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Der Israelit · 1893-01-09 · Heft 3 (9.1.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 3 (9.1.1893)
Date
1893-01-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 1. Jan. Am 28. Dez. fand unter dem Vorsitze des Reichsraths-Abgeordneten Dr. Arnold v. Rapoport eine Sitzung des Curatoriums der Baron Hirsch'schen Stiftung statt. Es wurde beschlossen, für die von der Stiftung erhaltenen Volksschulen in Galizien bet dem galizischen Landesschulrathe das Oeffentlichkeitsrecht anzustreben. Die Stiftung hat trotz ihres kurzen Bestandes große Erfolge auf dem Gebiete der Verbreitung der Bildung unter den orthodoxen Juden Galiziens und der Bukowina aufzuweisen. Zu den früheren von der Stiftung erhaltenen 9 Volks- und 2 Abendschulen und der Krakauer Handwerkerschule wurden im Herbste dieses Jahres 9 neue Volksschulen, und zwar in Horodenka, Gwozdziec, Monasterzyska, Sassow, Zborow, Mielec, Brzesko, Wisnicz und Rozwadow, errichtet. Im Ganzen erhält die Stiftung im Galizien bereits 34 Unterrichtsanstalten, darunter 10 Volksschulen, 5 Abendschulen (welche auch von Familienvätern besucht werden), 2 Kindergärten, 1 Handwerker¬ und 1 Industrieschule. Eine Abendschule für Erwachsene wurde erst im November in Rzeszow eröffnet. Die Frequenz der Hirsch'schen Volksschulen in Galizien hat sich in diesem Jahre um 1446 Schüler gehoben, so daß gegenwärtig die Wohlthaten des Stifters 4423 Kindern ohne Unterschied der Confession zugute kommen. Die Hirsch'schen Volksschulen werden auch von christlichen Kindern besucht und vom Curatorium wird auch für die Ertheilung des religiösen Unterrichtes an dieselben gesorgt. An der Volksschule in Chrzanow wurde auf Kosten des Curatoriums ein katholischer Katechet angestellt. An der Krakauer Baron Hirsch'schen Handwerkerschule wurde alle christlichen Bewerber ausgenommen und mit einem monatlichen Stipendium von 6 bis 8 fl. bedacht. Das Executiv-Comite für Westgalizien, dessen Obmann Universitäts-Professor Dr. Rosenblatt ist, hat durch tactvolles Vorgehen und Schonung der religiösen Gefühle der orthodoxen Juden das Mißtrauen derselben gegen die moderne Schule beseitigt. Zu erwähnen sind noch die Aenderungen, welche in der letzten Zeit in der Zusammensetzung des Curatoriums eingetreten sind. Zum Regierungs- Commissär wurde der Statthalteicath Reichsraths- Abgeordneter Dr. Edwin v. Plazek ernannt. Ueberdies traten ins Curatorium ein: Mtnisterial- Secretär Dr. Witold Hausner und Hof- und Gerichtadvocat Dr. Stein. Im Laufe des Monats Januar findet im Curatorium die Wahl des Präsidenten an Stelle des verstorbenen verdienstvollen ersten Präsidenten der Stiftung, R. v. Fürth, statt. Es wurde für diese Ehrenstelle der Großindustrielle David R. v. Guttmann in Aussichten genommen. (N. Fr. Pr.) Prag. Die hundertjährige Jubiläumsfeier des Brüderschaftsvereins „vorseb Jeschara u. Maskil el dol“ fand am 26. v. M. in der hellerlenchteten und schön geschmückten imposanten Klaussynagoge in Anwesenheit eines sehr zahlreichen und distinguirten Publicums statt. Oberrabbtner Dr. Ehrenfeld hielt die Festrede, die wegen der Fülle von erhebenden Gedanken und der zum Ausdruck gebrachten Gefühlsmomente einen tiefen und mächtigen Eindruck aus alle Anwesenden machte. Budapest, 27. Dez. (Prediger Dr. M. Kayserling in Spanien. Bekanntlich) hat die Judenschaft der Vereinigten Staaten Nordamerikas beschlossen, sich an der am 1. Mai 1893 anläßlich der 400. Jahreswende der Entdecknng Amerikas in Chicago zu eröffnenden Weltausstellung mit einem Werke zu betheiligen, welches auf historischer Basis Nachweisen soll, welchen Antheil seinerzeit die Judenschaft an der Entdeckung Amerikas genommen. Mit der Ausarbeitung dieses Werkes wurde der auf dem Gebiete der jüdischen Geschichtsschreibung als Kapazität ersten Ranges anerkannte Prediger der Pefter israelitischen Gemeinde, Dr. M. Kayserling, betraut. Letzterer hat behufs Durchführung des ihm gewordenen ehrenvollen Anftrages eine Studienreise gemacht, über welche „Egyenlöseg" Folgendes zu berichten weiß: Dr. Kayserling, der bereits im Sommer in der Wiener kaiserlichen und in der Grazer Statthalterei-Bibliothek Studien gemacht hat, trat am 8. v. M., mit von hoher Stelle kommenden Empfehlungsschreiben versehen, die Reise nach Spanien an, um dort in den verschiedenen Bibliotheken und Archiven diese Studien fortzusetzen. Den ersten Aufenthalt nahm Dr. Kayserling auf italienischem Boden in Mailand, wo er in der Ambrosiana reichliche Daten fand. In der Stadtbibliothek zu Genua verbrachte Dr. Kayserling drei Tage, da hier die reichste Sammlung der Columbus-Literatur aufgeftapelt ist. Von Genua aus reiste er dann nach Barcelona, wo er in der Handschriftensammlung Arclivo d’lia Corona d’Aragon reiche Schätze für sein Werk fand. Der Gelehrte brachte hier neun Tage zu, worauf er sich am 24. November nach Madrid begab. Hier suchte Dr. Kayserling den Botschafter unserer Monarchie Grafen Dubsky auf, dem er ein Empfehlungsschreiben des Grasen Kalnoky überreichte und der ihn auf das Freundlichste empfing und sofort in die ständige Columbus- Ausstellung geleitete. Hier empfing den Prediger, der Mitglied der königlichen Akademie in Madrid ist, der Präsident der Ausstellung Don Fidel Fita als Kollegen in der herzlichsten Weise. Am dritten Tag der Anwesenheit Kayserltng's hielt die Akademie eine Sitzung, zu welcher derselbe eine besondere

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