buch richtig zu benennen, noch nach vorheriger Aufforderung durch Herrn Rabb. Dr. Fink. eine Zeile nur zu lesen, geschweige zu übersetzen. Wenn er jüd. Kampfesweise vernichten wolle, so erlaube sich Dr. Fink zu fragen,

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