Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 6 (19.1.1893)
- Date
- 1893-01-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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97 Antisemitismus, ein von Herrn Bebel vergessenes Kapitel" sprechen wird. An den Vortrag schließt sich eine freie Aussprache an. Hoffentlich sind unsere Glaubensgenossen am Platze, um dem gewerbsmäßigen Talmudverleumder gehörig heimzuleuchtcn. Xanten, 13. Jan. Der Bildhauer Heinrich Wesenwup wurde in der heutigen Sitzung des ScLöffengcrichts Hierselbst wegen Verlassend seiner Kinder und wegen falscher Anfertigung eines Fähigkeit Ältestes zu einer Haft von vier Wochen verurtheilt und erkannt, daß er nach verbüßter Haft der Landespoltzeibehörde zu überweisen sei. Während der Verhandlung hob der Amtsanwalt, Herr Dcvers, laut der „Rh.- und R.-Ztg." zur Berichtigung der vielen falschen Nachrichten im Publikum ausdrücklich hervor, daß es sich vorliegend eben nur um die obengedachten Uebertretungen handle und die Verhaftung des Angeklagten ei folgt sei, weil er trotz mehrfacher Vorladung in früheren Terminen nicht erschienen sei. Andere Gründe hätten bei der Verhaftung absolut nicht Vorgelegen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pest. Wie man von hier meldet, ist die Vorlage über die Rezeption der israelitischen Religion in Ungarn vom König Franz Josif genehmigt. Sie enthält drei Punkte. Im ersten Paragraph wird die israelitische Religion gesetzlich anerkannt; der zweite bestimmt, daß die Gesetze, welche den Uebertritt regeln, auf die israelitische Religion ausgedehnt werden; durch den dritten wird mit Durchführung des Gesetzes das Ministerium betraut. Frankreich. Paris, l l. Jan. Man kündigt das Erscheinen eines neuen Antisemite, blartes „La Dellvrance" unter Marquis Morös Leitung an. Rußland. Krakau. Der „Oesterr. Wochenschr." wird nachstehendes über das Krakauer Exccutiv Comit der Baron Hirsch-Stiftung berichtet: Durch die Tagesblätter ging jüngst ein Bericht über die Stiftung, in welchem zu lesen war, daß das Krakauer Ex. cutiv Comste durch taktvolles Vorgehen und Schonung der religiösen (l efühle die Schulfeindlichkeit der orthodoxen Juden besiegt habe. — Wir sind nicht in der Lage, diese etwas aufdringliche Mittheilung auf ihre Stichhaltigkeit zu prüfen, da wir die bezüglichen Zustände West aliziens nur obenhin kennen; wie aber das hiesige Execuiiv- Comilö „die Schonung der religiösen Gefühle" übt, das mag nur eines von den vielen Beispielen tllustriren In Rawa ruska sollte, wo es wirklich dringend Noth that, eine Stiftungsschule gegründet werden. Man begann damit", so berichtete hier treulich ein angesehenes, aus dem aufgeklärten Brody stammendes, fortschrittlich gesinntes Rawaer GemnndrmttgÜrd, „datz smux unter der Aegide des Bezirkshauptmannes, in dessen Hände die für die Chassidim K.nder zu eröffnende Schule gelegt werden sollte, eine Versammlung von Mitgliedern der CultuSgemeinde einbernf. ES fielen hier ganz unparlamentarische Worte; aber schließlich erklärte selbst der Rabbiner, gegen die geplante Schule nichts einwenden zu wollen, insofern man in dem Lehrprogramm den hebräischen Unterricht nicht aufnehmen würde, für diesen Unterricht nämlich, der ihr heilig sei, werde die Gemeinde schon selbst sorgen. Aha, dachten die Macher des Exccutiv- ComitöS Ihr sträubt Euch gegen unseren hebräischen Unterricht, Ihr sollt ihn justament haben, und ertheilen soll ihn ein bei Euch nicht gut ungeschriebenes Jndividiuum: denn nicht den Chassidim zu Liebe, sondern ihnen zum Trotze gründen wir Schulen. So engagirten sie für den hebräischen Unterricht einen jugendlichen, stadtbekannten Bummler, deffen Religiosität von conservativer Seite arg bemängelt wird, der aber das große Verdienst für sich in Anspruch nimmt, neben dem Jargon auch des polnischen Idioms mächtig zu sein. Daran nicht genug. Die Aufsicht und Verwaltung der Schule überliefert man einem jüdischen Advocaten. der vom Judenthum nichts mehr weiß, zum Schulocale miethet man, während ein Rawaer Bürger sein am Ringplatz gelegenes Haus mit geräumigen und lichten Zimmern um einen annehmbaren Preis anbietet, einige finstere, tief gelegene, für eine Schule ganz und gar unbrauchbare Löcher um theu-res Geld; aber sie haben einen großen Vorzug: sie befinden sich in dem Hause, wo der Rabbiner wohnt, und man gründet doch nicht Stifrungeschulen den Chassidtm zu Liebe, sondern ihnen zum Trotze. — Aber dessenungeachtet zögerte man lange Mit der Eröffnung der Schule, aus Farcht vor der erbitterten Bevölkerung, die man mulhwillig aufgereizt: Denn auch der Heldenmuth unserer FonschrtttS-Tartüffe hat seine unübersteiglichen Grenzen. Er strahlt im Hellen Glanze da, wo nichts zu befürchten steht; vor einer geballten Faust aber verkriecht er sich in'S Mauseloch." Endlich wurde die Schule mit einigen nackten und von Hunger verzehrten Knaben, denen man — was eine große Wohlthat war — mit completer Bekleidung und Bespeisung entgegenkam, eröffnet; jedoch gegen alle Tradition still und geräuschlos. Da aber der gefürchtete Slurmesausbruch ausblteb und die Schule durch mehrere Wochen unangefochten