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Der Israelit · 1893-01-19 · Heft 6 (19.1.1893) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 6 (19.1.1893)
Date
1893-01-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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99 fortvegetirte, schwoll unfern Talmi-Polen wieder der Muth. Wäre es denn nicht eine Schmach gewesen, sich die Gelegenheit, „patriotische" Reden zn halten und den Chasüdim einen Faustschlag zu versetzen, entgehen zu lassen? Ein Spcctakelstück mußte, da es gefahrlos war, aufgeführt, die feierliche „Eröffnung", wenn auch lange post kastum, durchgesetzt werden. — Bei Zusammensetzung der Local-Comites, bei der Gründung der Schulen hat man Alles aufgeboten, die Bevölkerung zu reizen und ihr Mißtrauen zu steigern. Selbst schulfreundliche Gemeinden, welche um eine Stisrungsschule schriftlich gebeten und zu einer ausgiebigen Subvention bereit waren, haben sich schließlich zurückgezogen, als man in die Local-Comttes entweder ausschließlich talmipolnische Fanatiker oder Wahlmacher berief. Und die Leidensgeschichte der Schule in Stanislau, die unter der Verwaltung der Allianz erfreulich prosperirte und glänzende Resultate aufwies, in der Sttftungsaera aber Gegenstand der feindseligsten widerspruchsvollsten Experimente geworden — bald will man die Classen reduciren, bald einen, bald zwei hebräische Lehrer abschaffen — läßt beinahe die Vermuthung zu, es gälte die Stiftung ad absurdum zu führen. Oder wußte man nicht, daß gerade Schulsachen die zarteste Behandlung fordern, weil besonders auf dem Schulgebiete die religiösen Leidenschaften am heftigsten aufeinanderstotzen? Und nach alledem wundert man sich über die in Galizien gegen die Stiftung herrschende Aufregung. Bei uns können nur aus Liebe, unter wirklicher Schonung der religiösen Gefühle gegründete Schulen gedeihen und Bestand haben, das hat die Allianz gezeigt. vermischtes. Myslowitz, 15. Dezember. Der hiesige Talmud-Thora- und Bekleidungs-Verein veranstaltete heute Abend in den Sitzungsräumen der hiesigen Synagogen--Gemeinde eine Chanukafeier, in der auch 17 arme Kinder mit warmen Kleidern beschenkt wurden. Herr Rabbiner Dr. Jaffe hielt an die Kinder eine zu Herzen gehende und für deren Fassungsgabe berechnete Ansprache. b. rMogan, 2. Jannar. Vor einiger Zeit stand der bekannte Antisemit Rittergutsbesitzer Dr. Willibald Bernhard H e n t sch el aus Mittel-Riffersdorf wegen Beleidigung eines Polizeibeamten vor dem Freistadter Amtsgericht. Vor Eintritt in die Verhandlung lehnte der Angeklagte den einen der Schöffen, den jüdischen Fabrikbesitzer Sandberg ab, weil er sich als Antisemit von einem Juden nicht aburtheilen lasten wolle. Als H. nach Ablehnung seines Antrages zu 50 M. Strafe verurtheilt war, legte er dagegen Berufung ein, gab aber dem Vorsitzenden der hiesigen Strafkammer sein Unrecht zu und erklärte nur deßhalb den Rekurs angemeldet zu haben, um evvon christlichen Richtern verurtheilt zu werden. Der Gerichtshof gab seiner Bitte, um Milderung der Strafe statt und reduzirte sie auf die Hälfte. Hachenburg (Naffau), 17. Jan. Unser Cultusvorsteher Herr B. Bernstein von hier wurde einstimmig zum Stadtrath gewählt und gestern vom Landraihsamt vereidigt. Gewiß ein Zeichen, daß der Antisemitismus kein Boden gefunden hat. Homburg v. d. Höhe, 16. Jan. Herr Rabbiner Dr. Kottek hielt am Mittwoch den 14. Januar im hiesigen Club „Freundschaft" die Fortsetzung seines schon im vergangenen Jahre begonnenen Vortrages über „Die Vergangenheit der jüdischen Gemeinde der ehemaligen Landgrafschaft Hessen Homburgs." Der Vortragende behandelte die inneren Verhältnisse der Gemeinde, und zwar sprach er über die Entwickelung des Vorstandes, über den Friedhof und die Synagoge. — Dem Herrn Redner wurde bei Schluß, der den Mitgliedern des Vereines und der in größerer Anzahl erschienenen Gäste einen ferneren Bortrag in Aussicht stellte, lebhafter Beifall zu Theil. □ München, 5. Januar. (Statistisches.) Den amtlichen Berichten über die Bewegung der Bevölkerung im Königreich Bayern vom Jahre 1891 entnehmen wir folgende Bemerkungen bezügl. der Eheschließungen nach dem Religions-Bekenntnisse. Katholische Männer mit israel. Frauen 2, protestantische Männer mit israel. Frauen 8, israelitische Männer mit kathol. Frauen 10, israelitische Männer mit protestantischen Frauen 5, israelitische Männer mit israelitischen Frauen 377, israelitische Männer mit Frauen sonstiger Religion 1. 2. Schroda, 6. Januar. Hier starb nach schwerem Leiden im 67 Lebensjahre Herr Raphael Laiser Holzback, welcher lange Jahre hindurch Mitglied des Repräsentanten-Collegiums und des Vorstandes und insbesondere langjähriger Vorsteher der Chewra-Kadischa war. Der Verstorbene zeigte in der Ausübung seiner verschiedenen Aemter einen seltenen Pflichteifer und stets einen gottesfürchtigen biederen Charakter; er war ein Mann, der gern und oft Wohlthätigkeit übte. 2. Kriewen. (Prov. Posen), 6. Januar. Am 31. Dezember v. I. begingen die Sa ul S ch lam m'schen Eheleute die Feier ihrer gold enen Hochzeit. Dem ehrenwertsten Jubelpaare wurden aus diesem Anlaffe zahlreiche Aufmerksamkeiten erwiesen. St. Petersburg, Der Korrespondent des „Standard" telegraphirt von hier: Das Resultat der Konscription für 1892 ergab 904,566 Mann, die das nöthige Alter und die erforderlichen Eigenschaften besitzen. Außerdem 89,692 Mann von früheren Jahren. Also im Ganzen 994,2^8 Mann. Unter diesen sind 796,^39 Christen, 5L 248 Juden, 30,392 Mohamedaner und 1276 Heiden. Paris. Unser Glaubensgenosse, der Director der Sternwarte, Herr Lö wi, ist zum Vice-Präsidenten der Akademie der Wissenschaften ernannt worden. Feuilleton. „Fürstengunst?' Erzählung von S. Kohu, Verfasser von „Gabriels Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. <45. Fortsetzung.) „Auf diese Leiter muß ein kräftiger, gewandter Mann emporsteigen und Ihren Vater am Dachfirst

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