Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1893-01-05 · Heft 2 (5.1.1893) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 2 (5.1.1893)
Date
1893-01-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448315-2448318--35501-2483488
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

25 Pretzbrrrg, 28. Dez. Gerüchtsweise verlautet heute schon, daß nach der Durchführung der Recipirung der Juden, Ungarn dann auch für die jüdischen Cultusangelegenheiten, so wie es für die protestantischen schon längst der Fall ist, in vier Distrikte, dies- und jenseits der Donau, dies- und jenseits der Theiß, eingetheilt werden wird und wird dann in einem jeden dieser Districte ein Oberkurator für die religiösen Angelegenheiten bestellt und zugleich auch eine große Jeschiba, als Mutteranstalt für mehrere solche kleine Anstalten, errichtet werden. Als die vier Städte, in denen diese großen Jeschiboth errichtet werden sollen, werden einstweilen bezeichnet : Preßburg, Bonyhad, Großwardein und Ujhely, eventuell Balassa-Gyarmath. Prinzipiell sollen die großen Jeschiboth nur in solchen Städten errichtet werden, wo sich ein Obergymnasium befindet. Türkei. Konftantinopel, im Dez. Die antisemitischen Blätter lieben es, seit dem Korfuer Skandal sich „fern aus der Türkei" stets neue Schauermärchen von den bösen Juden berichten zu lassen. Die neueste Phantasieblüthe dieser Art betrifft den Raub eines griechischen Mädchens. Das Mädchen war nach Konstantinopel in ein berüchtigtes Haus verschleppt worden, wovon nach einiger Zeit dem griechischen Generalkonsul Mitteilung gemacht worden sei. „Das Generalkonsulat — so berichtet die „Staatsbürger-Ztg." weiter — trat mit dem Patriarchat in Verbindung, worauf beschlossen wurde, das Mädchen aus dem Hause mit Gewalt oder List zu befreien." Das geschieht denn auch; das Mädchen wird befreit und nach Athen zurückgeführt. „Das griechische Generalkonsulat fügt in seinem Bericht hinzu, — so setzte die Staatsbürger-Zeitung ihrer Meldung hinzu — „daß jenes Haus, in dem sich das Mädchen befand, regelmäßig von jüdischen Kultusbeamten besucht wurde; außerdem gebe der bulgarische Diener umständliche Schilderungen über ein höchst verdächtiges, geheimnißvolles Treiben ... Aus gewissen Vorbereitungen, sowie aus dem eigenthümlichen Verhalten des alten Juden in Gegenwart des Mädchens habe er die Ueberzeugung gewonnen, daß die Juden das Mädchen zur Verwendung zu rituellen Zwecken ausersehen hätten. Wenn diese Annahme — so führt das Generalkonsulat weiter aus — auch nicht durch greifbare Thatsachen bewiesen werden könne, so habe doch in Anbetracht ähnlicher unzweifelhafter Vorkommnisse der letzten Jahre das Konsulat sich verpflichtet gefühlt diese Aussage des Bulgaren zu berücksichtigen." Da die Art, wie der internationale Antisemitismus arbeitet, seit längerer Zeit bekannt ist,1so^wandte sich der österreichische Konsul in Konstantinopel Graf von Starzenski auf Antrag an das ökumenische Patriarchat und an das griechische Konsulat um Auskunft. Das Patriarchat erklärte darauf, daß ihm von der ganzen Angelegenheit nichts bekannt sei, während der griechische Konsul schrieb: „In Erwiederung u. s. w. Ich kann Ihnen die Versicherung ertheilen, nach meiner persönlichen und unmittelbaren Prüfung der Thatsachen, die damals zu meiner Kenntniß gebracht wurden, muß die Annahme, daß das unglückliche junge Mädchen in dem „Llaison <16 tolörance", aus dem ich sie habeförtbringen können, zu religiösen Zwecken zurückgehalten worden sei — wie es in dem Artikel der deutschen Blätter heißt — diese Annahme muß vollkommen ausgeschlossen werden (doit etre compl6tement ecartöe.)“ Bagdad, im November. Dank der väterlichen Fürsorge unseres glorreichen Herrschers, des Sultans Abdul Hamid n'"v, erhält unsere Stadt eine eigene Dampfschifffahrts-Gesellschaft, deren Aufgabe es ist, den Verkehr auf dem Tlgris, von Bafforah an bis Mossul hinauf, aufrecht zu erhalten. Zum Direcror dieser Dampfschifffahrts-Gesellschaft ist der bisherige Notar unserer Cultusgemeinde, Herr Ezechiel Sassun, ausersehen. Herr Sassun hat einige Jahre in Wien gelebt und dort auch die orientalische Akademie besucht, in der er sich europäisches Wissen und nebstbei auch die französische Sprache vollständig eigen machte. Die hiesigen Israeliten versprechen sich sehr viel von diesem neuen Verkehrsmittel, da dasselbe es ihnen ermöglichen wird, die an beiden Seiten des Tigris, soweit derselbe schiffbar ist, gelegenen Städte und Dörfer besuchen und dort ihre Waaren feil zu bieten. — Vor Kurzem ist hier der bekannte türkische Muschir (Feldmarschall), Suleiman Pascha, der wegen seiner Saumseligkeit in dem letzten russisch-türkischen Kriege, wo er das Kommando über die Donauarmee inne hatte, vom Sultan hieher verbannt worden war, gestorben. Derselbe warein großer Judenfreund und viele Israeliten hier waren seine Hausgenossen. Er hat auch einige derselben in seinem Testamente bedacht. — Eine jüdische Export - Firma in Oesterreich errichtet nun eine Filiale in unserer Hafenstadt Bassorah, deren Handel sich von Tag zu Tag hebt. Bassorab besitzt jetzt. Dank seines großen überseeischen Handels , eine respectable jüdische Gemeinde mit einer schönen Synagoge und auch noch anderen jüdischen Institutionen. Egypten. Alexandrien. Der Secretär der hiesigen jüdischen Gemeinde, Dr. Giacomo Castro, hat seine Entlassung eingereicht, die auch angenommen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.