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Der Israelit · 1893-01-05 · Heft 2 (5.1.1893) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 2 (5.1.1893)
Date
1893-01-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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23 anders? Man sieht hieraus, von wie wenigem Einfluß die Religion auf den Menschen ist, oder wenigstens, wie weit wir noch von einer wahren Religion entfernt sind." Im Folgenden wollen wir nun sehen, welche Grundsätze unsere Religion hinsichtlich des Friedens in der Gesellschaft und des allgemeinen Weltfriedens lehrt. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzen. Deutschland. Frankfurt a. M. Sie haben bereits eine kurze Notiz über das öffentliche „Verhör" gebracht, welches am vergangenen muri einen ungewöhnlich großen Zuhörerkreis in die schönen Räume unserer jungen N2'iv' zog. Die große Anzahl von Zuhörern — es mögen ca. 150 gewesen sein — ist schon an und für sich ein sprechender Beweis für den Sinn für min, der in den Reihen der hiesigen Religionsgesellschaft in so imponirender Weise bei dieser Gelegenheit zum Ausdruck kam. Es gibt doch wenige jüdische Gemeinden in Deutschland, die ein solches Contingent von Freunden und Kennern der Thora zu stellen vermögen, wie es sich hier zusammenfand. Diese Liebe, diese Hochachtung und Verehrung für unsere heilige Thora, wie sie in dem regen, thätigen Interesse für diese unsere junge Pflanzstätte sich bekundet, ist eine der herrlichsten Blüthen jener Geistessaat, die unser unvergeßlicher Führer Rabbiner Hirsch vier Jahrzehnte lang in die Geister und Gemüther seiner Gemeinde gestreut hat. Dem Verhör selbst muß man beigewohnt haben, um den Eindruck zu würdigen, den es bei allen Anwesenden hinterließ. Es hat dies nichts mit den fast überall üblichen Paradeprüfungen gemein, wie sie Jedermann kennt. Da war nichts Gekünsteltes, nichts Gemachtes, Mechanisches, was da geboten wurde. Die 12 Hörer der Jeschiba wurden in ein Kreuz- und Querfeuer genommen, das sie mit einer Präctsion und einer Gelehrsamkeit erwiederten, daß sie die aufrichtige Bewunderung der Schüler und ihres Meisters bei allen Anwesenden zur Folge hatten. Wie gründlich und umfassend die subtilsten Materien, die schwierigsten Piecen aus d'pdidi d*ip, aus D»mNi D’Jiwn behandelt wurden, zeigte sich dabei durch die schlagfertigen Antworten der Geprüften in einer Weise, die selbst die höchsten Erwartungen der Zuhörer übertraf. Dabei war es das erste, nur provisorische Verhör, das etwa 2 Stunden dauerte, und dem im Monate Adar erst das eigentliche Hauptverhören folgen soll. Nach Schluß desselben gab Herr Rabbiner D r. Breuer, der gehobenen Stimmung der Anwesenden in seiner meisterhaften Weise beredten Ausdruck. Er wies darauf hin, daß die heilige Lade, welche die Thora schützend barg, unter Mitwirkung des gesammten Volkes fertig gestellt wurde. In unserer Zeit, in der nicht jeder selber mit der Hingebung, die das Thora-Studium erfordert, sich ihm widmen könne, seien alle mehr als je zur Trägerschaft der Thora, und zur materiellen Unterstützung des Thorastudiums berufen. Es sei das Verdienst seines großen Vorgängers, daß dieses Bewußtsein lebendig sei, und daß die Thora als rn n'p'inv^ D'Ti yy, als Baum des Lebens bei betten sich bewähre, die sie in dieser erhebenden Weise fördern. — Dieses erste, offizielle Hervortreten der Jeschiba, hat einen neuen, festen Knoten in dem Bande geschürzt, welches die junge Anstalt mit der Kehilla in so inniger Weise verbindet, und berechtigt zu den schönsten Hoffnungen für ihre Zukunft. Berlin, 30. Dez. Herr Justizrath Makow e r, eines von den Mitgliedern der Vertretungskörperschaften der hiesigen jüdischen Gemeinde, die sich gegen den Petitionsbeschluß erklärt hatten, hat — wie der „Volksztg." gemeldet wird — sein Ehrenamt in der Gemeinde niedergelegt. Berlin, 2. Januar. Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde hat, wie wir erfahren, nunmehr den verständigen Beschluß gefaßt, die beabsichtigte Petition an den Kaiser um Schutz gegen die Antisemiten nicht zu überreichen. — Für die Ersatzwahl zum Reichstage im Wahlkreise Liegnitz haben die Antisemiten jetzt bifinittD den Vertheittger Ahlwardts, Rechtsanwalt Hertwtg, ausgestellt. Die Konservativen haben einen Landrath in Aussicht genommen. Berlin, 2. Januar. Herr Dr. David, bisher Oberlehrer an der Religionsschule der Jsr. Gemeinde zu Hannover, ist zum Rabbiner derSynagogen- Gemeinde zu Düsseldorf erwählt worden. Derselbe ist den Lesern des „Israelit" durch sein mannhaftes Auftreten gegen den antisemitischen Rundreise- Hetzer L. v. Sonnenberg bekannt worden. Dr. D. ist aus dem Berliner Rabbiner-Seminar hervorgegangen. Andernach, 22. Dez. Ihr geschätztes Blatt veröffentlichte jüngst die bereits durch mehrere Zeitungen verbreitete Nachricht von der Ausweisung dreier Synagogenbesucher aus des Synagoge in Saffig. Da nun der angegebene Grund dieser außergewöhnlichen Maßregel nicht ganz der Thatsache entspricht, und zu irrigen Auffassungen Anlaß geben könnte, theile ich Ihnen in Folgendem den Beweggrund zu diesem Einschreiten mit. 1866 bildete sich hier auf Grund des Gesetzes vom 23. Juli 1847 der Synagogenbezirk Andernach, bestehend aus den Specialgemeinden Ander-

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