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Der Israelit · 1893-01-02 · Heft 1 (2.1.1893) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 1 (2.1.1893)
Date
1893-01-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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8 nicht so mittellos als meine Mutter befürchten mutzte. Ich hatte vom Hause aus einen namhaften Betrag zur Reise mitgenomen und nur einen kleinen Theil desselben verausgabt, so daß der große Rest nicht nur zu einer längeren Reise hinreichre, sondern wir auch längere Zeit unser Leben fristen konnten." „Gott Lob!" 'murmelte Perez Markbreiter, dessen lebhafte Phantasie ihn in die Lage der Unglücklichen versetzte und der in dem Momente vergaß, daß von lang vergangenen Zeiten die Rede sei. „Wir blieben nur so lange in Jchenburg, als erforderlich war für die Frauen warme Kleider anzuschaffen, dann zogen wir in die weite Welt, einen Ort zu suchen, wo wir wenigstens ungehaßt und unverfolgt leben konnten. Sie, Herr Oberhoffaktor, der Sie zugleich Oberrabbiner der österreichischen und deutschen Judenheit und deren Schirmvogt sind, kennen die endlos großen Schwierigkeiten, die sich dem Bekenner des mosaischen Glaubens, der aus seiner Heimath vertrieben, eine neue, oder auch nur einen Ort zum zeitweiligen Aufenthalte sucht, entgegenstemmen, aber meinen Bemühungen gelang es mit Gottes Hilfe doch, ein kleines abseits der großen Heerstraße gelegenes Städtchen im Hannoverschen, Harzgerode, in welchem sich eine kleine jüdische Gemeinde befindet, zu ermitteln, in der wir uns unter fremdem Namen niederlassen konnten. — „Sie werden es begreifen, daß uns, meine Mutter, meine Schwester und mich, nur ein einziger Gedanke beseelte, wir nur einen Lebenszweck kannten, unseren Vater von seinen entsetzlichen Qualen zu erlösen; allein so sehr ich auch mein armes Gehirn zermarterte, gelang es mir doch nicht eine Möglichkeit zu ersinnen, unser Ziel zu erreichen. Nur Eines erkannte ich, daß, wenn sich uns durch Gottes Hilfe eine Möglichkeit darbieten sollte, wir voraussichtlich in jedem Falle eine große Summe nöthig haben würden und ich versuchte es vorläufig uns in den Besitz einer solchen zu setzen." „In welcher Weise?" frug Wertheimer. „Ihr elterliches Vermögen war ja confiscirt worden, wie konnten Sie, ein Unbekannter, in einer kleinen Stadt lebend, mit geringen Mitteln versehen, hoffen, je ein so großes Vermögen zu erwerben, wie dies für Ihre Zwecke erforderlich sein mochte?" „Ich glaube es schon erwähnt zu haben, daß wir unser großes Vermögen in Onkel Elkans Geschäft angelegt hatten, mein Vater, dessen stiller, ich seit meinem zwanzigsten Jahre öffentlicher Gesellschafter desselben war. Wir hatten, wie dies bet einem so großen und ausgebreiteten Handlungsunternehmen leicht begreiflich, starke Ausstände bet Kaufleuten uud Bankiers außerhalb Ansbach namentlich in Augsburg, Berlin, Breslau, Nürnberg. Nun hatte wohl Markgraf Friedrich Wilhelm, unser ganzes in seinem Fürstenlhume befindliches, bewegliches und unbewegliches Vermögen confiscirt; aber, außer allem Verkehr mit der Heimath war es mir nicht bekannt, ob er nicht aus unfern Handelsbüchern Kenntniß von unfern Ausständen im Auslande erlangt, in diesem Falle, ob er den Versuch gemacht, auch diese einzuziehen, ob ihm dieser gelungen. Ueberdies mußte ich mich auch fragen, ob auch, wenn alles dies nicht geschehen wäre, unsere Schuldner nicht unsere unglückliche Lage benützen und uns den Heimaths-, Schutz- und Rechtslosen, die Zahlung unserer rechtmäßigen Forderungen verweigern würden? Christhold-Fränkls und des Markgrafen Benehmen gegen uns, hatte mein Vertrauen zu den Menschen in so hohem Grade erschüttert, daß ich geneigt war von jedem das Schlechteste vorauszusetzen. Allein ich hielt es für meine Pflicht den Versuch zu machen und wandte mich an alle unsere Schuldner. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 13 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel }U bestehen bei E. F. Strinacke r, Leipzig, Uoßplah 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fi. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von au die Redactiou eingesandten Manuskripten findet nicht statt, man bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Kopie zurückzubehalte«. _ Inhalt (flpauplblatt): Reuende Arutel: Rückblick. — Die heilige Sprache. Bon Bezirks-Ralivnier Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz) Schluß). — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. Xanten. Elberfeld. — Feuilleton: „Fürstengunst". Erzählung von S. Kohn, Verfasser von Gabriel. Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Vorschläge zur Bekämpfung des Antisemitismus. — - Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Hamburg. Samter. Inhalt der zweiten Beilage: Literarische Umschau. Inhalt der Extra-Beilagen: Spenden-Verzeichnisse. — Inhalts-Verzeichnis; pro ^1893. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Zoh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu vier Beilage«.

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