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Der Israelit · 1892-12-28 · Heft 102-103 (28.12.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 102-103 (28.12.1892)
Date
1892-12-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1959 läßt. Muß denn der Sohn des einfachen Gewerbetreibenden studiren, muß der Sohn des Lehrers Pfarrer, der Sohn des Pfarrers Regierungsrath werden wollen? Gerade ans der Zunahme des Antisemitismus ist zu ersehen, daß ein großer Theil der Nation bisher wirthschaftlich zu naiv gelebt hat, und daß in unserer Gesetzgebung noch Lücken bestehen, welche dem unlauteren Wettbewerb mehr Raum gewähren als durch die Rücksicht auf die nothwcudige Bewegungsfreiheit von Handel und Verkehr geboten ist. Wenn die Entwicklung des Verkehrs und der Finanzverhältnisse zu einer Beherrschung des Großhandel und der Production der Massenartikel, vielleicht auch der Broifrüchte, durch das Großkapital drängt, so gicbt es vernünftigerweise nur einen Rath, den man der christlichen Bevölkerung geben kann: gleichfalls Geld zu verdienen, natürlich auf anständige Weise, und die praktische Fundamer.tirung der Lebenshaltung höher zu stellen, als Rang und Titel. Je mehr zu allgemeiner Anerkennung gelangt daß eine Verminderung der Gegensätze zwischen Christen und Juden in Deutschland im staatlichen nationalwirthschaftlichen und socialen Interesse liegt, desto zuversichtlicher dürfen die Juden darauf rechnen, auf christlicher Seite williger Bereitschaft zur Aufnahme in diejenigen Parteien zu begegnen, die man die staatserhaltenden nennt. Wo es sich darum handelt, das Interesse Aller zu fördern, der gemeinsamen friedlichen Arbeit den denkbar besten Erfolg zu sichern, da kann cs bei beiderseitigem guten Willen nicht schwer fallen, die Grundlagen für eine Friedensalliance zu finden, die allen Friedensstören gegenüber, sie mögen Christen oder Juden sein, einen vorwiegend defensiven Charakter haben soll. Kein Theil soll dem andern ein Opfer des Jntellects bringen, keiner dem andern eine unbillige Zumuthung stellen, keiner dcm andern ein Canossa aufnöthigen. Was sie Beide gewinnen, indem sie Zusammenwirken, gewinnt das gemeinsame Vaterland! Zeitungsnachrichten und Correspondeuzeu. Deutschland. Frankfurt a. M., 25. Dezember. War es am Schabbos Chanuka die Schwestcrgemeinde Hamburg, welche eines ihrer wackersten Mitglieder das achtzigste Lebensjahr vollenden sah, so war es gestern, Schabbos Wajtgasch, die Frankfurter Kehilla, in welcher einer der treuesten Bekenner des orthodoxen Judenthums, Herr Nathan B. Adler das Fest des achtzigsten Geburtstages feierte. Genannter, ein Sohn des durch seine Frömmigkeit und Gelehrsamkeit berühmten Rabbinats-Assessors Rabbi Bär Adler wurde am 8. Tage des Chanukahfestes im Jahre 1812 geboren. Seit Gründung der Israelitischen Religionsgesellschaft ununterbrochen als Chasan und Baal Koreh fungirend, gehört er sozusagen zu den „historischen" Persönlichkeiten derselben. Als im Jahr 1850 eine kleine Schaar gottbegeisterter treuer Männer sich um Samson Raphael Hirsch schaarten, um dem Uebermuth der Gesetzeslosen entgegenzutreten und der Thauro wieder auf Frankfurts Boden eine Stätte zu gewinnen, war Nathan Adler der erste Beamte des kleinen Kreises, dessen Bestrebungen er mit aufopfernder Hingebung seine Kräfte lieh. Seit dieser Zeit ist er ununterbrochen im Dienste der Religionsgesellschaft thätig gewesen, und er hatte das Glück, jenen anfangs bescheidenen Kreis sich erweitern zu sehen und zu erleben, wie die alte Frankfurter Kehillah, deren Blüthe er noch in seiner Jugendzeit geschaut und die unter dem Wüthen einer fanatischen Reformwuth den Grabesgang gehen mußte, in der Religionsgesellschaft wieder neu erstand, und wie Frankfurt wieder wie einst ein ly ^kiotd dxi wurde. An der Erreichung dieses Zieles hat er, der heute Achtzigjährige, wacker, hingebungsvoll, begeisterungsvoll mitgearbeitet, und es ist kein Wunder, daß die Glieder der Religionsgesellschaft den Tag, an welchem Nathan Adler sein achtzigstes Lebensjahr vollendete, nicht borübergehen lasten wollten, ohne ihm den Tribut der Verehrung und des Dankes darzubringen. Schon vor 2 Monaten hatte sich innerhalb unserer Gemeinde ein Comitö gebildet, um in würdiger, gebührender Weise den Ehrentag des Jubilars zu feiern. Den Höhepunkt der Geburtstagsfeier bildete der Festakt, der Schabbos nach Schluß der Morgensynagoge in der Wohnung desselben stattfand. Nachdem der Synagogenchor Boruch habo gesungen, ergriff Herr Rabbiner Dr. Breuer '»2 das Wort und schilderte in bewegten und bewegenden Worten die Verdienste dieses pw uv. Er wies daraufhin, daß in der heiligen Schrift die Lebensdauer unserer Väter immer nach Tagen und nicht nach Iahren, wie man nach der Größe ihrer Lebensdauer erwarten sollte, zähle, es liege darin die Anerkennung eines in Pflichttreue und hingehender Arbeit vollbrachten Lebens, bei welchem kein Tag spurlos vorübergehe, wo jeder Tag feine Aufgabe, seine Bestimmung und seinen Werth habe. Auch Herr Adler dürfe mit Stolz nicht nur die Jahre, sondern auch die Tage seines Lebens zählen, da nur Pflichterfüllung, rastlose Arbeit im Dienste der min fein Lebenszweck gewesen sei. Der Herr Rabbiner sprach den Wunsch aus, daß Herr Adler noch lange Zeit der Religionsgesellschaft zur Zierde gereichen möge. — Alsdann ergriff Herr Selig Goldschmidt

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