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Der Israelit · 1893-01-09 · Heft 3 (9.1.1893) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 3 (9.1.1893)
Date
1893-01-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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48 steht ein himmelweiter Unterschied. Es ist Christhold- Fränkl und seinen Genossen gelungen, dem Markgrafen das glauben zu machen, was das gemeine Volk von unserem Rabbi spricht, nämlich: Daß er, im Besitze überirdischer Kräfte, nur dann in einem Kerker feftgehaiten werden kann, wenn er mittelst eines drei Daumen breiten eisernen Ringes an die Mauer gekettet, in einem Erker gefangen sitzt, unter welchem sich nicht fester Boden, sondern Wasser befindet, — nur dann wäre unseres Rabbis Zaubermacht gebrochen. Der Markgraf hat auch zum Gefängniß für unseren Rabbi, am Mauerthurm eine neue Zelle zubauen lassen, die über den Fluß hinausragr. Ihr Vater, unser Rabbi, leidet unaufhörlich entsetzliche Qualen, so daß jeder, sei er Jude oder Christ, das tiefste Mitleid mit ihm fühlt. Unser Rabbi leidet, wie kein zweiter auf der ganzen Welt! Herr Elkan Fränkl aber wird, wie jeder andere Staatsgefangene auf der Wülzburg gehalten. — Allein, das ist bet Weitem nicht Alles! — Ich bin gewiß auch unserem Herrn Elkan gut und habe Grund, auch ihm dankbar zu sein, aber Herr Elkan ist ein Mensch, der große Vorzüge, aber auch große Schwächen besitzt. Ihr Vater, unser Rabbi, aber, ist der Inbegriff aller menschlichen Vollkommenheit und besitzt gar keine Fehler. Herr Elkan war ein wohlthätiger, aber auch ein stolzer, hochfahrender Mann, der viele Große dieser Welt durch seine Ueberhebung verletzte, beleidigte. Herr Elkan Fränkl hat sein trauriges Schicksal wahrhaftig nicht verdient, aber er hat es verschuldet. Unser Rabbi, Ihr Vater, hgt — weiß Gott — es nicht nur nicht verdient, er hat es auch nicht verschuldet; er hat jedem nur Gutes erwiesen, nie einen Menschen geschädigt, verletzt, gekränkt! Für unseres Rabbi, Ihres Vaters, Befreiung würde jeder Jude und mancher Christ seinen letzten Groschen opfern, sein Leben wagen. Ihr Oheim hat es nicht verstanden sich solche Freunde zu erwerben! — Dann aber hatte Deidelsheimer mit tiefster Traurigkeit erklärt, daß vorläufig an eine Flucht meines Vaters nicht zu danken sei. Der treue Mann hatte sich nach Schwabach begeben und wenn er auch nicht in die isolirte und völlig unzugängliche Zelle meines Vaters gelangen konnte, hatte er sich doch mit der Oertlichkeit, die er mir genau schilderte, vertraut gemacht und erkannt, daß es geradezu undenkbar wäre, daß mein Vater ohne Mitwirkung der im Thurme befindlichen Personen entfliehen könnte. Deidelsheimer hatte den Kerkermeister ausgeforscht, ob er geneigt wäre gegen eine große Belohnung zur Flucht eines Gefangenen behilflich zu sein, vorläufig es vermuthen lassen, daß es sich um meinen Vater handle. Der Kerkermeister lehnte den Antrag ab; er behauptete, wenn irgend ein Gefangener aus dem Mauerthurme entkäme, würde es ihm unnachsichtltch an Hals und Kragen gehen und erscheine eine Flucht schon aus dem Grunde unmöglich, weil eine Besatzung von fünfundzwanzig Soldaten in dem Thurm läge und kein Mensch in oder aus demselben treten könne, ohne deren Wachtzimmer zu passiven." „Das klang allerdings sehr entmuthigend", meinte der Oberhoffaktor. „Ich entschloß mich trotzdem selbst nach Schwabach zu gehen und fand durch eigene Anschauung, alles was mir Deidelsheimer mitgetheilt, bestätigt. Bevor ich verzweifelnd zu Mutter und Schwester zurückkehrte, beschwor ich ihn diese Angelegenheit nie außer Auge zu lassen und wenn irgend eine unserem Vorhaben günstige Aenderung eintreten sollte, mich hiervon sofort in Kenntniß zu setzen. (Fortsetzung folgt.) Der „J-raelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel fit bestehe« bei E. F. S t e i n a dt« r * Leipzig, Uoßplah 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von au die Redactio« eingesandten Maunscripten findet nicht statt, man bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Kopie zurückzubehalten. Inhalt (Hauptblatt): Leilender Artikel: Aus unserer Briefmappe. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. — Qesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Prag. Budapest. — England: London. — Rußland: Petersburg. Moskau. — Palästina: Jerusalem. — Feuilleton: „Fürstengunst". Erzählung von S. Kohn, Verfasser von Gabriel. Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Was können und sollen wir gegen das Anwachsen deS Antisemitismus thun? — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. Hamburg. — Oesterr.-Uugar. Monarchie: Sarbogard. — Frankreich: Paris. — Vermischtes. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Rr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilage«.

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