Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 3 (9.1.1893)
- Date
- 1893-01-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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47 Dienst erspart, bis an meines Lebens Ende werde auskommen können. Meine Kinder werden auf eine Erbschaft verzichten müssen und diese wohl auch entbehren können. Ihr, Rabbi, ließt sie in allem Nützlichen unterrichten, als Wenns Eure Blutsverwandten wären; sie werden sich mit Gottes Hilfe erhalten und durchs Leben schlagen können. Darauf aber hatte mein Vater geantwortet: Reb Jecheskel, ich hätte nicht gedacht, daß Ihr mich so wenig kennt und mir etwas zutraut, was ich und wohl jeder richtig Denkende, als schweres Unrecht verurtheilen müßte. Weil Ihr in meinem langjährigen Dienste, das edelste, irdische Gut, das der Mensch besitzt, das Augenlicht zum Theile eingebüßt, sollte ich, weil Ihr mir jetzt ohn' Euer Wollen und Euere Schuld nicht mehr dienen könnt, der Pflicht enthoben sein, für Euch zu sorgen? Deßhalb wollt Ihr, was Ihr Euch redlich erworben und Euern Kindern zugedacht, diesen entziehen? Das wär' nicht recht von Euch und mir! — Ihr sollt so lange Euch Gott der Herr am Leben erhält, nicht nur unverkürzt Euern Gehalt beziehen, sondern da Euer Leiden Euch erhöhte Auslagen verursacht, auch eine Eurem Mehrbedarf entsprechende Aufbesserung erhalten. ... Es ist wohl überflüssig hinzuzufügen, daß mein Vater Wort hielt." „Sie können stolz sein, sich eines solchen Großvaters und Vaters rühmen zu können", meinte Perez Markbreiter; — „und das sind allerdings Gutthaten, die jener, dessen Großvater und Vater sie erwiesen wurden, sie auch dem Enkel und Sohne des Spenders nicht vergessen darf!" „Auch Josel Deidelsheimer, der jüngste Sohn seines Vaters, selbst, war auf Kosten meines Vaters erzogen worden. Er hatte ihn in allem Erdenklichen unterrichten lassen, so daß er nicht nur zum tüchtigen Geschäftsmanne herangebildet wurde, sondern sich durch seine Kenntnisse auch anderartig ernähren hätte können. . . . Rafael Fränkl unterbrach sich. „Ich habe mich von meinen theuern Familienerinnerungen verleiten lassen von dem Gange meiner Erzählung abzuschweifen; — ich bitte hierfür um Entschuldigung." „Siebrauchen sich nicht zu entschuldigen", versicherte der Oberhoffaktor. „Das, was Sie soeben über das Verhältnis der Deidelsheimer zu Ihrer Familie berichteten, war nicht überflüssig. Nur dadurch erscheint die rührende Anhänglichkeit Ihres ehemaligen Commis erklärlich." „Ich theilte nun diesem mit, daß ich nicht einen Augenblick ruhig leben und athmen kann, so lang mein Vater im Mauerthurm zu Schwabach angekettet liegt, daß es mich wie mit überirdischer Macht nach^Ansbach riß, um an^Ort und Stelle nachzuforschen, ob nicht in einer oder der andern Weife die Flucht meines Vaters zu bewerkstelligen wäre; auch fügte ich hinzu, daß uns ein großer Theil unseres Vermögens, unsere Ausstände außerhalb Ansbachs, erhalten geblieben wären, und daß wir, Mutter, Schwester und ich, selbstverständlich die ganze große nach vielen hunderttausend zählende Summe dem Rettungswerke opfern, und daß ich mein Leben daran wagen und mich glücklich schätzen würde, um diesen Preis die Freiheit meines Vaters zu erkaufen. Gnädiger junger Herr! hatte mir Deidelsheimer erwiedert, alles, was Sie zu unternehmen beabsichtigen, habe auch ich beabsichtigt. Ich bin Ihrem würdigen Vater zu weit höherem Danke verpflichtet als Sie, — Sie sind sein Sohn und für Sie väterlich zu sorgen war seine Pflicht, ich aber bin ihm ein Fremder und doch hat er väterlich an mir, an meinem Vater wie ein Bruder gehandelt. Wenn es durch Bestechung zu machen gewesen wäre, — und hätte man hierzu einer halben Million bedurft, unser Rabbi wär' längst so frei, wie der Vogel in der Luft!" „Das scheint mir doch zu viel behauptet", meinte der Oberhoffaktor „und würde mir Mißtrauen gegen Deidelsheimer eingeflößt haben. Auch kann ich es nicht verhehlen, daß es mir auffällt, daß der Commis Ihres Hauses, nur Ihres Vaters und nicht auch Ihres Oheims Elkan gedachte, dieser ist ja erst voriges Jahr in seinem Kerker gestorben, damals, im Jahre 1713 saß er ja noch auf der Wülzburg." „Boruch schekiwanti ledaas hagodol.“ 3) erwiderte Fränkl. „Ganz dasselbe war auch mir aufgefallen und ich frug ihn, wie er es zu Wege gebracht hätte im Bedarfsfälle eine halbe Million aufzubringen; aber darauf antwortete er: „Gnädiger, junger Herr! ich hätte das Geld zur Auslösung unseres Rabbi zusammengebracht, wenn ich barfuß die Schneefelder Rußlands und den glühenden Wüstensand Afrika hätte durchschreiten müssen. Kein Jude auf dem ganzen Erdenrunde hätte mir zu solchem Zwecke eine Gabe verweigert." „Da hatte er vollkommen recht", stimmte der Oberhoffaktor zu. „Und als ich ihn frug, warum er nur von meinem Vater und nicht auch vom Onkel Elkan spreche, wurde er zuerst verlegen, dann aber meinte er: „Gnädiger, junger Herr, zwischen den beiden Brüdern und der Lage, in der sie sich befinden, be- 3) Gelobt (sei Gott) dafür, daß meine Gedanken mit jenen eines (Geistes) Großen übereinstimmen. Eine Phrase, die gebraucht wird, wenn man einem Höhergestellten sagen will, man habe dieselbe Idee, wie er selbst, gehabt.