Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 5 (16.1.1893)
- Date
- 1893-01-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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83 er seine Sohnespflicht erfüllen will, nicht verderben lassen — und meine Mutter entschloß sich, sich in das zu fügen, was ihr als das Nothwendige dargestellt wurde." „O! ich habe das Gottvertrauen Ihrer Schwester und die wunderbare Macht ihrer Trostworte, schon als ich sie das Erstemal erblickte, kennen und bewundern gelernt!" rief Perez Markbreiter. „Ich ergriff nun alle Maßregeln, die mir in unserer Lage nothwendig erschienen. Ich behielt hunderttausend Gulden baares Geld bei mir; ich — bedurfte für den Kerkermeister und dessen Gehilfen eine große Summe und wollte für alle Fälle einen großen Betrag bei mir führen, unser gesummtes andere Vermögen aber deponirte ich bei dem königlich polnischen und kurfürstlich sächsischen Generalproveditor und Hofagenten Jonas Meyer in Dresden, einem redlichen, verläßlichen Manne, dann fuhr ich vorläufig zu einer Besprechung mit dem Keikermeister Winador, nach dem Ansbach'schen. — Deidelsheimer hatte alles aufgeboten, um die Gefahr einer vorzeitigen Entdeckung zu vermindern. Wir, Deidelshein.er, der Kerkermeister und ich, kamen mitten in der Nacht, in einem ganz einsam gelegenen, verfallenen Forsthause zusammen. Winador zählte zu jenen Menschen, wie man sie in unserer Zeit häufig unter alten ausgedienten Soldaten findet. Er hatte seine Eltern fast gar nicht gekannt, war nie verheirathet gewesen und stand bloß mit seinem altern Bruder in Ungarn, zu dem er auch zu ziehen beabsichtigte, in Briefwechsel. Er hatte unter den verschiedenen Fahnen gedient, hatte aber, wenn er regelmäßig Sold erhielt, eben so eifrig für jene gekämpft, denen er wenige Wochen zuvor als Feind gegenüberstand, als für jene, die er vor Kurzem verlassen. Er war gewohnt für ganz geringes Geld, für eine Sache, die ihn gar nicht interessirte, sein Leben einzusetzen, um so mehr, that er dies da, wo er ein Vermögen gewinnen konnte, in dessen Besitze zu gelangen, er in den kühnsten seiner Träume nicht gehofft. Er hatte das Unternehmen sehr reiflich durchdacht und erwogen und seine Ausführungen haben meinen Muth, der zuweilen angesichts der Schwierigkeiten, die sich der Erreichung meines Zieles entgegenstemmten, zu sinken begann, immer wieder gehoben. Er hatte einen, mit einigen Strichen entworfenen Situationsplan des Mauerthurms mitgebracht, wclche genau der Wirklichkeit und der Beschreibung, die Deidelsheimer von diesem gegeben, entsprach. Ihr Vater, begann er seine Auseinandersetzungen, sitzt in der am höchsten Punkte befindlichen Zelle, die einen hervorspringenden Erker bildet. Der kleine, niedrige Raum empfängt das spärliche Licht durch eine Oeffnung im Dache. Ihr Vater ist nicht nur an Händen und Füßen gefesselt, sondern überdies durch einen um seinen Leib gelegten eisernen Ring an die Kerkerwand geschmiedet. Die Zelle ist so niedrig, daß der Gefangene nicht aufrecht stehen kann und daher fortwährend eine gebückte Stellung einnehmen muß. Er ist dadurch und auch weil er hartnäckig die Annahme jeder Speise, außer trockenes Brod, verweigert, während der Zeit seiner Gefangenschaft so schwach und hinfällig geworden, daß er mit seinem langen, schneeweißen Barte und seinen verfallenen Zügen, wie ein hundertjähriger Greis aussieht. Ich sage das bloß, um zu erklären, daß der schwache Greis selbst nicht das Allergeringste zu seiner Befreiung thun kann, daß er, des Gehens ungewohnt, nicht einmal auf seinen eigenen Füßen den Kerker verlassen kann und aus diesem herausgetragen werden muß, das aber wird große Schwierigkeiten bieten. Von der vierten bis zu der fünften Etage befindet sich keine Stiege, nur ein leerer Raum, wenn ich oder meine Gehilfen hinauf gelangen wollen, müssen wir uns hierzu einer Strickleiter bedienen. Allein, auch wenn der Gefangene nicht ein schwacher Greis, sondern ein kräftiger Jüngling wäre, der, wenn seiner Feffeln ledig, durch einen Sprung, durch einen leeren Raum auf die Treppe des vierten Stockwerkes gelangen könnte, ja, wenn er unbehindert die ganze Stiege herunter käme, könnte er sich doch aus dem Grunde nicht aus dem Thurme entfernen, weil sich im Erdgeschosse die Wachtstube befindet, in welchem sich fortwährend ein Lieutenant, ein Feldwebel, zwei Korporale und einundzwanzig Soldaten befinden. Alle diese bestechen zu wollen, wäre ebenso vergeblich als gefährlich, jeder Einzelne müßte befürchten von den andern denuncirt zu werden. Ueberdies bietet der mißtrauische Markgraf alles auf, eine Flucht aus dem Mauerthurme, hauptsächlich jene Ihres Vaters, unmöglich zu machen. Der abergläubische Mann ist überzeugt, Ihr Vater sei nur so lange seiner Macht über die Geister beraubt, als er den eisernen Ring um den Leib habe und über Wasser schwebe und er würde seine wiedergewonnene Macht dazu benützen, ihm alles Unglück, alle möglichen Gebreste, einen langsamen, schmerzhaften Tod anzuwünschen. Er läßt daher die Wachmannschaft sehr oft und ohne vorhergehende Anzeige wechseln. Es kommt häufig vor, daß wir mitten in der Nacht durch heftiges Klopfen am Thurmthor aus dem Schlafe geweckt werden und vor dem Thor ein Offizier mit einem Trupp Soldaten steht, welcher die Wache abzulösen hat. Endlich muß ich noch hinzufügen, daß der Mauerthurm mit seiner Rückseite an die Schwabach stößt und die Rückwand gar kein Fenster oder irgend eine andere Oeffnun Nach dieser Ol.'t.llll f.U