Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 5 (16.1.1893)
- Date
- 1893-01-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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-ii u.1l. i. ' „u.y 86 Da die Versöhnlichkeit und die Einigkeit in der Gotteslehre von der höchsten Bedeutung sind, so gehört es auch zu dem hervorragendsten Beruf des geweihten Priesters, des geheiligten Gottesdieners allenthalben Frieden zu stiften. Deshalb wird auch bei dem ersten Hohepriester, bei Aron, keine andere Tugend so viel gerühmt als seine Liebe zum Frieden. Als Aron starb, da beweinte ihn das ganze Haus Israel. Hiezu bemerkt Raschi z. St.: es betrauerten ihn die Männer und auch die Frauen, weil Aron friedlich, versöhnend und einigend wirkte zwischen Streitenden und zwischen Mann und Weib. (Sanhedrin 6 d)*°). Dieser Vater des Priestergeschlechtes wird nicht nur jedem wahren Pr iester Gottes als edles Vorbild hingestellt, sondern als Lehrer für jeden anempfohlen und es ist geboten sich in liebevoller Friedfertigkeit als Ar ons Schüler zu erweisen. (Aboth 1)"). (Fortsetzung folgt.) Zeitrrngsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Berlin. Das vom freikonservativen Abgeordneten Dr. Arendt herausgegebene „Deutsche Wochenblatt" enthält in Nr. 51 einen beachteuswertheu Artikel aus der Feder des bekannten Politikers, des Bimetallisten v. Kardorff, in dem er seinen Standpunkt zur antisemitischen Bewegung klarlegt. Obgleich dieser dem Judenthume gegenüber durchaus keine Voreingenommenheit an den Tag legt, was aus seinen Ausführungen deutlich genug ersichtlich ist, so kann er doch dem jüdischen Stamme eine hohe geistige Begabung nicht absprechen; ja er hält es sogar für nöthig, daran zu erinnern, daß, wenn man schon alle Beschuldigungen dem Judenthume gegenüber unterschriebe, man doch daran nicht vergessen sollte, daß das jüdische Volk dereinst das auserwählte war. Daran, daß der Antisemitismus seine heutige Ausdehnung erlangen konnte, hat nach Herrn v. K. nicht zum wenigsten die Presse Schuld, der liberalen macht er den Vorwurf, daß sie zu provocatorisch wäre, der antisemitischen wiederum, daß ihre Tonart ihrer Gegnerin gegenüber durchaus nicht zurückstände. Herr v. K. kommt in seinen weiteren Darlegungen auf die Undurchführbarkeit der antisemitischen Forderungen zu sprechen und meint dazu, daß jeder, der es aus irgend einem Grunde für ange,zeigt hielte, dazu Stellung zu nehmen, sich doch erst über deren Couqnenzen klar machen sollte. nix p d^p d’pdi Dftp *pm □ftp ums pnx (10 . (zry , pp piruD) rrarft sniN Dftp pni Dftp ums pnt* ^p vtd^tid ’in (ii .('n ps> niDN) nnan as Denn gesetzt der Fall, eswürdevon der Regierung unterstützt von den Conservativen im Landtage ein Antrag eingebracht werden, die Israeliten von der Richterstelle auszuschließen, würde man damit nicht ein Preußen II. Classe schaffen, das zwar dieselben Steuern zu bringen hätte, aber doch lange nicht gleichberechtigt wäre? So fragt Herr v. K. ganz richtig und diese Frage soll wohl offenbar an seine conservativen antisemitischen Freunde gerichtet sein. Und man sollte doch nicht etwa glauben, so meint Herr K. weiter, daß ein echter Antisemit damit zufrieden sein könnte — nein als solcher muß er 1 verlangen, daß die Juden von allen Kommunal- und 8 Staatsämtern ausgeschlossen, vom Militärdienst befreit, als Fremde betrachtet, dafür wieder mit Extrasteuern belastet werden müßten und wenn sie selbst wieder in Ghettis gesperrt und in Zwangstracht gekleidet würden, ein echter Antisemit wird dabei nicht stehen bleiben können, sondern er müßte conscquenter Weise die Vertreibung der Juden verlangen. Auch dabei wird er keinen Halt machen können, er müßte verlangen, was ja die antisemitische Presse immer wieder betont, daß dieselben Maßregeln auch auf die getauften Juden angewandt würden und schließlich würde, auch jeder Christ, in dessen Aderen auch nur ein Tropfen semitischen Blutes entdeckt werden wird, den gleichen Maßregeln ausgesetzt sein. Herr v. K. zieht daher die Conscquenzen, daß der Antisemitismus zur Verwirrung aller Nechtsbegriffe führen müßte und daß diese Bestrebungen einen starken Beigeschmack von sozialistischem Anarchismus besäßen, und um so bedenklicher hält es Herr v. K., wenn von konservativer Seite denselben auch nur die geringste Concesston gemacht werden würde. Ob die conservativ-antisemitischen Freunde des Herrn v. K. durch seine hauptsächlich wohl an sie gerichteten Mahnworte sich eines besseren besinnen und sich nun von dem Antisemitismus lossagen werden, da derselbe, wie Herr v. K. mit Recht sagt, zur Verwirrung aller Rechtsbegriffe führen muß und einen starken Beigeschmack von sozralistlschem Anarchismus besitzt, das wird die Zukunft lehren; jedenfalls ist es erfreulich, daß man in immer weiteren Kreisen die Gefahren des Antisemitismus für Sraat und Gesellschaft zu erkennen beginnt. I. Berlin. Auf Grund eines Berichts des Herrn Rabbiner Dr. Deutsch in Burgpreppach an die Kgl. bairische Regierung glaubte sich die „Kreuzztg." zu dem Schluß berechligt, es gebe keine maßgebenden jüdischen Religionsbücher. Das „Berl. Tagebl." partrt den Hieb ungeschickt, indem es behauptet, wenn auch ein einziger Leiter einer Präparanden-