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Der Israelit · 1892-12-22 · Heft 101 (22.12.1892) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 101 (22.12.1892)
Date
1892-12-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1942 Hoffnungen auf einen glücklichen Ausgang des Prozesses vernichtet habend" frug Wertheimer. „Nein, Herr Oberhoffaktor! Mein Vater befand sich in einer ganz anderen Lage, als mein Oheim. Während dieser sich durch seine staatsmännische Thättgkeit zahlreiche Feinde geschaffen, hatte mein edler Vater aller Welt nur Gutes erwiesen, nie einen Menschen geschädigt, nie einem Menschen den geringsten Grund zur Klage gegeben und auch die gegen ihn erhobene Beschuldigung: er befinde sich im Besitze abergläubischer, hebräischer Bücher, erschien nicht nur mir, sondern auch den hervorragendsten deutschen Rechtsgelehrten, deren Ansicht ich einholte, vollkommen ungefährlich; diese glaubten, daß selbst, wenn der Besitz dieser Bücher erwiesen wäre, dies nicht als Verbrechen betrachtet werden könnte, ich selbst war aber überdies überzeugt, daß die beiden mit der Prüfung der meinem Vater confiscirten Werke beauftragten Commissäre, Generalsuperintendent Haendl und Licentiat Meelführer die Lügenhaftigkeit der Anklage aussprechen und die Enthaftung meines Vaters beantragen würden. Man drängte den Markgrafen, er solle auch von der theologischen und juridischen Fakultät in Altdorf ein Parere abfordern und diese waren ehrlich genug in voller Uebereinstimmung mit leicht erkennbarer Ironie auszusprechen: Oberrabbiner Hirsch Fränkl habe noch Niemanden durch kabbalistische Künste gefährdet.7) Ich und alle juristischen Autoritäten außerhalb Ansbach, denen ich dieses Gutachten mittheilen ließ, erwarteten mit Bestimmtheit, daß mein Vater in Folge desselben in Freiheit und wieder in sein Amt eingesetzt würde — aber das Gericht fällte und Markgraf Friedrich bestätigte das haarsträubende, laut 7) Historisch. zum Himmel aufschreiende Urthett: perxetuw 6a.reeruw.'b) und mein Vater, einer der edelsten Menschen, die je gelebt, wurde in Schwabach in den Mauerthurm gesetzt und wie ein reißendes Thier, einen eisernen Ring um den Leib an die Mauer gekettet. Allein Markgraf Friedrich Wilhelm, der sich wieder in großer Geldverlegenheit befand, wollte nicht ohne Nutzen ungerecht, undankbar und grausam gewesen sein, und so dekretirte er auch, daß nicht nur meines Vaters Vermögen, sondern auch jenes meiner Mutter; — diese hatte von ihren Eltern großen Reichthum geerbt — confiscirt, sie mit ihren Kindern für ewig aus Ansbach verwiesen und ihnen die Rückkehr bei Todesstrafe untersagt werde. Ich befand mich außer Landes und so erging an den Vogt von Cadolsburg der Auftrag, meine Mutter und meine fünfzehnjährige Schwester Eva außer Landes zu schaffen und ihnen nichts zu lassen, als jeder ein Stücklein Bett und die Kleider, die sie am Leibe trugen. Die an Reichthum, Wohlleben und Wohlthun gewöhnten Frauen, meine Mutter und meine Schwester, das zarte, unschuldige, fünfzehnjährige Kind, waren plötzlich heimaths-, schutz- und rechtlos geworden; — sie wußten nicht wohin sie ihren flüchtigen Fuß wenden, wohin sie des Nachts ihr müdes Haupt legen sollten! — Sie befanden sich in der furchtbarsten, entsetzlichsten Lage. Ihre ganz beispiellose Armuth — (wo hätte es je auf der Welt einen Bettler gegeben, der nicht eine kleine Münze, ein Stück verschimmeltes Brod, ein Hemd zum Wechseln, irgend etwas besessen hätte?) — hatte die erschreckendeste Muthlosigkeit, jene grauenhafte Verzweiflung hervorgerufen, die nur eine einzige Hoffnung — den erlösenden Tod — kennt! (Fortsetzung folgt.) 8) Ewiger Kerker. Der »Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Kuchhanürl ja besiehe» bei G. $. Kleinacker. Keipsig, Rohplatz 18. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum— Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland Uttd Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redactiou eingesandten Manuskripten findet nicht statt, man bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Kopie zurückznbehalteu. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Ein Friedenswort. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Berlin. Hamburg. Fürstenwalde a. d. Spree. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Rußland: Petersburg. — England: London. Portsea. — Palästina: Haifa. — Vermischtes. — Feuilleton: „Fürstengunst." Erzählung von S. Lohn, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Posen. Osnabrück. Bad Ems. Hannover. — Amerika: Argentinien. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. — Griechenland: Marocco. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Derzeichnisse. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei-Aetien-Gesellschast in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

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