Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 3 (9.1.1893)
- Date
- 1893-01-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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50 der ihnen zukommenden Stellung von 'allen Seiten erringen. — H albheit und Schwäche wären das Verkehrteste, was die Juden unserer Zeit an den Tag legen dürfen. Hochachtend H. R. Zeituugsuachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Berlin. Eine drollige Geschichte wird dem Ulk aus dem Wahlkreise Frtedeberg-Arnswalde mitgetheilt: Ein jüdischer Hausirer bietet einem mit ihm seit Jahren bekannten Bauer Kleidungsstücke zum Kauf an. Der Bauer aber sagt kurz: „Jk köw von Di nich mehr." Der Hausirer fragt erstaunt nach dem Grunde. „Ja", sagt der Bauer, „ick bin sit gestern Antisemit geworden." „So?" sagt der Hausirer, „da mot ick Di natürlich wat anneres vorwiesen." Er öffnet einen zweiten Packen und sagt: „Do hew ick hier echt antisemitische Hosen, die kannst Du ruhig köpen." Das leuchtete dem Bauer ein und er kaufte für sich und seine beiden Söhne gleich auf einmal drei Paar echte Autisemiten- Buxen. Damit hat er sein Gewissen beruhigt. ^Berlin, 5. Januar. Wir werden um Aufnahme der folgenden Berichtigung ersucht: f*rj In der Nr. 101 Ihrer Zeitschrift vom 22. Dec. 1892 (Jahrgang XXXIII) findet sich in einem aus Fürstenwalde datirten Artikel folgende Stelle: Der genannte Antisemitenführer ist der Sohn eines getauften Juden (natürlich!) und hat einen ganzen Wagen voll Berliner Radau Antisemiten mitgebracht, die während des Vortrags sich ruhig verhielten, aber nach den Ausführungen ihres Leiters den ersten Redner nicht mehr zu Worte kommen ließen. Demgegenüber habe ich zu berichtigen, erstens, daß unter meinen sämmtlichen Vorfahren sich niemals ein Jude befunden hat, sondern lauter Christen, mein Vater also auch nicht ein getaufter Jude sein kann, zweitens, daß ich ganz allein von Berlin nach Fürstenwalde gekommen bin, also keinen ganzen Wagen voll Radau-Antisemiten mitgebracht haben kann. Alexander Berg, Schönebcrg b. Berlin. Wir müssen cs unserem Correspoudenten überlassen, sich hierüber des Weiteren zu äußern. Derselbe kennt vielleicht den „Stammbaum" dieses Berg besser als dieser selbst. Hamburg, 25. Dezember. Eine erhebende, echt-jüdische Feier hat ani Sonntag y"D in der hiesigen Synagoge der 'bt rWa pn zu Ehren des Herrn I. A. Levi, der an jenem Tage sein 80. Lebensjahr vollendete und in den orthodoxen Kreisen unserer Gemeinde ein allseitig beliebtes Mitglied ist, stattgkfuuden. Nachdem die Herren Vorsteher Weiß und Heimann Herrn Levy an seinen mit Quirlanden und jüdischen Inschriften reich verzierten^ Platz an der n-M-Wand geleitet, nahm nach Beendigung des Gottesdienstes Herr Synagogen- Vorsteher Max Weiß das Wort zur Begrüßung und führte unter Anderem aus, daß, wie am 8. Tage Chanukkah die Festesfreude am größten und der Chanukkahleuchter im vollen Glanze erstrahlt, so soll auch der Mensch nach Verlauf von achtmal 10 Jahren den höchsten Grad der Vollkommenheit erreicht haben, D\rDtp p sagen unsere Weisen, im 80. Lebensjahre soll sich der Mensch zeigen als -nnj, als ein Held, der allen Versuchungen des Lebens erfolgreichen Widerstand leistet, der stets zugenommen an Erkenntniß, Gottesfurcht und Frömmigkeit, von dem die jüngere Generation ihren Lebensweg lernen soll. So auch war Herr I. A. Levy stets ein *pim pxoiv. Keine Witterung oder Jahreszeit scheut er, der ersten Vorschrift des yv zu genügen, die da lautet “ipm nwa lajn» «in; mit großem Eifer sehen wir ihn regelmäßig dahin eilen, wenn cs gilt, zu schöpfen aus dem d'ti d»ö npo! Wahrlich von ihm können wir lernen, wie wir uns als wirkliche onin» zu führen haben. Möge der Allgütige Herrn I. A. Levy an der Seile seiner treuen Gattin d'jb»i o'v' -pND sein! Herrn Weiß wurde für seine treffenden Worte allseitige Anerkennung zu Theil. Am. Hamburg, 8. Januar. Die Entwickelung unserer Vaterstadt in den letzten zwanzig Jahren hat naturgemäß eine vollständige Umwälzung in den Wohnungsverhältnissen herbeigesührt. Während die Einwohnerzahl sich in diesem Zeitraum fast verdoppelt hat, dienen die meisten in der inneren Stadt errichteten Neubauten zu Geschäftsräumen, so daß sich ein großer Theil der Bevölkerung schon seit Jahren genöthigt gesehen, in den Vororten, die sich nach und nach zu städtischen Gebieten entwickelt haben, Wohnungen zu nehmen. Von Jahr zu Jahr macht sich der Zuzug immer mehr bemerkbar und ist die natürliche Folge, daß sich auch die Erfordernisse des Lebens in diesen Gegenden nach allen Richtungen geltend machen. Behörden und Private beeilten sich, dieser Veränderung Rechnung zu tragen; Schulen, Kirchen u. s. w. wurden erbaut, und so zeigen heute eine Anzahl von Vororten ein vollständig städtisches Gepräge. Den größten Theil unserer Glaubensgenossen, die von dieser Veränderung betroffen wurden, finden wir in der Gegend vor dem Dammthor, von der Grindel-Allee bis zum Alsterufer, ansässig. Handlungen aller Lebensmittel für den rituellen