Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 4 (12.1.1893)
- Date
- 1893-01-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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64 zuweilen auf seiner Stube besuchte, wo sie Karten spielten, manchmal um jeden Verdacht zu zerstreuen, einen Unteroffizier der Wache dazu luden. — Daß Deidclsheimer nach der Flucht des Vaters nicht länger in Ansbach verweilen konnte, ohne sich der größten Gefahr auszusetzen, lag auf der Hand und er war daher entschlossen, schon früher seine Familie außer Landes zu schicken, nur bis zur Rettung meines Vaters, an der er sich persönlich betheiligen wollte, zu bleiben, dann aber gleichzeitig mit diesem Ansbach zu verlassen; ich aber modificirte seinen Plan. Ich sagte ihm, daß wohl ich als Sohn die Pflicht habe mein Leben zur Erlösung meines Vaters einzusetzen, daß ich aber nicht von ihm ein gleiches Opfer in Anspruch nehmen dürfe, daß ich ihn au der Rettung meines Vaters nicht persönlich theilnehmen lasse, sondern darauf bestehe, daß er schon einige Wochen, bevor, voraussichtlich, unser Plan zur Ausführung gelangen sollte, vom Markgrafen seine Entlassung erwirke und sich anderswo in Deutschland, bei einem der vielen winzig kleinen Reichs-Fürsten, Mederlassungsrccht erwerbe, wobei es selbstverständlich sei, daß ich ihm das Abzugsgeld an seinen gegenwärtigen Landesfürsten, die Aufnahmsgebühr, die er an dem neuen zu zahlen habe, ersetzen werde. „Ich kam mit Deidelsheimer überein, daß ich in einigen Tagen heimlich nach Schwabach kommen würde, wo er mich mit dem Kerkermeister gekannt und ich mit diesem den Plan zur Flucht in allen Einzelheiten besprechen würde." „Wußten Ihre Mutter und Ihre Schwester, um Ihre Verhandlungen mit Deidelsheimer?" frug Wertheimer. „Es war dies nicht zu vermeiden. Die klugen Frauen konnten sich über den Zweck seiner Anwesenheit in Harzgerode nicht täuschen, auch war die zu besprechende Angelegenheit von so großer Wichtigkeit, daß ich hierbei des Rathes und auch der Zustimmung meiner Mutter nicht entbehren mochte." „Konnten Sie denn an der Zustimmung Ihrer Mutter einen Augenblick zweifeln?" frug Perez Markbreiter. „Gewiß!.Während meine Mutter eS früher nicht erwarten konnte, daß irgend ein Schritt zur Rettung des Vaters unternommen würde, — war sie jetzt, als unser Plan zur Ausführung reifen sollte, zaghaft geworden — und es erschien dies, wenn die Angelegenheit von allen Seiten erwogen wurde, auch begreiflich. Es war sehr zweifelhaft, ob der Rettungsversuch gelingen werde, mißlang er aber — dann war auch mein Schicksal besiegelt und Mutter und Schwester hatten nicht nur den Gatten und Vater verloren, auch der Sohn und Bruder war einem furchtbaren Loose verfallen! Bei einer Unterredung, die wir mit Deidelsheimer pflegten und bei welcher sich die große Gefährlichkeit meines Wagnisses, deutlich herausstellte, war ihre heiße Mutterliebe in Heller Lohe emporgeschlagen und sie stieß plötzlich die Worte aus: Nein, nein, mein Sohn, das kann ich nicht gestatten! Jst's nicht genug, daß mein Gatte im Kerker schmachtet!! Lommo eschkal gam schnecbem jora echod!? Z .Ich kenne Deinen edlen Vater; wüßte er um Dein tollkühnes Vorhaben, er würde Dir's, ebenso wie ich verbieten!" „Ich bin selbst Vater, ich kann das, was Ihre Mutter fühlte, begreifen", sprach Wertheimer und wischte sich eine Thräne aus dem Auge. (Fortsetzung folgt.) 1) Warum soll ich Eurer Beiden an einem Tage beraubt werden. Gen. Cap. 27, V. 43. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel }ü bestehen bei Cf. $. Steinacker, -eipstg, Uoßptatz 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich l4 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redactio« eingesandten Mannscripte« findet nicht statt, man bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Kopie zurückznbehalten. Inhalt <qx>auprdlatt): Leuender Anltel: Wetlsrude und Jubenlhum. Bon Navvlner ^emrich Gatandauer UI Sodorlen (Böhmen). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Aus Baden. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Frankreich: Paris. — Feuilleton: „Fürstengunst". Erzählung von S. Kohn, Verfasser von Gabriel. Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Vorschläge zur Bekämpfung des Antisemitismus. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin, Lauten. Germersheim. Aus Eisenach. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Prag. — Frankreich: Paris. Inhalt der zweiten Beilage: Literarische Notiz. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Vermischtes. _Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse._ Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu drei Beilagen.