Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1892-12-28 · Heft 102-103 (28.12.1892) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 102-103 (28.12.1892)
Date
1892-12-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448218-2448314--35450-2483435
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1960 das Wort, indem er im Namen des Vorstandes der Religionsgesellschaft die Oppenhetm'schen Bilder als Angebinde überreichte. Er wies treffend daraufhin, daß das, was diese Bilder darstellten, im Hause des Herrn Adler immer in correkter Wirklichkeit zu schauen gewesen, daß sein Haus ein echt jüdisches sei, in dem der Geist der Mizwah, das Licht der Tauroü gefunden werde. Namens eines Kreises engerer Freunde überreichte Herr Michael Rapp ein werthvolles Geschenk, indem er auf die allgemeine Hochachtung und Sympathie, deren sich Herr Adler stets erfreute, hindeutete, und den Dank für dessen Wirksamkeit in der pw rny gleichfalls darbrachte. Ein Schlußgesang endete die erhebende Feier und es erfolgte nun ein zwangloser Verkehr und Bewirthung der zahlreich erschienenen Gäste. Möge es dem jugendfrischen Greise vergönnt sein, noch recht lange in ungeschwächter Kraft seines Amtes zu warten, und ihm am Abende seines Lebens nur frohe und glückliche Stunden beschieden sein. Berlin, 16. Dez. Eine antisemitische Volksbühne in Sicht! Der Fall Ahlwardt hat auf antisemitischer Seite den Anstoß zu einer lebhaften Agitation nach verschiedenen Richtungen gegeben. So will die Nationale Vereinigung Jung-Deutschland nach dem Vorbilde der Sozialdemokratie auch die Kunst dem Antisemitismus dienstbar machen. Die Propaganda für eine deutsche d. h. antisemitische Volksbühne war der Zweck einer für Dienstag einberufenen Versammlung dieser Vereinigung. Herr Wald führte in dieser Beziehung des Weiteren aus, daß das Judenthum die vorbereitenden Schritte für seine Machtstellung gerade auf dem Gebiete der Litteratur und durch die Bühne gethan habe. Endlich seien aber auch die Deutschen klug geworden, um den Schwindel zu erkennen (Sehr richtig!). Den seichten französischen Stücken, an denen die jüdische Raffe Gefallen habe, wolle man eine gesunde deutsche Kost gegenüberstellen (Lebhafter Beifall). „Jung-Deutschland", Abtheilung für Litteratur und Bühne, werde eine Institution schaffen, die einen neutralen Boden für alle Elemente des Antisemitismus, auch die konservativen, bilden werde. (Beifall.) Der Gedanke, den auch der Vorsitzende, Herr Scholz, noch näher erläuterte, fand in der Versammlung lebhaften Anklang. Eine große Anzahl der Anwesenden erklärte sich zum Beitritt bereit, und man hofft, schon im nächsten Monat die erste Aufführung veranstalten zu können. — Eine antisemitische Volksbühne — sämmtliche Witzblätter werden diese Idee mit größter Freude und Genugthuung begrüßen: Endlich einmal ein „judenreiner" Theaterzettel und ein Theater zu festen Preisen, wo nichts heruntergelassen wird, außer dem Vorhang! Die Taufscheine sämmtlicher Mitglieder werden auf der Rückseite des Zettels abgedruckt sein, ebenso wie das Konificmattons-Zeugniß des Autors. Stöcke und Schirme brauchen in der Garderobe nicht abgegeben zu werden, da für Andersdenkende Klappsitze reservirt sind! Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 14. Dezember. Der Gemischtwaarenhändler Johann Dostalek, ein antisemitischer Armenrath des Bezirkes Favoriten, welcher sehr gegen die Korruption eiferte, beschäftigte sich in seinen freien Stunden damit, gestohlene Gegenstände von den Dieben auzukaufen. Sein Geschäftsfreund war der 25jährige Franz Heissinger, welcher als Mitglied einer fleißigen Einbrecherbande ihm häufig Maaren zum Ankäufe oder zur Verhehlung überbrachte. Es mag Dostalek bet seinem politischen Glaubensbekenntnisse wohl eine gewisse Genugthuung bieten, daß drei Beschädigte in dieser Sache, Philipp Lippkowitz, Sigmund Schaffer und Joachim Mandler, Juden sind. Heute erschien Dostalek vor einem Erkenntnißsenate unter Vorsitz des Landesgerichtsrathes v. Edelskuty unter der vom Staatsanwalts-Substituten Dr. Frühwald erhobenen Anklage der Diebstahlstheilnehmung. Der Gerichtshof verurtheilte Johann Dostalek zu einem Jahre Kerkers mit einem Fasttage in jedem Vierteljahre. Pest, 15. Dez. Gestern fand im großen Saale des israelitischen Mädchenwatsenhauses und heute im Lehrsaale des Waisenasyls des hiesigen israelitischen Fraueuvereins die übliche Chanuka- Feter statt, der ein zahlreiches Publikum beiwohnte. Der Gesammtausschuß, sowie die Vorstandsdamen des Vereins mit der Präsidentin Frau Johanna Bischitz waren ebenfalls anwesend. Oberlehrer Stern hielt eine passende Ansprache an die Waisenkinder, hierauf folgte Deklamationen und Gesänge. Die Feier endete mit dem Danke, den ein Waisenmädchen im Namen der zahlreichen Zöglinge der Vereinsleitung abstattete. Nach den Feierlichkeiten wurde den Kindern eine opulente Jause verabreicht. Feuilleton. „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel/ Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (39. Fortsetzung.) „Sie befanden sich in einer Lage, die sich nur jener vorzustellen vermag, der sich je selbst in einer gleichen befunden! — Es ist der peinlichste, der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.