Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 102-103 (28.12.1892)
- Date
- 1892-12-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1964 nach allen Seiten emporsprühen. Die ganze präcise, gedrungene Fassung verräth die unergründliche Tiefe, die sich hinter ihr verbirgt und weist uns auf unsere Lehrer und Weisen hin, um aus ihren bewährten Händen die Deutung alles dessen hinzunehmen, was uns sonst als unlösbares Räthsel gegenüber stünde. Dies alles ist unübertragbar durch eine andere Sprache. Als man daher die Thora zum ersten Male ins Griechische übersetzte und sich beredete, in diesem bloßen Wortsinn der Thora diese selbst wiedergegeben zu haben, damals vollzog sich der verhängnißvolle Riß zwischen der mündlichen und geschriebenen Thora. Man war dann nicht mehr auf die Belehrung der Weisen angewiesen und emancipirte sich von ihnen. Was Esra seinem Volke als zweiter Moses durch Zurückgabe der Thora an das Volk in der heiligen Schrift geworden war, dafür war das Verständniß vollständig verschwunden. Den Todestag Esras wußte .man, aber der unersetzliche Verlust, der damit sein verwaistes Volk betroffen, dafür war Verständniß und Würdigung verloren gegangen, seitdem man die Thora ins Griechische übersetzt hatte. Das deutet mit unnachahmlicher Prägnanz unsere Fasten- Rolle an, wenn sie beide Geschehnisse mit den Worten nebeneinander stellt: nm *]bon ’^n ivj*.’ mirn topsj nnu 'nn fron X'rt ICH JHIJ uh 'tni O’O’ 'J nfojn -|twi •m jnw (Schluß folgt.) Was Können und /Een wir gegen das Anwachsen des Antisemitismus thun? (Unter dieser Rubrik beabsichtigen wir, uns zugehende Ansichten aus unserem Leserkreise, rmmerMich von jüdischen Beamten und praktischen Geschäftsleuten zum Abdruck zu bringen und sind uns diesbezügliche Mittheilungen stets willkommen.) Sehr geehrter Herr Redakteur! Angeregt durch den auch in Ihrem sehr geschätzten Blatte wiedergegebenen Artikel des conservativen Organs: „Der neue Kurs", der ja von sehr hoher Seite insptrirt sein soll, erlaube ich mir Folgendes Ihrer freundlichen Erwägung zu unterbreiten : Der Verfasser besagten Artikels verlangt, die Worte des Leipziger Tageblattes citirend, daß wir unsere Kraft statt auf den Kampf nach Außen, mehr „auf die Dtsciplinirung und wo nöthtg Einschüchterung von schlechten Elementen in den eigenen Rethen auswenden sollen." Etwas Aehnliches sagte bereits vor einiger Zeit der hochselige Großherzog Ludwig IV. von Hessen, indem er der Deputation der Rabbiner Hessens gegenüber äußerte, daß zur Bekämpfung des Antisemitismus es wesentlich beitragen würde, wenn der sittlich höher stehende Theil der isr. Bevölkerung auf den niedriger stehenden günstig einwirken würde. Ich erwiedere darauf, daß wenn man auf nichtjüdischer Seite nur eine Ahnung davon hätte, wie verachtet, ja verfehmt der jüdische Bankerotteur, Wucherer, Schwindler u. s. w. ist, wenn man wüßte, wie man in Gesellschaft, bei Eheschließungen 2c. solche Elemente in guten israelitischen Kreisen ängstlich meidet — eine derartige Mahnung wäre von unseren nichtjüdischen Brüdern sicher nicht erfolgt. Da wir nun aber einmal gezwungen sind, auch nach Außen hin zu zeigen, wie der „sittlich höher stehende Theil" des Judenthums, und das ist Gottlob die große Mehrheit desselben, mit den schlechten Elementen unter uns durchaus nichts gemein haben will, so schlage ich vor, daß jüdischerseits Verordnungen entworfen worden, nach welchen die von den jüd. Gemeinden zu vergebenden unbesoldeten Ehrenämter nur solchen Personen ertheilt werden, deren Vorleben ohne den geringsten sittlichen Makel ist, und welche nicht einer politischen Partei angehören, deren Tendenz gegen Regierung und Fürst gerichtet ist. Auch Gottesdienstliche Handlungen wie Vor beten au den hohen Feiertagen, Beschneidungen, Stiftungen 2c. dürften nur sittlich fleckenlosen Personen zugänglich sein. Man wende mir nicht ein, daß dies ja auch ohne ausgesprochene Gesetze bereits geschieht, daß wohl kaum eine jüdische Gemeinde in Deutschland existirt, deren Vorsteher beispielsweise ein Wucherer ist. Ich erwarte davon auch gar keine Besserung der Verhältnisse, weil ich davon überzeugt bin, daß in dieser Richtung ohnehin geschieht, was geschehen kann. Es soll nur den Andersgläubigen damit gezeigt werden, wie weit entfernt die Juden sich von der Solidarität mit ihren schlechten Elementen befinden. Ich erwarte, daß man sich von verschiedenen Seiten über diesen meinen Vorschlag äußere. Hochachtungsvoll Ober-Rabbiner X. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Mainz, im Dez. (Wie's gemacht wird.) In Nr. 565 des „Reichsherold" lesen wir: Herrn Dückhardt.Dutterstädter Höfe! Sie haben in Altenmittlau erklärt, daß ich Ihnen für jede