Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1893)
- Date
- 1893-01-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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3 Palästina und Jerusalem, wohin jeden Augenblick zurück zu kehren das Ziel unserer Wünsche sei, und auf der anderen Seite vindicirt man uns den niedrigsten Krämer- und Schachergeist. der an der Scholle klebt und für jeden höheren Gedanken unzugänglich ist. Man braucht diese Verdächtigungen eigentlich nur nebeneinander zu halten, um jeder Rechtfertigung überhoben zu sein. So und ähnlich verhält es sich mit allen gegen uns erhobene Beschuldigungen. Aber das hindert ihre Urheber nicht, sie zu einem Lügengewebe zu verbinden und so den Glauben zu erregen, es sei doch etwas oder vielleicht sehr viel von dem wahr, was fälschlicher Weise uns angedichtet wird. Was wir dagegen thun können? Dagegen nichts, oder soviel als nichts. Glauben wir, daß unsere Väter und Mütter in Egypten ihr thränenreiches Geschick auch nur um ein weniges durch Proteste, Verwahrungen, Betheuerungen und ähnliche Mittel hätten mildern können? Der Judenhaß läßt sich durch Broschüren, Zeitungen und Druckerschwärze, in welcher Form auch immer, so wenig aus der Welt schreiben, wie die Cholera. Wenn wir als Juden leiden und ohnmächtig sind, dagegen etwas zu thun, so bleibt uns nichts übrig, als wenigstens Juden zu sein, Juden zu werden, als Juden zu leben, zu wirken und so mindestens den Haß redlich zu verdienen, den man uns so reichlich entgegenbringt. Wären wir in Wirklichkeit Juden, vertieften wir uns in unsere Geistesschätze, befolgten wir ihre goldenen Lebensregeln, wären wir vertraut mit unserer Vergangenheit, durchdrungen mit den Idealen unserer Zukunft, wir würden das Herbe und Schmerzliche der Gegenwart weniger bitter empfinden, als es thatsächlich der Fall ist. Wir würden für das, was uns die Gegenwart versagt, reichlichen Trost und Ersatz in dem Bewußtsein finden, daß die Feinde Israels so alt wie seine Geschichte sind, daß es die schlechtesten Früchte nicht sind, welche die Insekten benagen, und würden die Wendung unseres Geschickes mit heiterer Zuversicht dem Lenker der Zeiten anheimstellen. Daß die Abweisung, die wir erfahren, uns auf uns selber weist, auf unsere Aufgabe, unsere Pflicht und ihre treue Verwirklichung, ja daß dies, ohne es zu wollen, das letzte Ziel der Macht ist, die stets das Böse will und stets das Gute schafft, dafür mehren sich die Anzeichen so fort und fort, daß sich ihnen auf die Dauer Niemand wird verschließen können. Sollen wir aber durch diese trüben Erfahrungen unserer Tage wieder auf uns selbst und unsere Bestimmung zurückgeführt werden, so ist das, was wir selber zur Besserung unserer Lage thun können, scharf vorgezeichnet: Rückkehr, svolle, rückhaltlose Rückkehr zu unserer jüdischen Pflicht, zu dem unverkürzten, von den Vätern überkommenen historischen Judenthum. Daß dieses Bedürfnis gefühlt, geahnt und zum Theil auch in Wahrheit erkannt wird, selbst in solchen Kreisen, die sich ihm Jahrzehnte hartnäckig verschlossen hatten, dafür liegen, G. s. D., eine Fülle von Anzeichen vor, auf deren eingehende Würdigung wir noch zurückkommen werden. Wohl verschließen sich noch große, weite Kreise dieser Conscquenz der Thatsachen, aber alle Ereignisse drängen mit solcher Wucht zur Erkennung der Wahrheit, daß ihre volle Würdigung nur eine Frage der Zeit ist. Haben wir erst mit redlichem Eifer begonnen, in diesem Sinne den Thatsachen Rechnung zu tragen, dann dürfen wir getrost auch den Beistand Gottes erwarten, der in der Geschichte unseres Volkes niemals ausgeblieben ist, sobald wir durch aufrichtige Rückkehr zu Gott und dessen Gesetz uns würdig zeigten. Nicht wir können uns die Befreiung von diesen sozialen Schäden und Gefahren bringen, das vermag nur Gott allein, der es schon oft gethan hat und es wieder thun wird, wenn die Stunde dafür gekommen sein wird. Daß sie aber kommen werde, und wann sie kommen werde, das liegt in unserer Hand. Unsere Weisen bemerken im Midrasch zu unserem Wochenabschnitt: nbix:1? p’D bi irmzn ncx ’Djxm nnso -joy “nx “icxjtp vrv »xsina an ’zutotp nannta n^ixjVp’Di anx r6yo :x in^x nx n?b n:n -idxjjp ^x^i? *,n’ny l“1 .x’sjn „Unsere Weisen, gesegnet sei ihr Andenken, lehren: Die Signatur der ersten Erlösung war, mit Gottes „Ich" zog Israel nach Egypten, denn es heißt: Ich ziehe mit dir nach Egypten, und mit „Ich" habe ich Euch wieder herausgehoben. Ebenso wird die Signatur der letzten Erlösung Gottes „Ich" sein, es wird ihnen Heilung und die einstige Erlösung bringen, denn es heißt: Ich sende Euch den Propheten Elijahu." Nicht in den sozialen Gebrechen unserer Zeit liegt unsere prekäre Lage begründet, und nicht in ihrer Beseitigung wird unsere Befreiung liegen. Gott selber ist es, der das Leid über uns heraufführt, und Gott selber ist es, der uns Heilung und Erlösung jeder Zeit brachte und bringen wird.