Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1893)
- Date
- 1893-01-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Verhaftung in Osnabrück erfolgte, stand mit dem Knabenmord nicht in Zusammenhang. Es bleibt abzuwarten, ob seitdem Momente aufgetaucht sind, welche neuerdings den Mordverdacht gegen ihn begründen. Elberfeld. Seit Jahren bin ich gewöhnt, die Chanukkahtage zu Hause im trauten Familienkreise zu verbringen. Dieses Mal nöthigtcu :uich .jedoch unaufschiebbare Geschäfte, auf Reisen zu gehen und die Chanukkahltchtlein inmitten von Leuten anzuzünden, die dem milden, bescheidenen Lichte Israels wenig Verständnis; entgegenbringeu. Denn Deutschland's Judustriegegend, das Gebiet der Wupper und der Ruhr, war mein Reiseziel, wo man die tiefsinnigen Gebote unserer Religion oft kaum dem Namen nach kennt. Nun wollte es, ich darf wohl sagen, ein günstiges Geschick, das; ich den ns'jn in Elberfeld bleiben mußte. Mit Mundvorrath war ich genügend versorgt, sodaß ich eventuell nicht nöthig hatte, mich auf zweifelhaftes nnüo von Hotels zu verlassen. Da hörte ich zu meiner großen Freude, daß hier seit einiger Zeit eine auf den Grundsätzen des überlieferten Juden thums gegründete Gemeinde bestehe, die in Herrn Lehrer Weingarten eine tüchtige pädagogische Kraft gewonnen hat. Ich bekam auch bald Gelegenheit, diesen Herrn nach Beendigung des Gottesdienstes, der in würdiger, altjüdischer Weise in einem gemietheten Lokal obgehalten wurde, kennen zu lernen. Die Schechita der ganzen Gemeinde ist zum größten Theil seiner Obhut anvertraut, ebenso eine staatlich concessionirte Elementarschule, die auch von Kindern der Hauptgemeiude frcqueutirt wird, da sie als vorzügliche Vorbereitungsanstalt zu den höheren Lehranstalten sich allgemeinen Ansehens erfreut. Da mir für den Sonntag angenehme Vergnügungen in Aussicht gestellt wurden, ließ ich mich überreden, meine Abreise um einen Tag zu verschieben, und ich muß gestthen, daß ich cs nicht zu bereuen hatte. Als ich Sonntag Nachmittag um vier Uhr das Hotel Falk betrat, sah ich im schönen, hell erleuchteten Saale eine kleine, muntere Schaar von ungefähr fünfzig Kindern an lang gedeckter Tafel sitzen, die mit allerlei Backwerk und Torten geschmackvoll bestellt war. Mit Einbruch der Nacht entstand plötzliche Stille bei der fröhlich plaudernden Menge, und in einer Reihe geordnet, erhoben sich die Knaben und begaben sich an eine andere Tafel, wo für jeden einzelnen die Ehauukkahleuchrer bereit standen. Man konnte da manchen Vater sehen, der unter Thränen der Rührung auf fein Kind blickte, wie es mit Eifer die Lichtlein anzündete und aus andachtsvollem Herzen laut seinem Gotte für die Wunder dankte, die er unseren Vätern einst bewiesen und uns noch täglich erweist. Nachdem das letzte Lichtlein angezündet war, stimmten sämmtliche Kinder das ’nyiB” ms r.yo tut Chore an, während einzelne passende Gedichte vortrugen. Es war wieder allgemeine Stille eiugetreten, jeder ließ an seinem Geiste das entzückende Bild nochntals vorüberziehen, da erhob sich Herr Weingarten und entwickelte in wohl durchdachten Worten die Bedeutung des Festes, indem er an die Worte Ps. 20, V. 8 anknüpfte und dabei auch auf die Entstehung der Religtousgesellschaft in Elberfeld hinwics. Mit ur.getheilter Aufmerksamkeit lauschte jeder diesen Ausführungen, die von Herzen kamen und zu Herzen gingen. Die folgende Stunde wurde durch eine Verloosung von Büchern und allerhand Spielsachen, sowie durch Vorträge von Gedichten und Liedern seitens der Kinder ausgefüllt. Unterdessen war es sieben Uhr geworden. Da mit einem Male ging der Vorhang vor einer bis dahin unsichtbaren Bühne auf. und in passenden Costümeu erschienen auf derselben Elementarschüler, welche das in Scene gesetzte Kinderspiel Rothkäppchen so herrlich spielten, als wären sie auf den „Brettern, die die Welt bedeuten", zu Hause. Der Schluß des Festes bildete die Aufführung des Stückes, die streitenden Gewalten, das damit endete, daß ein Engel mit der Meuorah erscheint, die einstige Herrschaft des Lichtes der Wahrheit und der Gottcseikenntniß der gesammtenMenscheit verkündend. Gegen zehrt Uhr erst trennte man sich voll des Dankes gegen Herrn Weingarten, der in selbstloser Mühe allen einen so schönen und genußreichen Abend bereitet hatte. Feuilleton. „Fürstertgunst." Erzählung von T. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. UebersehungZrechle Vorbehalten. (40. Forrsetzung.) „Als besorgte Freunde meinem Vater riethen, sich keiner Täuschung hiuzugeben, ihn versicherten, auch ihm drohe Gefahr, er möge sich dieser durch rasche Flucht entziehen, beharrte er noch immer unerschütterlich darauf, er habe nichts zu fürchten, er habe nie etwas gethan, was er nicht verantworten könnte. Als die beiden Commissäre Generalsuperintendent Hanndl und Liceutiat Meelführer, welche bei ihm nach Bücher „lasterhaften Inhaltes" suchen *) Neu eingetretene Abonnenten erhalten auf Verlangen die Anfänge dieser Erzählung in Buchform, soweit derVorrath reicht, kostenlos und portofrei nachgeliesert. Exp. d. Jsr.