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Der Israelit · 1892-12-28 · Heft 102-103 (28.12.1892) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 102-103 (28.12.1892)
Date
1892-12-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1962 werden, mit so gewaltigem Schmerze, —, daß ich, ich bediene mich Ihres eigenen Ausdruckes wie ein zu Tod getroffenes Waldthier aufschreien mußte t" Wieder hielt Fränkl, tief erschüttert inne, cift nach einer längeren Pause konnte er fortfahren: „Gleich nach Erhalt des Briefes meiner Mutter, trat ich die Reise nach Jchenburg an. Es wäre vergeblich, wollte ich es versuchen, Ihnen mein Wiedersehen mit Mutter und Schwester zu schildern I .Wir waren alle so endlos tief ergriffen, daß wir lange Zeit kein Wort hervorzubringen vermochten; der Gedanke an den Vater, den edlen Dulder, der mit eisernen Ringen und Ketten an den Quadern derGefängnißmauer gefesselt lag, der uns nicht eine Sekunde verließ, trat in dem Momente mit verdoppelter Lebendigkeit vor unsere Seele — und doch — wer vermag die wunderbaren Räthsel in einer Menschenbrust zu lösen? — durchzitterte mich ein wehmüthig süßes Gefühl, Mutter und Schwester, als sie mir schluchzend an die Brust stürzten. „Wenn wir Dich wieder sehen und wieder haben", rief endlich meine herrliche Schwester Eva, „dann sind wir doch nicht ganz von Gott verlassen", und meine Mutter sprach: „Gott verläßt nie einen Menschen, der auf ihn vertraut" und so hatten unsere bebenden Lippen wieder das Wort gefunden — und wir konnten unser bedrücktes Herz durch Mittheilung, durch Austausch unserer Gedanken und Hoffnungen erleichtern. Ich bat die Mutter ihre Mitteilungen, die in dem engen Rahmen eines in höchster Aufregung geschriebenen Briefes nur unvollständig sein konnten, zu ergänzen, mir den Verlauf des entsetzlichen Ereignisses im Zusammenhänge zu erzählen. Ich erfuhr nun, daß sich der Vater in allen Phasen der Entwicklung mit seiner gewohnten Seelengröße benommen. Als Onkel Elkan in Untersuchung genommen wurde, war er allerdings in hohem Grade erschrocken und unter dem Ein drucke momentaner, tiefer Verstimmung hatte er mir geschrieben, aber bald war sein Vertrauen zu Gott und auch zu den Menschen zurückgekehrt und er erwartete mit Gewißheit, die Untersuchung gegen seinen Bruder werde unparteiisch geleitet werden und mit der Enthaftung und Schuldlosi^keitserklärung Onkel Elkans enden und der Markgraf würde diesen durch weitere Auszeichnungen für das ihm kurze Zeit gezeigte Mißtrauen reichlich entschädigen. Mein Vater vermochte es in seiner Seelenhöhe nicht, sich in die bodenlose Niedertracht charakterloser Schurken hineinzudenken. In seiner Herzenseinfalt hatte er keine Ahnung, daß die mit der Untersuchung betrauten Räthe, welche, so lange als Eikan Fränkl im Zenithe seines Glückes stand, ihn mit hündischer Ergebenheit umschmeichelt ihn bis in den Himmel gehoben hatten, stets seine Feinde gewesen und schon lange Zeit heimlich an seinem Sturze gearbeitet hatten. Er war von dem günstigen Ausgange des Prozesses so fest überzeugt, daß er zuerst gar nicht beabsichtigte für seinen Bruder beim Fürsten fürzusprechen, und erst als sich die Angelegenheit bedenklicher gestaltete, fuhr er, auf Andrängen meiner Mutter, zum Markgrafen nach Ansbach. Aber selbst als ihm, der früher stets unangemeldet vor dem Fürsten erscheinen konnte, vom Kammerdiener bedeutet wurde, er habe den Auftrag ihn nicht vorzulasseu, der Fürst sei für ihn nicht zu sprechen, ahnte er noch immer nicht, wie schlimm die Angelegenheiten ständen. „Der Fürst", sagte er, als er ohne ihn gesprochen zu haben, von Ansbach heimkehrte, „dem vorgeworfen wird, er hätte sich zu viel von meinem Bruder betnfluffen lassen, will offenbar den Schein vermeiden, als hätte er sich durch mich für ihn günstig stimmen lassen." (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Breis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhanürl bestehen bei G. $. Steinacker, Leipstg. Roßplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr-, für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rülkseudung von an die Redactiou eingesandten Manuscripten findet nicht statt, man bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Kopie znrückznbehalten. Inhalt (Hauptblatt): Leitende Artikel: Die Wahrheit über das Judemhum. — Ein Friedenswort (Schluß). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Berlin. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Pest. — Feuilleton: „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Leitende Artikel: Die heilige Sprache. Von Bezirks-Rabbiner Dr. Ehrmann in Baben (Schweiz) (Fortsetzung). — Was können und sollen wir gegen das Anwachsen des Antisemitisinns thun? — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Budapest. — Türkei: Monastir. Nizza. — Vermischtes. Inhalt der Belletr. Beilage: Sabbatruhe. Eine wahre Begebenheit von Robert Hänlein. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilage«.

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