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Der Israelit · 1893-01-19 · Heft 6 (19.1.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 6 (19.1.1893)
Date
1893-01-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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96 jetzt schon bilden und in nächster Zeit wohl immer zahlreicher bilden werden, haben hauptsächlich den Zweck, die Arbeiter zur künftigen selbstständigen Leitung der Plodukkionsangelegenheiten zu erziehen, das HE: einen tüchtigen Stamm von Arbeitern heranzubilden, die dann erziehlich und vorbildlich auf weitere Arbeiterkreise einwirken und künftig ein hier gar werihvolles Material für die soziale Neuordnung sein werden. Es wäre geradezu merkwürdig, wenn unsere jüdischen Mitbürger, die doch sonst einen so ausgeprägten W'rkl'chkeitssinn besitzen, dies Alles bei reiflichem Nachdenken nicht als berechtigt anerkennen sollten. Thun sie das aber, sehen sie ein, daß wir an der Schwelle einer neuen Zeit stehen, dann können auch sie endlich zur Eroberung des Rechtes auf Arbeit schreiten, das in einer besser organisirten Gesellschaft kein leeres Wort mehr sein und keinen almosenartigen Beigeschmack mehr haben wird. Dann können auch sie ihren Antheil verlangen an der nationalen Gesammtarbeit, die allein jede Kluft überbrückt und alle Unterschiede beseitigt. Darum sollten schon jtzt jüdische Eltern darauf bedacht sein, ihre Kinder einen Beruf lernen zu lassen, der es ihnen in Zukunft ermöglichte, sich nach Kräften nützlich zu erweisen, innerhalb des Rahmens der allen gemeinsamen Obliegenheiten. Es ist ein geradezu unnatürlicher Zustand der Dinge, daß durch die Schuld einer intoleranten, in Borurtheilen b fangenen Vergangenheit die Juden von der produktiven Arbeit so gut wie ausgeschlossen wurden. Wenn bet irgend einem Volke, so stand bei den Juden die Arbeit hoch in Ehren, als sie noch in ihrem eigenen Lande lebten und fremder Bedrückung den Nocken noch nicht zu beugen brauchten. Man lese nur die Sprüche Salomonts zum Lob und Preis der Arbeit. Es unterliegt daher keinem Zweifel, daß die Juden mit Freuden die erste sich ihnen darbietende Gelegenheit wahrnehmen werden, in großen Massen in die Reihen der produktiv Arbeitenden einzutreten, sobald ihnen die Gewähr dafür geboten wird, daß die Arbeit auch wirklich ihren Mann wieder anständig und auskömmlich zu ernähren im Stande ist. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 9. Januar. Die „Tägliche Rundschau", ein Blatt, welches angiebt, unter neutraler Flagge zu segeln, enthüllt sich von Tag zu Tag mehr als ein antisemitisches Organ. So enthält die Nummer vom 7. Januar einen Artikel mit der Ueberschrift: „Warum braucht der Bauer den Handelsjuden als Vermittler?" Der Aufsatz wird nur durch den Umstand, daß sich die Redaktion der „T. R." durch seine Aufnahme zu den gleichen Anschauungen bekennt, beachtenswerth, und darum wollen wir einige bemerkenswerthe Geständnisse, die derselbe enthält, hier registriren. So heißt cs einmal : „Der Bauer macht sich kein Gewissen daraus den Juden hinter das Licht zu führen, und nichts freut ihn so sehr und so aufrichtig, als einen Juden hinemgelegt zu haben." Von dem sittlichen Standpunkte, den der Autor einnimmt — legen folgende Proben Z'ugniß ab: „Es ist ebenso nützlich, gegen die eigenen Volksgenossen aufrichtig und gut, wie es nothwendig ist, gegen Fremde oder Feinde mißtrauisch und hinterlistig zu sein." Ferner: „Es ist begreiflich, daß auch der Jude sich mit Liebe und Aufrichtigkeit nur an seinesgleichen hält, und daß er im Verkehr mit unseren Bauern ungefähr die Grundsätze anwendet, die einer tiefstehenden Rasse gegenüber am Platze sind und die von uns selbst etwa gegen die Schwarzen in Afrika geübt werden." Was würde man auf antisemitischer Seite dazu sagen, wenn wir nach deren Taktik verfahren und diese Sätze als Proben christl ich e r Stttenlehre ausgeben würden? Berlin, 10. Jan. Gegen die Wahl Ahlwardt's zum Reichstage ist eine große Zahl von Protesten eingelanfen, die Akten sind daher von der betreff.nden Abteilung des Reichstags an die Wahlprüfungskommifsion zur Berichterstattung überwiesen worden. Am Sonnabend wurde in Oldenburg eine interessante antisemitische Volksversammlung abgehalten. Der Redner war em Dr. Danneil aus Bielefeld. In der zeitweise sehr stürmischen Diskussion machte nämlich ein Redner die Mittheilung, für die er sich vollständig verbürgen wollte, daß Dr. Danneil einem Juden gegenüber, den er aber wohl für einen Rittergutsbesitzer gehalten habe, gcäußert hätte, mit dem Antisemitismus sei nichts zu machen; wenn er einmal den Rcdaktionsposten einer freisinnigen Zeitung erhalten könne, so würde er den Antisemitismus an den Nagel hängen. Diese Eröffnung rief große Sensation hervor. Dr. Danneil wies die letzte Behauptung allerdings als „perfide Lüge" zurück. Es wäre doch interessant zu konftatiren, wer die Wahrheit gesprochen hat. Hamburg, 13. Januar. Der hiesige „Antisemitische Wahlverein von 1890" veranstaltet am Donnerstag, 26. Januar, Abenos, 9 Uhr im großen Saal des „Conventgartens", Neust. Fuhlentwiete 59/62 eine Versammlung, in welcher Liebermann von Sonnenberg über: „Sozialdemokratie und

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