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Der Israelit · 1893-01-09 · Heft 3 (9.1.1893) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 3 (9.1.1893)
Date
1893-01-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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45 Einladung erhielt. Der Vizepräsident der Akademie Saavedra begrüßte Dr. Kayserling, nach dessen Dankesworten der spanische Historiker Cesareo Duro in einstündigem Vortrag die wissenschaftliche Thätigkeit Kayserling's würdigte. Hierauf behandelte Don Fernandes y Gonzalez einzeln die Werke des Dr. Kayserling, welche sich mit der Geschichte Spaniens beschäftigen. Zum Schluffe der Sitzung verlas Don Fidel Fita eine in Madrid geschriebene Arbeit Dr. Kayserling's. Die Madrider Zeitungen brachten täglich Berichte über die Anwesenheit des gelehrten Gastes. Die Herzogin De Orsuna, eine der geistreichsten Damen Madrids, kam zu Kayserling in die Ausstellung, um ihn nach halbstündiger Konversation zu Tische zu laden. Kayserling, der in Madrid in Ermangelung ritueller Fleischspeisen sich mit Milch, Eiern, Fischen 2c. nährte, lehnte die Einladung dankend ab. Am letzten Tage seines Madrider Aufenthaltes erhielt Dr. Kayserling den Besuch des Botschafters Grafen Dubsky, der ihm vom Tode Moritz Wahrmann's Kenntnitz gab, und des Adjutanten der Königin-Regentin, Grafen Trochu, der ihm mittheilte, daß sich Ihre Majestät nach ihn erkundigt habe und ihn nach ihrer Rückkehr nach Madrid empfangen werde. Dr. Kayserling mußte jedoch, da er seine Abreise nicht aufschieben konnte, auf diese Auszeichnung dankend verzichten. Von Madrid reiste Dr. Kayserling nach Toledo, wo er die ehemals berühmte Synagoge (später Santa Maria-Kirche) besichtigte und im Archiv Alkala de Hinares drei Tage verbrachte. Nach einem viertägigen Aufenthalt im spanischen Kronarchiv zu Saragossa begab sich Dr. Kayserling wieder nach Barcelona, von wo er am 18. d. über Südfrankreich, die Schweiz und Oesterreich die Heimreise antrat und am 21. d., Abends, nach Budapest zurückkehrte. Budapest, im Dezember. Baron Moritz Hirsch hat einen neuerlichen Beweis seines edlen und selbstlosen Mitempfindens für fremdes Leid gegeben, indem er einen Betrag von drei Millionen Gulden einer Stiftung für Arme ohne Unterschied der Konfession widmete. Die Zinsen dieser Stiftung werden von einem Komite, an dessen Spitze Frau David Bischitz steht, an Unterstützungsbedürftige in Ungarn vertheilt werden. England. London. Die vor ungefähr einem Jahre unter dem Vorsitz des Baron Hirsch gegründete Gesellschaft zur Unterstützung und Ansiedlung der verfolgten russischen Juden in Amerika veröffentlichte soeben ihren ersten Jahresbericht. Aus demselben geht hervor, daß die Gesellschaft, die sich ja bei der Größe und den Schwierigkeiten ihres Unternehmens jetzt erst im Anfangsstadium ihrer Thätigkeit befinden kann, bereits an 130,000 Hektar in Argentinien käuflich erworben hat. Annähernd die Hälfte dieses fast durchgängig wohlbewässerten und fruchtbaren Grund und Bodens ist bereits von Kolonisten besetzt. Wenn auch die in Canada und den Vereinigten Staaten eingerichteten Ackerbau- Kolonien vielen Erfolg versprechen, so will die Gesellschaft doch ihr Kolonisationswerk fast ausschließlich auf Argentinien beschränken. Dorthin g' denkt man in Kürze wiederum 400—500 Familien aus Rußland, in Gruppen von je 50, überzusiedeln. Von ihrem Kapital von 40 Millionen Mark hat die Gesellschaft bisher 6l/2 Millionen verausgabt, zur Hälfte für die Erwerbung des Landes, zur anderen Hälfte für die Uebersiedlung der Kolonisten, die per Familie etwas über 3000 Mark gekostet. London. Der Lordmayor von London feierte den Antritt seines Amtes durch ein im Stadthause für die Schuljugend zubereitetes Mahl. Dasselbe, für 3000 Knaben und Mädchen, fand an einem Freitage statt. Den israelitischen Kindern, welche wegen des Sabbateinganges verhindert waren, wurde am darauffolgenden Mittwoch ein Fest gegeben. Der Lordmayor richtete bei dieser Gelegenheit an die Schuljugend eine kurze Ansprüche: „Meine jungen Freunde," sagte er, „ich billige den Grund Eures Fortbleibens, weil Ihr nichts gegen die Gebräuche der Religion machen wolltet. So lange die Großen und die Kleinen nichts gegen ihr Gewissen thun, kann man auf sie zählen. Die Bemühungen Eurer Lehrer und Lehrerinnen — davon habe ich mich überzeugt — weisen Tüchtiges auf." Rußland. Petersburg. Schon oft haben wir von den unglückbringenden Folgen berichtet, die das Gesetz vom 3. Mai 1882 für die Israeliten Rußlands gehabt hat. Eine der Bestimmungen dieses Gesetzes gestattet den Behörden unbegrenzte Anwendung davon zu machen: sie untersagt den Israeliten sich auf dem Lande und in den Dörfern niederzulaffen. Es genügt also, daß der Minister des Innern etliche Städte als Dörfer anerkenne, damit die Polizei alsbald diejenigen Israeliten ausweise, die sich nach dem 3. Mai 1882 daselbst niedergelassen. Wir brachten bereits die Mittheilung über die in Jousofka stattgehabten Unruhen; 180 jüdische Geschäfte wurden ausgeplündert, zerstört, die Synagoge und 57 jüdische Häuser niedergebrannt. Der von den Juden erlittene Schaden überstieg, nach der Abschätzung der Behörde selbst, eine Million Rubel. Aber ein neues Unglück bedroht diese unglückliche Bevölkerung. Rach dem Woskhod vom

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