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Der Israelit · 1893-01-19 · Heft 6 (19.1.1893) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 6 (19.1.1893)
Date
1893-01-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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100 „Das Alles", meinte Pere.z Markbreiter vorwurfsvoll, „hätten Sie früher bedenken sollen, und es wundert mich, daß Sie es nicht qethan, Sie hatten ja mit dem Kerkermeister alles auf die kleinsten Einzelheiten genau besprochen!" „Sie vermöaen es eben nicht, sich in meine Lage zu versetzen! — Was in der Hand Fremder laa, das glaubte ich alles genau besprechen zu müssen, aber wo ich selbst in die Action einprtreten halte, da, — da glaubte ich Thor, mir alle Macht, alles Können Zutrauen zu dürfen, da glaubte ich überhebender Mensch, das Recht zu haben von Gott fordern zu dürfen, daß er mir für kurze Zeit — nicht eine Sekunde länger als für die Rettung mei nes Vaters nothwendig war, — ein endlos kleiner Theil seiner endlos großen Allmacht, seiner endlos großen Allw.'ssenheit verleihen möge — aber jetzt fiel mir die Sorge, wie Bergeslast auf die Seele, wie könnte ich allein das große Werk glücklich zu Ende zu führen? — allein dieser schweren Sorge wurde ich in unerwartetester Weise enthoben!" „In welcher?" frug Markbreiter eifrig, obwohl er wrssen mußte, daß auch ohne diese Frage, seine Neugierde in dem nächsten Momente befriedigt werden würde. „Ich habe es schon gesagt, ich wollte Deibels heimer für den Fall des Mißlingens nicht, in unser Unglück verwlck.ln, er sollte früher als die Entführung meines Vaters ftattfinden sollte, aus dem Laude gehen — und da ich mich seit meiner letzten Zusammenkunft ohne Nachricht von ihm befand, nahm ich auch an, daß er sich schon irgendwo, — wo? konnte ich nicht ahnen, in Sicherheit und Ruhe befände; da kam zwel Tage nach Winadors Brief ein Schreiben von Detdelsh''imer an. Es war mit jüdisch'r Cnrrentschrift geschrieben, aber es erschien mir zuerst vollkommen unverständlich, völlig ünnlos. Erst Tlgs darauf empfing ich die Aufklärung. Es langte ein zweiter Brief an, in welchem ich aber mch s anderes als einen Zettel fand, auf welchem zwe'mal in der gewöhnlich:n Reihenfolge von Alef beginnend mit Taf schli'ß nd, das zweitemal in umiekehrter Ordnung mit Tai beginnend und mit Alef schließend geschrieben stand. Ich erkannte daraus, daß Deidelsheimer in dem ersten Briefe sich jener Geheimschrift bedient hatte, wo statt des ersten Buchstaben des Alphabetes, der letzte, statt des zweiten, der vorletzte, u. s. f. gesetzt wird. — Ich erfuhr nun, daß der treue Mann in seiner beispiellosen Ergebenheit und Anhänglichkeit für uns, wohl seine Entlassung vom Markgrafen erlangt, auch seine Familie zu Verwandten außer Landes geschickt, daß er aber Ansbach erst gleichzeitig mit meinem Vater verlassen wolle, — und daß es ihm, wie er schrieb, nie eingefallen sei — zum Danke für die großen Wohlthaten, die er und die Seinen von uns empfangen, mich in der schwersten Stunde meines Levens zu verlassen. Ec schrieb, er sei während der ganzen Zeit mit Wuiador in geheimer Verbindung gestanden und werde mich am 18. November in einem außerhalb Ansbach, aber nahe an dessen G enze gelegenen Städtchen erwarten. Er habe schon für alles vorgesorat. er habe schon einen Wagen für uns gemielhet. Es sei dies, schrieb er weiter, vielleicht zum Theil der Wahrheit entsprechend, vielleicht um in seiner selbstverkleinernden Bescheidenheit den Werth seiner Bemühungen zu verringern, nicht so schwierig als ich mir dies vielleicht vorstelle. (Forts tzung folgt.) Der ,J»raelit" erscheint wöchentlich -zweimal, Montag« und Donnerstag«. jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel }U begehen dei E. F St ein ach er, Frippg, Dohptuh 18. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Lours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redactiou eingesandten Manuscripte« findet nicht statt, «an bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Kopie zuriickzubehalte«. Inhalt f Hauplblatt): Leuende Artikel: Eine Betrachtung zu Paiaichaih Bo. Bou S. Andorn-Err-felo. — Bo,ich äge zur Bekämpfung drs A»iifem,nsmus. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutfchland- Beilin. Old>ntu,rg. Hamburg. Xanten. — Frankreich: Paris. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Pest. Krakau. — Vermischtes. — Feuilleton: „Für stengunst". Erzählung von S. Kohn, Verfasser von Gabriel. Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Zur Kritik der Abwkhrbestrebungen. Von einem Germanen. — Zeitungsnachrichten u»d Eoriespondenzeu: Deutschland: Frankfurt a. M. Niedeibachheim. Aurich. Berlin. Inhalt der wifscnschafil. Beilage: Akabja. Von L. Großberg, Budapest. — Ueber die D'yn des Talmud. — Recension. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition deS „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Zoh. Wirth'fchen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilage».

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