Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 102-103 (28.12.1892)
- Date
- 1892-12-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1965 Ortsgruppe, die Sie gründen, 20 Mark geboten habe. Ich erklärte dies hiermit öffentlich für eine Unwahrheit. Ferner mache ich hiermit öffentlich bekannt, daß Sie mir am 27. April 1892 auf dem Wege von Ostheim zum Bahnhof in die Hand auf Ehrenwort versprochen haben, dafür zu sorgen, daß der Bauernverein Roßdorf sich als Ortsgruppe dem Mitteldeutschen Bauernverein anschließe. Sie beschwerten sich zugleich lebhaft über Herrn Landrath von Oertzen und versprachen wieder auf Ehrenwort, daß Sie von da ab für den Mitteldeutschen Bauernverein wirken würden. Da Sie heute öffentlich gegen uns agitiren, so erkläre ich Sie hiermit für einen Menschen, der sein Ehrenwort gebrochen hat und überlasse jedem ehrlichen Menschen zu beurtheilen, was er von Ihnen zu halten hat. (gez.) Dr. Böckel, Mitglied des Reichstags. In Nr. 101 des „Main- und Kinzig-Boten" erläßt hierauf Herr A. W. Dückhardt folgende „Erklärung" : 1) Ich halte meine in Niedermittlau gemachte Mittheilung, wonach Herr Dr. Böckel mir für jede von mir zu gründende Ortsgruppe des Mitteldeutschen Bauernvereins 20 Mark zu zahlen geboten hat, nach wie vor in ihrer ganzen Wucht als wahr aufrecht mit dem Bemerken, daß ich ein solches Ansinnen als ein in politischen Dingen unsauberes Geschäft von vornherein zurückznweisen mich gedrungen fühlte. 2) Die weitere daselbst aufgestellte Behauptung daß ich dem Herrn Dr. Böckel „in die Hand auf Ehrenwort versprochen habe", den Bauernverein Roßdorf als Ortsgruppe dem Mitteldeutschen Bauernverein zuzuführen, sowie für den Mitteldeutschen Bauernverein fernerhin zu wirken, und da solches nicht geschehen, mich meines Ehreuwortbrnches schuldig gemacht habe, erkläre ich hiermit öffentlich als eine gemeine Lüge und eine niederträchtige Verleumdung meiner Person durch Herrn Dr. Böckel. Es muß traurig um eine Sache und die sie vertretende Persönlichkeit bestellt sein, welche in der Oeffentlichkeit dem Gegner gegenüber zu maßlosem Hohn und, wenn der nicht verfängt, zu Lüge und boshafter Verleumdung greift. Butterstädter Höfe, am 15. Dezember 1892. (gez.) A. W. Dückhardt, Privatier. Wo liegt die Wahrheit? Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 15. Dezember. In einer heute Abend v ranstalteten zahlreich besuchten Versammlung der liberalen Gemetnderäthe von Hietzing Rndolphsheim und Fünfhaus beantragte Professor Bittner folgende, einstimmig angenommene Resolution: „Die heute versammelten fortschrittlich gesinnten Wähler des Scchshauser Wahlbezirkes sprechen über das verderbliche, alle Gesetze der Menschlichkeit und Gerechtigkeit verletzende Treiben des Abgeordneten dieses Bezirkes, Mechanikers Ernst Schneider, welcher durch sein Gebühren sowohl im niederösterreichischen Landtage als auch im Reichsrathe bewiesen hat, daß er weder in geistiger noch in sittlicher Beziehung der Aufgabe eines Abgeordneten gewachsen ist, ihre Mißbilligung und Entrüstung gus und bedauern im Interesse aller Bewohner dieses Theiles von Wien, kein Mittel zu besitzen, den Abgeordneten Schneider zur sofortigen Niederlegung seines Mandates zwingen zu können." Budapest, 16. Dezember. Von den Berichten über den Verlauf der gestrigen Bischossconferenz scheint jener des Pesti Naplo der zutreffendste zu sein. Zunächst wurde die Frage der Reception der Juden verhandelt. Der Primas iuformirte die Bischossconferenz dahin, daß der betreffende Gesetzentwurf voraussichtlich aus zwei Paragraphen bestehen werde. Der erste Paragraph spreche davon, daß die jüdische Religion unter die gesetzlich recipirten Bekenntnisse ausgenommen wird; der zweite regle den Uebertritt vom Christenthum zum Judenthum, der bekanntlich derzeit in Ungarn unmöglich ist. Nach einem kurzen Gedankenaustausch beschloß die Conferenz, daß dem ersten Paragraph keine Schwierigkeit entgegenstehe, der zweite aber unannehmbar sei. Türkei. Monastir, im Dez. Der „Israelit" hat vor Kurzem erst gemeldet, daß mit Genehmigung des Sultans hundertundzwanzig jüdische Emigranten aus Rußland hieher geschickt wurden, um sich in unserer Stadt dauernd anzusiedeln. Seitdem sind abermals hundertachtzig jüdische Emigranten hier eingetroffen, so daß Monastir, wo früher fast gar keine Juden gewohnt haben, sozusagen über Nacht eine große jüdische Gemeinde geworden ist. Da diese Emigranten fast alle russisch sprechen, während die Landessprache hier das mit dem Russischen verwandte Bulgarische ist, so werden sie sich schon binnen Kurzem mit der Bevölkerung gehörig verständigen können. Letztere sowohl als die schon hier angesiedelten Emigranten haben die Neuanges kommenen aufs Freundlichste empfangen und ihnen auch geholfen, sich hier häuslich einzurichten.